Der Gigathlon 2009 hat die (Ost-)Schweiz bewegt. Auf Inline-Skates, mit dem Rennvelo, dem Mountainbike, schwimmend und laufend überwanden die Gigathleten an drei Tagen 448,4 Kilometer und 8’310 Höhenmeter. Gigathlon Man 2009 wurde Roger Fischlin, Gigathlon Woman 2009 ist Nina Brenn.
Fischlin und Brenn die Besten
Beide konnten ihre Titel aus dem Jahr 2007 verteidigen – ein Novum in der Geschichte des Gigathlon. Die Kategorie Couple konnte das Thuner Team Adrenalin mit Barbara Bracher und Matthias Gerber für sich entscheiden.
Golden Talents auf Rang 173
In der Kategorie Team of Five überquerte Ernst Walter vom Odlo Top Team in Begleitung seiner Teammitglieder um 15:30 Uhr als erster Gigathlet die Schlusslinie. Sein Team of Five gewann vor dem Team Klinik im Park und dem drittplatzierten Sponser Team. Das Das Golden-Talents-Team erreichte den 173. Rang von 842 klassierten Teams. Einige Dutzend Teams mussten aufgeben.
Zielschluss am Gigathlon 2009 ist um 22 Uhr. Bis dahin werden noch viele Gigathleten aus den Kategorien Single, Couple, Team of Five in der Kreuzbleiche einlaufen.
Ostschweiz war begeistert
Die Ostschweiz und St.Gallen als Zentralort beherbergten an diesem Wochenende den von Swiss Olympic organisierten Gigathlon. 5531 Gigathleten bevölkerten von Freitag bis Sonntag die Sportanlage Kreuzbleiche. Gigathlon Projektleiter Corsin Caluori zieht nach drei Wettkampftagen eine sehr positive Bilanz: «Die ganze Organisation hat ohne nennenswerte Zwischenfälle funktioniert. Petrus war dieses Jahr ein toller Gigathlon Supporter und die Herausforderung der sechsten Gigathlon Disziplin, der Logistik, haben wir bestens gemeistert.»
«Hilly Saturday» und «Flowing Sunday»
Am Freitag hatte der Gigathlon 2009 mit der «Cool Down» Etappe, noch ohne Zeitmessung, begonnen. Am «Hilly Saturday» schwammen die Gigathleten um sechs Uhr morgens von Rorschach nach Altenrhein, der aufgehenden Sonne entgegen. Auf der Inlinestrecke nach Buchs/Schaan blieb der gefürchtete Gegenwind auf dem Rheindamm aus. Die Velofahrer übergaben nach einem Abstecher nach Liechtenstein und Österreich in Oberriet an die Läufer. Diese hatten zwar nur eine Strecke von 12 Kilometern, dabei aber 1’400 Höhenmeter auf den Hohen Kasten zu bewältigen. Den ersten Tag schlossen die Biker mit einer Fahrt von Brülisau nach St.Gallen ab.
Der «Flowing Sunday» war mit 197 Kilometern ähnlich lang wie der «Hilly Saturday», mit 2’890 Höhenmetern aber deutlich weniger coupiert als der Vortag (4400 Höhenmeter). Die Strecke führte auf Inlines von St.Gallen nach Kreuzlingen. Dort wurden die Schwimmer in den Bodensee geschickt. Die anschliessende Bikestrecke führte nach Frauenfeld, die Velofahrer übergaben in Uzwil an die Läufer, welche in St.Gallen ins Ziel einlaufen konnten.
Das Golden-Talents-Team auf Blick.ch
Blick.ch begleitete am Gigathlon 2009 das Golden-Talents-Team hautnah. Das Team aus drei Athleten aus dem nationalen Sportförderungsprogramm Golden Talents wurde ergänzt von den beiden BLICK-Leserinnen Rachel Beck und Andrea Wigger.
Skiakrobat Renato Ulrich vom Golden-Talent-Team berichtet täglich vom grossen Abenteuer
Und schon ist der Gigathlon 2009 Geschichte!
Aber wenn es irgendwie geht, machen wir nächstes Jahr wieder mit – unser Golden-Talent-Team war wirklich super und wir haben viel gelacht! Sicher wird es schon vorher mal ein privates Treffen geben.
Für uns fünf begann am Montag wieder umgehend der Alltag. Unsere beiden BLICK-Leserinnen und Super-Athletinnen, Rachel Beck und Andrea Wigger, sowie Behindertensportler und Banker Christoph Kunz gehen wieder ihren Berufen nach. Snowboarderin Sandra Frei reiste bereits nach Saas Fee zum Training auf dem Gletscher. Und ich bin wieder zum WK in Magglingen eingerückt.
Den Rest dieser Woche verbringe ich mit Skispringen von der Wasserschanze an der EM in Tschechien. Meine Beine fühlten sich allerdings schon besser an als im Moment. Aber unter einem kleinen Muskelkater oder schweren Glieder werden wohl alle Gigathleten an den Folgetagen etwas leiden.
Doch das war es mehr als wert! Die drei Tage in der Ostschweiz waren wirklich ein besonderes Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Besonders danken möchte ich an dieser Stelle unseren «zwei Mädchen für alles» im Camper, Beat und Urs. Ohne ihre Hilfe wäre alles niemals so reibungslos abgelaufen. Und den vielen Fans, die vor allem am Sonntag zahlreich an den Strecken standen und uns anfeuerten – das war wirklich motivierend! Ciao zäme.
Tagebuch vom 6. Juli
Der «Flowing Sunday» machte seinem Namen alle Ehre: Nicht unbedingt, weil das Rauf und Runter an diesem konditionell anstrengenden Tag fliessend und einfach zu bewältigen war, sondern eher weil es die letzten fünfundvierzig Minuten des dreitägigen Mega-Anlasses wie aus Kübeln goss!
Unsere Läuferin Andrea Wigger – die sich übrigens in einem Feld mit Männern ausgezeichnet schlug – musste im Grande Finale durch die Fluten rennen. Immerhin zeigten wir uns solidarisch und liefen die letzten 200 Meter mit ihr – gemeinsam überquerten wir am Ende pitschnass die Ziellinie.
Wir sind die 166. von rund 850 klassierten Fünfergruppen. Das ist doch nicht schlecht, oder? Am Samstag hatte man uns fälschlicherweise eine Strafstunde aufgebrummt, weil unsere Supporter angeblich falsch gefahren sind. Aber wir legten Protest ein und die Zeit wurde wieder abgezogen. Damit machten wir viele Plätze gut. Wir sind jedenfalls recht zufrieden mit uns, haben gute Leistungen gezeigt. Besonders unsere Rachel Beck – sie schwamm wirklich top top top!
Die Stimmung in unserer Gruppe war ebenfalls bestens, wir hatten Super-Tage miteinander! Schade nur, dass am Schluss alles so rasant gehen musste und gar keine Zeit zum Feiern blieb: Denn die meisten von uns mussten schnell wieder heim, ich zurück ins Militär. Aber eines ist sicher: Für nächstes Jahr ist schon gebucht!
Tagebuch vom 5. Juli
Die gute Nachricht vorweg: Das Golden-Talents-Team ist gut dabei. Zwischenrang 435 nach Tag 1 – das ist bei einem 850er-Feld doch gar nicht schlecht.
Zu verdanken haben wir das mitunter unseren beiden schnellen BLICK-Leserinnen Rachel Beck und Andrea Wigger, die durch ihre Bewerbung zum Profi-Team stiessen. Die waren definitiv top, mit ihnen haben wir das grosse Los gezogen.
Rachel hat zu Beginn beim Schwimmen abgeräumt. Sie wurde Sechzehnte! Später entpuppte sich Andrea als flinkes Berggemsli – oder vielleicht sollte ich besser sagen, sie sprang herum wie ein junges Reh ...
Unser Handbiker Christoph Kunz fiel auf der Inline-Strecke etwas zurück, blieb aber immer noch über seinen Erwartungen. Den grössten Frust zog ich wahrscheinlich ein: Als ich an der Reihe war, lagen wir ungefähr an 50. Stelle. Deshalb überholten mich mehr Velofahrer als umgekehrt. Logisch, es gibt viel bessere Biker als mich. Für mich war die Strecke ausserdem recht happig und steil.
Am Schluss sorgte Sandra Frei auf dem Mountainbike nach rund zweieinhalb Stunden und 40 Kilometern dafür, dass wir den letzten Tag des Mega-Events als 435. starten. Am Abend fühlte sich unsere Gruppe wieder fit und bereit für den Endspurt. Zumindest lächelten beim ZuBett-Gehen alle – auch ich wieder.
Tagebuch vom 4. Juli
«Cool Down Friday» hiess der Start-Tag des Gigathlon 2009 – statt abzukühlen sollte er aber zur Aufwärmung dienen. Noch ging es um nichts, die Athleten konnten sich locker einfahren, erst am Samstag und Sonntag gilt es Ernst. So oder so täuscht der Name, denn so gemütlich, waren die Strecken nicht.
Meine Rennstrecke war zwar einfach zu meistern und auch Handbiker Christoph Kunz kam gut zurecht. «Aber der kurze Mountainbike-Teil hatte es in sich», sagt Andrea Wigger. Eigentlich ist sie in unserer Gruppe für die Laufstrecke vorgesehen, aber aus Spass tauschte sie mit Bikerin Sandra Frei die Disziplin. Andrea fand den Velo-Weg steil und happig. Da die Teilnehmer alle nah aufeinander fuhren, kam es ausserdem zu mühsamen Staus. Sandra ihrerseits empfand die Laufstrecke als «doch recht anstrengend».
Für den Wettkampf nehmen die beiden wieder ihre vorgesehene Rolle ein. Noch ist es schwierig zu sagen, wie gut unsere Golden-Talents-Gruppe ist. Wir treten ja gegen über 900 Fünfer-Gruppen an!
Im Campen sind wir jedenfalls schon mal stark! Das Zelt-Aufstellen ging problemlos, auch dank der Hilfe unserer Supporter Beat und Urs. Die Organisation ist auch bestens. Wir erhielten für mittags und abends Essens-Bons und werden reichhaltig versorgt. Jetzt müssen wir nur noch sehen, dass wir genügend Schlaf bekommen. Nicht zu spät ins Bett, heisst die Devise – aber erst, wenns im Zelt nicht mehr so heiss ist… Bis morn!
Tagebuch vom 3. Juli
Der Countdown läuft, die Vorfreude steigt. Wenn Sie diese Zeilen lesen, haben wir Gigathleten uns wohl bereits in St. Gallen getroffen – vielleicht sogar schon unsere Zelte aufgebaut. Dieses Jahr gibt es neu ein zentrales Zeltcamp, früher schlief man jede Nacht woanders. Die Organisation stellt zwei Vierer-Zelte für unsere Fünfergruppe. Wie wir uns aufteilen, müssen wir noch untereinander ausmachen. Aber bei zwei Männern und drei Frauen wird’s bestimmt eine Lösung geben, die allen passt.
Viel mehr beschäftigt uns im Vorfeld, dass wir nichts Wichtiges vergessen. Sicher sollten wir nur das Nötigste einpacken. Christoph Kunz, unser Handbike-Fahrer, muss unbedingt an seine Pumpe denken, für den optimalen Druck seiner Pneus. Rachel Beck, unsere Frau im Wasser, darf ihre Schwimmbrille nicht vergessen. Und Läuferin Andrea Wigger braucht unbedingt ihren O-Saft und (ganz wichtig!) Schoggi.
Ich persönlich nehme Ersatzkleider und einen Regenschutz fürs Velo mit, denn am Samstag soll es gewittern. Ausserdem packe ich einen Schlafsack und eine weiche Matte ein. Eine Stirnlampe fürs Zelten kann wohl auch nicht schaden. Privat bin ich kein erfahrener Camper, und ich denke, meine Teamkollegen sind es auch nicht. Wenn ich für den Sport unterwegs bin, nächtige ich sonst im Hotel – schliesslich sind das keine Ferien. Ich hoffe, dass wir gut schlafen werden. Andererseits: Müde genug werden wir sicher sein…
Tagebuch vom 2. Juli
Als Captain unserer fünfköpfigen Gigathlon -Gruppe kümmere ich mich im Vorfeld auch um Organisatorisches. Dazu gehört die Absprache und Koordination mit unserem «Mädchen für alles». Das ist zwar ein Mann, nämlich der Golden-Talents-Projektleiter Beat Rufer. Da er sich selbst so genannt hat, wird er es mir nicht verübeln, dass ich ihn hier so zitiere.
In einem Camper wird uns Beat zusammen mit Helfer Urs Nydegger an den drei Wettkampf-Tagen als Supporter begleiten. Er wird darin schlafen und uns rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Er transportiert unsere Velos und das Gepäck. Er hat isotonische Getränke und Energie-Riegel an Bord. Und er fährt zu allen Schauplätzen des Gigathlon – durch die Hügel und Täler der Ostschweiz und entlang dem Bodensee. Wenn einer von uns seine Arbeit auf der Teilstrecke der 448 Kilometer verrichtet hat, pickt Beat ihn auf und fährt mit ihm zur nächsten Station, wo ein anderer womöglich seine Hilfe braucht.
Unser «Mädchen für alles» ist wirklich wichtig – nicht zuletzt auch für die mentale Unterstützung, sollten wir mal einen Durchhänger haben. Zunächst wollen wir aber durchstarten statt durchhängen. Wir freuen uns auf Freitag. Morgens um zehn Uhr ist Treffpunkt mit Beat auf dem Parkplatz beim Camp in St. Gallen.
Tagebuch vom 1. Juli
Der Gigathlon rückt deutlich näher, in unserer Gruppe steigt die Spannung spürbar. Bis jetzt lenkte uns der Beruf, unser Alltag noch von dem bevorstehenden Sportspektakel über 8310 Höhenmeter und 448 Kilometer ab.
Aber jetzt telefonieren wir miteinander, klären letzte Fragen und beschäftigen uns mit der Planung. Hauptsächlich tauschen wir Organisatorisches aus, wann wir wo sein müssen, was wir nicht vergessen dürfen, was wir zum Schlafen in den Zelten brauchen.
Sportlich gesehen sind eigentlich keine Fragen mehr offen. Wir fünf sind parat. Die zur Gruppe gestossenen
Bewerberinnen Rachel Beck und Andrea Wigger sind zwar keine Sportprofis, aber sie sind erfahren genug, um zu wissen, was für sie selbst am besten ist und wie man sich professionell vorbereitet.
Und für uns drei Athleten aus dem nationalen Sportförderungsprogramm Golden Talents ist der Wettkampf eh nichts wirklich Spezielles. Besonders ist allerdings die Gigathlon-Disziplin. Sandra Frei ist erfolgreiche Snowboarderin, am Wochenende muss sie sich aber auf dem Mountainbike behaupten.
Beim Downhill-Training hat sie schon ein paar Bäume umarmt. Die Stürze seien zwar nicht so schlimm gewesen, aber sie hat müde Beine. Ihr neues Bike wird sie diese Woche nur im Schongang testen. Ich bin Skiakrobat, werde aber mit dem Rennvelo fahren. Und der behinderte Skirennfahrer Christoph Kunz wird mit dem Handbike unterwegs sein. Christoph arbeitet auf einer Bank, aber am Mittwoch hat er frei und Zeit fürs letzte Training.
Tagebuch vom 30. Juni
Im Fünferteam bestreiten wir in der Ostschweiz den Gigathlon . Wir, das sind die drei Profisportler unserer Gruppe – Snowboarderin Sandra Frei, Behindertensportler Christoph Kunz und ich –, sowie die beiden BLICK-Leserinnen Rachel Beck und Andrea Wigger. Wir nehmen den Anlass nicht verbissen ernst. Es soll vor allem ein cooler Event werden, der Spass macht. Unsere Vorbereitung lief gestern noch entsprechend locker – auch, um Energie für das bevorstehende Marathon-Wochenende zu sparen.
Unsere beiden Hobbysportlerinnen müssen diese Woche wie immer arbeiten. Andrea, die Bergläuferin, wird nach dem Bürotag mal joggen gehen. Aber nicht zu häufig, denn sie leidet im Moment unter einer Knochenhautentzündung am Schienbein – ausgerechnet … Schwimmerin Rachel hofft, dass sie ein ge-eignetes Outdoor-Gewässer zum Üben findet – in den Algentümpel vom letzten Mal will sie nämlich nicht mehr eintauchen! Konditionell dürfte sie fit sein, denn letzte Woche war sie in den Bike-Ferien.
Auf dem Spinning-Bike halte auch ich mich derzeit regelmässig in Form. Aber meine Vorbereitung zum Gigathlon unterscheidet sich eigentlich nicht wesentlich vom normalen Alltag. Ich absolviere diese Woche den Spitzensport-WK in Magglingen. Und als Skiakrobat muss ich auch zum üblichen Training auf die Wasserschanze. Mit Rumliegen ist also nichts.