Strategie-Experte Albert Stahel Gaddafi-Fiasko könnte dem Finanzplatz schaden!

  • Publiziert: 28.08.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Ann Guenter

ZÜRICH – Albert A. Stahel lässt kein gutes Haar am Vorgehen des Bundesrats in Libyen: Dieser Dilettantismus könnte teuer für unser Land werden, befürchtet er.

Blick.ch: Professor Stahel, im Gaddafi-Schlamassel macht die Schweiz keine gute Figur. Was für Signale senden wir gegen Aussen aus?
Prof. Albert Stahel*: Unmittelbar von aussen gesehen wirkt alles recht verzweifelt, ratlos. Als ob hier nicht langfristig gedacht worden wäre. Aber wie gesagt, dass ist der unmittelbare Eindruck.

Und der mittelbare?
In der arabischen Welt sind Ehre und Wahrung des Gesichts sehr wichtig. Gaddafi hat durch den Zwischenfall in Genf sein Gesicht verloren. Jetzt ist es zum Ausgleich gekommen, und wir haben das Gesicht verloren: Bundespräsident Merz hat Bittibätti gemacht und der ganze Bundesrat muss auf den Knien herumrutschen.

Wie wird das aufgenommen?
Muammar al-Gaddafi ist in der arabischen Welt alles andere als beliebt. Er hat dort keinen guten Ruf, ganz im Gegensatz zur Schweiz. Und ausgerechnet die Schweiz geht jetzt vor ihm auf die Knie. Das könnte auch Auswirkungen auf den Finanzplatz Schweiz haben.

Was hätte man besser machen müssen?
Man hätte hart pokern sollen. Jetzt stehen wir als unfähig da und das Auslands fragt sich: Sind das Feiglinge? Lassen die sich ausbeuten, ist ihre Regierung erpressbar, hat sie denn keinen Mut? Dazu kommt die innenpolitische Krise, die Auseinandersetzung von Bund und Kantonen.

Was sagen Sie dazu, dass man vor einem Jahr den Botschafter in Libyen, Daniel Von Muralt, abzog?
Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn Botschafter abgezogen werden. Vor allem nicht bei einer Krise, die anfangs noch zu handhaben gewesen wäre. Das Ganze dünkt mich sehr eigenartig. Es fehlt an einem Konzept für unsere Aussenpolitik.

* Albert A. Stahel (65) war während 26 Jahren hauptamtlicher Dozent an der Militärakademie an der ETH Zürich für das Fachgebiet Strategische Studien. Nach seinem ETH-Rücktritt wirkt er noch an der Universität Zürich als Titularprofessor.

play Albert A. Stahel. (Foto: Peter Klaunzer)

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