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Nach kaum einer Viertelstunde musste er wegschauen: Generalvikar Roland Trauffer (60) konnte nicht mit ansehen, wie sich der blonde Opus-Dei-Mönch Silas auf der Leinwand des Solothurner Kinos «Palace» blutig geisselt. «Bei solchen Grausamkeiten lupfts mich jedes Mal», gestand der Gottesmann.
Der Hollywoodfilm «The Da Vinci Code – Sakrileg» mit Tom Hanks, Audrey Tautou und Jean Reno, der jetzt in der Schweiz angelaufen ist, gab schon im Vorfeld zu reden. Die römische Glaubenskongregation forderte die Gläubigen gar zum Boykott auf, weil der Streifen «voller Verleumdungen, Angriffe und historischer sowie theologischer Irrtümer» sei. Unter anderem behauptet Dan Brown, dass Jesus Christus und Maria Magdalena ein sexuelles Verhältnis gehabt hätten.
Generalvikar Trauffer vom Bistum Basel ist ein Mensch, der sich peinlich genau vorbereitet, bevor er sich ein Urteil bildet. In seiner schwarzen Aktenmappe schleppt er zwei dicke Wälzer mit; Dan Browns Bestseller – die Luxusausgabe in Deutsch, dann noch die Originalausgabe in Englisch.
Nach fast zwei Stunden und 25 Minuten voller Verschwörungen, Morden und Verfolgungsjagden lachte Trauffer zum ersten Mal – und zwar laut: Als Audrey Tautou als Polizeikryptologin Sophie Neveu versucht, wie Jesus übers Wasser zu gehen. Noch weitere fünf Minuten und Trauffer ist erleichtert, relaxed und «froh, den Film hinter mich gebracht zu haben.»
Alle seine Befürchtungen waren umsonst. «Der Film schadet weniger als das Buch, denn er übertreibt mit Tempo und Heftigkeit, will beeindrucken. Keiner der Zuschauer glaubt, diese Geschichte könnte real sein. Alles ist konstruiert. Und jeder merkt es.» Es ist ein Actionfilm à la Hollywood, fadengerade erzählt, ohne jeden Schnörkel, voraussehbar.
Verwirrung, meint Trauffer, kann dieser Film nicht stiften. Der Generalvikar stellt fest: «Keiner muss sich um die Gläubigen sorgen.» Und dass Jesus und Maria Magdalena Nachkommen haben sollen, bis in unsere Zeit? Das irritiert Trauffer kein bisschen. «In der Bibel finde ich dazu nichts», sagt er. Und fügt verschmitzt an: «Wir sind alle Kinder Gottes.»
Unbeeindruckt vom Da-Vinci-Hype: Roland Trauffer, Generalvikar des Bistums Basel.- Ralf Neeser