Abt freut sich über Wunder von Einsiedeln Findelkind wieder beim Mami

  • Publiziert: 06.08.2005, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Sarah Fasolin UND BEAT JOST

Happy End: Das Findelkind aus der Babyklappe ist wieder bei Mama und Papa. Ein Wunder.

Mami, bitte melde dich!», lautete der Aufruf im SonntagsBlick vom 17. April 2005. Er blieb nicht ungehört. Wochen nachdem die unbekannte Mutter das Baby geboren, in eine Wolldecke gewickelt und im Babyfenster von Einsiedeln SZ zurückgelassen hatte, meldeten sich Vater und Mutter. Gemeinsam holten sie ihren Buben bei der Amtsvormundschaft Einsiedeln ab.

Das Wunder von Einsiedeln wird von verschiedenen Quellen bestätigt. Der Schwyzer Regierungsrat Armin Hüppin (45) gab es Ende Juni sogar öffentlich bekannt. «Es ist das Beste für das Kind», freut sich Alois Gmür (50), Stiftungsratspräsident des Spitals Einsiedeln. Die Betreuung sei gewährleistet, die Amtsvormundschaft kümmere sich um Eltern und Kind.

Der Einsiedler Abt Martin Werlen (43) erfuhr in Guttannen im Berner Haslital vom Babywunder. Dort legte er mit seiner Pilgerschar am Donnerstagabend den ersten Halt ein. Die Gläubigen sind auf einem viertägigen Fussmarsch von Werlens Heimatdorf Obergesteln VS nach Einsiedeln.

Als er übers Handy von SonntagsBlick informiert wurde, sagte er glücklich: «Ich freue mich fürs Kind und für die Mutter. Und speziell auch für Einsiedeln, wo man den Mut hatte, mit dem Babyfenster eine ungewöhnliche Lösung zu wagen.» Wenige Minuten zuvor hatte Werlen mit seinen Pilgern eine Tafel passiert, auf der geschrieben stand: «Unser Leben kann nicht immer voll Freude, aber immer voll Liebe sein.»

Auch Dominik Müggler, Präsident der Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK), äusserte sich sehr erfreut. «Dies zeigt, wie wichtig das Babyfenster ist. Die Mutter konnte eine Krisensituation überbrücken und hatte die Möglichkeit, ihren Entscheid nochmals zu überdenken.» Für das Kind sei es grundsätzlich besser, wenn es bei der leiblichen Mutter aufwachsen könne.

Sollen die Eltern dem Buben irgendwann erzählen, wie die ersten Wochen seines Lebens verlaufen sind? «Dies hängt von der Beziehung zwischen Eltern und Kind ab», sagt Heinrich Nufer (64), Präsident der Schweizerischen Fachstelle für Adoption. «Es ist für Kinder schwierig zu verstehen, dass man sie zunächst nicht haben wollte», sagt Nufer. Wenn aber ein Grundvertrauen zwischen Eltern und Kind vorhanden sei, könne die Beziehung durch nichts erschüttert werden (siehe Interview in der gedruckten Ausgabe).

Die Mutter des ersten Findelkinds, das Anfang September 2002 in die Babyklappe gelegt worden war, hat sich bis heute nicht gemeldet. Das Kind lebt nach Angaben des Spitalverantwortlichen Gmür nun bei Adoptiveltern und ist «in besten Händen».

Top 3

1 Menschen- schmuggel extrem Afghane liegt 20 Stunden in der Motorhaubebullet
2 Mehr als Leidenschaft Sammeln verspricht Traumrenditebullet
3 Grosse Brüste Anni Friesinger: «Trage beim Sport einen Doppel-BH»bullet

News