Arbeitsmarkt Fluchtpunkt Schweiz

  • Publiziert: 19.38 Uhr, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Katharina Schnurr

Für viele deutsche Arbeitslose ist Auswandern die letzte Chance. Wir sprachen mit zwei von ihnen.

Madeleine Nachtwey (24) hat in Davos GR etwas Entscheidendes verloren: ihre Geldsorgen. Zwei Monate arbeitet die junge Deutsche schon im Davoser Hotel Schatzalp. Sie bereut es nicht. «Die Schweiz ist – nicht nur in finanzieller Hinsicht – um einiges lukrativer als meine Heimat, sondern auch landschaftlich ist es unglaublich schön hier.» Die junge Frau aus Zeitz bei Leipzig verdiente bei ihrer letzten festen Arbeitsstelle in Nürnberg 1050 Euro netto, also 1627 Franken. Dort arbeitete sie als Leiterin eines Restaurants. «Gemessen am Aufwand war das eindeutig zu wenig», sagt sie. Auf der Suche nach einer besser bezahlten Stelle bewarb sich Madeleine Nachtwey in der Schweiz. «Hier kann ich mir von meinem Gehalt wenigstens etwas leisten.» Eine einzige schriftliche Anfrage genügte, und sie hatte die Stelle. In Davos verdient sie 3560 Franken (brutto). Trinkgeld kommt noch hinzu. Im März läuft ihr Vertrag aus. «Weiter in der Schweiz zu bleiben», sagt sie, «wäre ein Traum.»

Drei Jahre hatte Simone Falk (28) in Freistett bei Baden-Baden (D) als Erzieherin gearbeitet, bis sie sich neu orientierte. «Ich wollte einen Beruf, der mich fordert und bei dem ich gut verdiene», sagt die junge Süddeutsche. Also fiel ihre Wahl auf die Schweiz. «Hier sind Erzieherinnen im Gegensatz zu Deutschland noch gefragt.» Im Oktober 2005 kehrte sie ihrer Heimat den Rücken. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist die junge Frau finanziell abgesichert.

Der Job bei Kiddies Care in Au ZH bedeutete für sie das Ende einer Durststrecke. Nach Ablauf einer Stelle auf Zeit hatte sie ein halbes Jahr ohne Arbeit dagestanden. Trotz langjähriger Berufserfahrung waren ihre beruflichen Chancen auf null gesunken. «Wenn ich daran denke, wird mir heute noch schlecht.» Probleme, in der Schweiz eine Anstellung zu bekommen, gab es keine: «Meine Chefin war von meinen Qualifikationen gleich überzeugt.»

Bei Kiddies Care hat sie ihr langersehntes berufliches Glück gefunden – auch finanziell. Als Erzieherin in Freistett verdiente sie umgerechnet 1600 Franken. Jetzt liegt ihr Einkommen bei mehr als 4000 Franken. «Was ich früher zum Leben hatte, bleibt jetzt nach Abzug aller Unkosten noch übrig», sagt sie und freut sich. «Ein ganz neues Lebensgefühl.»

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