
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Eine Stunde vor dem Start lässt sich Usain Bolt noch gemütlich neben der blauen Tartanbahn massieren. Seine ärgsten Kontrahenten Asafa Powell (Jam) und Tyson Gay (USA) tigern dagegen schon nervös umher.
Nach dem Startschuss zeigt sich aber ein anderes Bild. Der jamaikanische Sprint-Gott zieht richtig durch, schaut sich kurz vor Schluss noch um, doch Tyson Gay ist nicht in Sichtweite. Jetzt gilt die Aufmerksamkeit nur noch der Anzeigetafel. Und was Bolt da sieht, ist eine Zeit aus einer anderen Dimension. Die Uhr stoppt exakt nach 9,58 Sekunden!
Usain Bolt hat seinen eigenen Weltrekord aus Peking (9,69 Sekunden) pulverisiert. Dieser Fabelrekord wirft aber auch Fragen auf. Ist diese Zeit überhaupt für einen Menschen möglich? Wo sind die Grenzen? War Bolt gar gedopt?
Doping-Wolken über jamaikanischem Team
Denn über dem jamaikanischen Team schwebte vor der WM eine dunkle Doping-Wolke, auch Usains Trainer Glen Mills gehörte zu den Mitgliedern der verdächtigten Trainingsgruppe aus dem Sprintstaffel-Pool. Vor dem WM-Start hat Jamaika aber den WM-Rauswurf von Ex-Weltrekordler Asafa Powell und fünf weiteren Leichtathleten auf Druck des Leichtathletik-Weltverbands zurückgezogen. Usain Bolt war nie in das Doping-Theater involviert. Auch unser WM-Experte Werner Günthör sieht das so: «Solange Bolt nicht positiv getestet wird, ist er nicht gedopt.»
Im Gegenteil: Das Ende der Weltrekord-Fahnenstange ist bei Bolt noch nicht erreicht. Günthör: «Der Jamaikaner hätte noch schneller laufen können. Die Entwicklung des 100-m-Weltrekords zeigt es ja. In den letzten 40 Jahren wurde die Zeit kontinuierlich verbessert, und Bolt hat die idealen Voraussetzungen. Was besonders erstaunt: Trotz seiner Grösse kommt Bolt blitzschnell aus dem Startblock und kann seine Stärken gleich von Beginn weg ausnutzen.»
Bolt wird weiter für Furore sorgen
Auch über 200 Meter ist Usain Bolt für Günthör der klare Favorit (Final am Donnerstag, 20.35 Uhr): «Wenn er die Geschwindigkeit aus der Kurve mitnehmen kann, wird er locker Gold holen.»
Aufmunternde Worte findet Günthör für Tyson Gay: «Vor eineinhalb Jahren wäre er noch der grosse Star gewesen. Bei diesem Jahrhundert-Rennen wurde er aber von Bolt geschlagen. Ein Wunder, dass die Bahn nicht gebrannt hat, es war ein sportliches Feuerwerk!»
Der Weltrekord von Bolt sei aber «nur» ein schöner Nebeneffekt. An einer WM fasziniere vielmehr der Kampf an sich. Die Leichtathletik «soll auch wieder mehr als Spiel wahrgenommen werden und nicht nur über die Leistung», sagt Günthör zum Schluss. Das schöne daran: Usain Bolt zeigt eine einmalige Leistung und geht auch ein WM-Final locker wie ein Spiel an.
play
Werner Günthör ist unser WM-Experte. (zVg)