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Tag sechs nach dem Unglück: Hilfe erreicht die verzweifelten Menschen nur schleppend. (Keystone)
Auf Haitis Flughafen treffen für zwei Tage keine neuen Hilfslieferungen mehr ein. Denn: Es gebe zurzeit keine Lagerungsmöglichkeiten mehr, meldete das Uno-Büro für humanitäre Hilfe (OCHA) heute aus Genf.
Auch auf dem Landweg ist der Transport von Hilfsgütern schwierig: Die rund 300 Kilometer lange Fahrt vom Nachbarland Santo Domingo in die haitianische Hautpstadt Port-au-Prince dauert mehr als 18 Stunden. Grund dafür seien Staus.
«Es wird bald einen Aufstand geben»
Das heisst auch: Für die Helfer aus aller Welt wirds auf Haiti brenzlig.
Die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen leben seit Tagen in Angst vor Überfällen (Blick.ch berichtete). Doch angesichts der knappen Hilfsgüter wächst der Zorn und Hass der Erdbebenopfer. «Es kommen viel zu wenige Lieferungen an. Das wird hier bald einen Aufstand geben», sagte ein Helfer gegenüber «Spiegel Online».
Abstellen, weg rennen
«Wenn wir einen Lastwagen mit Lebensmitteln haben, was machen wir dann damit?», so ein Helfer. «Es ist risikoreich, die Waren einfach zu verteilen, wegen all der Menschen, die nichts bekommen. Das wird richtig gefährlich.» Eigentlich müsste man den Wagen einfach schnell irgendwo abstellen und wegrennen.
«Alle mit offenen Knochenbrüchen werden sterben»
Auch die Ärzte sind am Limit. Es gibt kaum funktionierende Krankenhäuser, Medikamente und Hygiene fehlen. «Alle, die offene Knochenbrüche haben, werden sterben, und wir können ihnen nur den Tod erleichtern», so ein Arzt. Es gibt Medienberichte, wonach sich ganze Ärzteteams auch aus dem Staub machten, weil sie absolut nichts mehr tun konnten.
Die dominikanischen Spitäler an der Grenze zu Haiti sind laut OCHA überfüllt. Es fehlt an medizinischer Ausrüstung. Bisher seien zudem erst 3000 bis 4000 Zelte in Haiti eingetroffen. Nötig wären aber 20000.
Am wichtigsten aber sind Wasserlieferungen. Nur Wasser kann Epidemien verhindern. Plünderer und Menschenmeuten, die auf die Helfer losgehen – die Polizei in Haiti ist grösstenteils hilflos. Sie setzt Tränengas ein und hat die Anordnung gefasst, nur «im äussersten Notfall» auf Menschen zu schiessen. «Wir sind zu wenig und diese Leute sind verzweifelt», sagt ein Polizist.
Der Hass der Hungernden und Verletzten richtet sich auch auf den eigenen Präsidenten: René Préval hat sich seit dem Horror-Beben bei den eigenen Leuten nicht mehr blicken lassen. (gux)