
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
«Man gewöhnt sich nicht an diese Kultur. Ich mich jedenfalls nicht. Man passt sich allenfalls an», schreibt die 32-jährige Helen Kämpf aus Indiens Nordosten. Seit fast acht Jahren lebt die Aargauerin in Sikkim. Verheiratet mit Topgay, ihrem sikkimesischen Ehemann, betreibt sie dort ein ökologisch und kulturell geführtes Resort am Fuss des östlichen Himalaya.
«Heute leite ich das Resort und die Reisen zusammen mit einem Team, das ich ausgebildet habe. Besonders stolz bin ich darauf, dass mein Team so motiviert ist. Alle sind gewillt, jegliche Arbeit zu verrichten. Dem aus Indien Einzug haltenden Kastendenken haben wir diesbezüglich einen Riegel vorschieben können», betont die Auslandschweizerin.
Doch zurück in den Aargau. Helen Kämpf war schon als Kind von fremden Welten begeistert. «Meine Schwester erzählte mir vom Dalai Lama und dem Los des tibetischen Volkes. Ich las Bücher über den Buddhismus und später nahm ich an Meditationskursen teil.» Dabei lernte sie ihren Mann kennen, «in einem tibetischen Meditationszentrum in San Francisco». Mit Topgay zog sie für kurze Zeit nach Alaska und danach in die Schweiz. Dort heirateten die beiden, «in Sigriswil BE auf gutbürgerliche Art in der Dorfkirche».
Zwei Jahre arbeiteten die beiden in der Schweiz. «Dann beschlossen wir, nach Sikkim zu ziehen, um dort unsere eigenen Ideen und Visionen aufzubauen: Ein Ressort und eine Reiseagentur.»
«Der Entscheid, mich am anderen Ende der Welt niederzulassen, fiel spontan und aus dem Bauch heraus. Ich war schon immer abenteuerlustig und wollte mein eigener Boss sein und meine Interessen und Hobbys zum Beruf machen.» Inzwischen wurde Helen Kämpf auch Mutter. Ihre Tochter Noemi (5) geht schon zur Schule und wächst dreisprachig – Deutsch, Englisch und Nepalesisch – auf.
Ein bisschen geschockt war die Aargauerin beim ersten Besuch Sikkims schon. Sie hat sich die Heimat ihres Mannes anders vorgestellt. Helen Kämpf musste sich auch in ihrer Arbeitsweise gehörig umgewöhnen. «Hier beginnt die Arbeit oft erst um 10 Uhr, gefolgt von zahlreichen Teepausen.» Zudem habe die Familie einen «überdimensionalen Stellenwert».
Dies hat aber auch positive Seiten: «Die Kinder wachsen hier unbeschwerter auf. Noemi hat vielleicht weniger Spielsachen, aber immer viele Menschen um sich herum.» Zudem sei sie in den Monaten vor und nach Noemis Geburt grossartig unterstützt worden, erzählt Helen Kämpf. «Während in der Schweiz Mütter mit Kindern oft auch sich alleine gestellt sind, ist hier das Gegenteil der Fall.»
Dennoch: «Ich bin Schweizerin und von vielen aus der Schweiz mitgebrachten Werten nach wie vor überzeugt. Dass ich nun schon acht Jahre in Sikkim lebe, ändert nichts daran.» Fürs Geschäft wäre es nicht gut, wenn sie die Gewohnheiten der Sikkimesen übernehmen würde, ist Helen Kämpf überzeugt, «dann würde nichts mehr effizient funktionieren». «Aber ich lerne damit umzugehen: Alles kommt anders als man denkt.»
Deshalb habe sie im fernen Sikkim etwas ganz Wichtiges gelernt: Geduld. «Entweder man übt sich in Geduld oder man macht sich kaputt.»