Moderatorin Annina Frey Ich bin so frey

  • Publiziert: 16.11.2008, Aktualisiert: 08.02.2012
  • Von Helmut-Maria Glogger
play Hochsitz für sanfte Träume Geborgen in einer luftigen Nische verbringt Annina Frey ihre Nächte. (Nik Hunger)

Sie ist der burschikose Wirbelwind der TV-Sendung «Glanz & Gloria»: Annina Frey, die Bummlerin zwischen Mode und Moderation, die Nachbarin von Boris Becker und das Model des weltberühmten Sankt Galler Designers Albert Kriemler.

Erste Sätze in einem Artikel sind oft wie Liebe auf den ersten Blick: Sie bleiben hängen – und prägen, was an Worten folgt.

So könnte das Porträt über die «Glanz & Gloria»-Moderatorin Annina Frey zum Beispiel so beginnen: Die Baslerin hat auf jeden Fall in den vielen Schulen, die sie in Basel und San Diego besucht hat, mehr gelernt als der Weltstar, der ihr Wohnungsnachbar ist – als Boris Becker.

Die Story könnte auch so beginnen: Annina Frey war wohl die einzige Schauspielschülerin, die eine Sportart ausübte, die so gar nicht zu ihrer filigranen Figur passt: Sie schoss.

Auch das wäre ein Einstieg: Was bewegt eigentlich die Tochter eines Medizin-Wissenschaftlers und einer Kinderkrankenschwester sich ausgerechnet das eigenartige Berufsgebilde «Mode & Moderation» auszusuchen? Obwohl sie doch Psychologie studierte?

Alle drei ersten Sätze stimmen – und geben doch ein verzerrtes Bild der Person, die in einem Loft am Stadtrand Zürichs zwischen Roter Fabrik und Freibad Wollishofen an einem grob gemaserten Holztisch sitzt – vor einer unverbaubaren Aussicht auf den gerade mal fünf Meter entfernten Jachthafen.

Sicher. Boris Becker ist ihr Nachbar. Über den sie privat nur so viel verrät: «Er parkiert seine Autos gern quer vorm Haus.» Ach ja: «Wenn wir uns sehen, grüsst er nett.» Aninas kleiner Schlenker für Schlagzeilen: «Ich habe mir noch nie Milch bei ihm ausgeliehen.»

Vergessen wir mal alles, was über Boris Becker und Annina Frey in Medienarchiven schlummert. Beide sind anders. Der eine ein witziger Bursche, wenn er im Chalet von Gunter Sachs in Gstaad amüsiert über sich plaudert. Die andere hat in Kalifornien souveräne Lässigkeit gelernt, in diversen öffentlichen und freien Schulen die leichte Kraft der amüsanten Durchsetzung. Sie verkörpert eine Mischung aus burschikos-brünetter Cameron Diaz und charmanter Eidgenossin mit Weltenbummler-Flair.

Frau Frey verführt zum verbalen Flanieren. Die zarte Person läuft Halbmarathon, reitet sehr gut, trainiert Triathlon, kickboxt, kitesurft, wandert mit Schneeschuhen und ist Taekwando-Kämpferin. Wenn Wind, Wetter, Laune anders ausschlagen – dann lässt sie einen Mini-Helikopter per Fernsteuerung durch das Loft surren.

Im grossen Raum befindet sich alles, was man zum Leben braucht: Küche, Toilette, Badezimmer, Bücherwand (bestückt mit Donald-Duck-Comics). Neben dem Bett beherrscht ein gigantischer Flatscreen-Fernseher die Wohnlandschaft.

Diese vermittelt einem mit ihrer sieben Meter langen Fensterwand das Gefühl, über dem Zürichsee zu schweben. Dass Annina hier nicht allein lebt, beweist die Galerie von Markenturnschuhen. Ihr Freund ist das kreative Multitalent Roger Bächtold, Architekt, Avantgardist und Designer von In-Bars und Restaurants. Der sich auch als DJ in Szene setzt.

Apropos in Szene setzen. Bei Annina müsste das eher heissen: «In Szene stellen!» Warum? Sie ist die Muse, das Original-Model für die Haute-Couture-Entwürfe des St. Galler Mode-Genius Albert Kriemler. Sie steht für Akris parat, lässt stundenlang an sich zupfen, zerren, verändern, nesteln – denn Lady Frey hat genau die Gardemasse, die Kriemler für seine Kunstwerke aus Stoff und Farbe braucht.

«Harte, aber wunderbare Arbeit. Stundenlang in zu engen Schuhen stehen. Oder Luft anhalten – da selbst ich oft nicht in die Kleider passe. Aber auf den Laufstegen in Paris sieht dann alles wunderbar aus.»

Wahrlich. Die burschikose Annina Frey erinnert an die Muse der französischen Existenzialisten, der Pariser Couturiers: mit ihrer androgynen Figur, ihrem Schalk, dem eigenwilligen Steinbock-Charakter und der an die wilden 20er-Jahre erinnernden Bob-Frisur.

Sie lebt ohne Schnickschnack, ohne Kompromisse, immer mit dem Willen, unabhängig zu sein. So hat sie keine Agentur, keinen Manager. «Ich bin schon speziell», sagt sie, immer noch mit einem feinen Basler Dialekt – und ist dem Fernsehen dankbar, «dass die mir nicht nur die Chance geben, zu moderieren. Sondern mir auch wirklich helfen.»

Ganz zufrieden wird Annina Frey wohl nie. Dazu ist sie einerseits zu ehrgeizig, andererseits zu schnell – und ihr Traum, «mal auf einem Bauernhof mit Pferden zu leben», scheint wohl noch lange ein Traum zu bleiben.

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