Roger Federer und Johnny Hallyday verdienen gleich viel, aber ... Federer zahlt 10-mal mehr Steuern!

  • Publiziert: 10.01.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Simon Spengler

GENF – Doris Leuthard zündet schon die nächste Polit-Bombe. Im Westschweizer Fernsehen attackierte sie Steuer-Pauschalabkommen für ausländische Steuerflüchtlinge wie Johnny Hallyday & Co. – und geht so auf Distanz zu Kollege Merz und Kollegin Calmy-Rey.

Gestern Abend spät in der Politsendung des Westschweizer Fernsehens «Infrarouge»: Bundesrätin Doris Leuthard (43) diskutiert mit dem Ex-SP-Chef Peter Bodenmann (54) über die Hochpreisinsel Schweiz. Kurz kommen die beiden auch auf die umstrittenen Steuer-Pauschalabkommen für superreiche Ausländer zu sprechen. Und Leuthard spricht wieder einmal Klartext: «Das heutige System benachteiligt Schweizerinnen und Schweizer. Es ist ungerecht, dass Schweizer mit einem vergleichbaren Einkommen viel mehr Steuern zahlen als Ausländer.»

Zwar stellt sich Leuthard grundsätzlich hinter den Steuerwettbewerb. Beim Apéro nach der Sendung setzt die Wirtschaftsministerin aber noch einen drauf. Von Sendeleiter Michel Zendali gefragt, ob sie wirklich die Pauschalabkommen für ungerecht halte, antwortet Leuthard: «Es darf doch nicht sein, dass zum Beispiel Roger Federer viel mehr Steuern bezahlen muss als Johnny Hallyday.»

Wie massiv die Benachteiligung von Schweizern ist, zeigt eine kurze Rechnung: Der französische Altrocker Hallyday kassiert pro Jahr rund 10 Millionen Franken. In Frankreich müsste er dafür 6 Millionen Steuern abtreten. Tennisstar Roger Federer verdient je nach Turniererfolgen auch 10 bis 15 Millionen pro Jahr. Er muss als Schweizer dafür rund 3 Millionen an den Fiskus abgeben. Multimillionär Hallyday zahlt aber in Gstaad gerade mal geschätzte 300000 Franken!

Besonders brisant: Leuthard distanziert sich in Sachen Steuerflucht deutlich von Finanzminister Hans-Rudolf Merz (64) und Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (61). Beide hatten nach der Kritik aus Frankreich an der Schweizer Praxis gegenüber ausländischen Steuerflüchtlingen unser Asyl für ausländische Superreiche auf Biegen und Brechen verteidigt. «Die Schweiz braucht keine Steuerratschläge aus dem Ausland», konterte die Aussenministerin brüskiert. Und Merz erklärte die kantonale Steuerhoheit gegenüber BLICK für «nicht verhandelbar».

Jetzt können die beiden die Kritik an unserem Steuersystem nicht mehr auf die ‹bösen› Franzosen abschieben. Jetzt kommt sie direkt aus der Schweiz – mitten aus dem Bundesrat. Die Diskussion ist eröffnet.

Der Fall Hallyday

Alt-Rocker Johnny Hallyday (63) wollte wegen der hohen Steuern in Frankreich nach Belgien ziehen. Weil die Belgier ihn nicht wollten, floh er in die Schweiz. In Gstaad kaufte er ein Chalet und deponierte seine Schriften. Peinlich für Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy. Hallyday ist ein Zugpferd in seinem Wahlkampf. Verärgert sagte er einen Auftritt in der Schweiz ab. Ein Sprecher von dessen Gegnerin Ségolène Royal warf der Schweiz sogar «räuberische» Steuerpraktiken vor.

Pauschalbesteuerung: Keine neuen Zahlen

LUZERN/BERN – Über das Ausmass der Pauschalbesteuerung führen weder der Bund noch die kantonale Finanzdirektorenkonferenz Statistiken. Die letzten offiziellen Zahlen betreffen deshalb das Jahr 2004. Eine Abkehr von der Pauschalbesteuerung reicher Ausländer ist bei den Kantonen kein Thema.

Top 3

1 Publireportage SWISSHAUS SWISSHAUS - Der zuverlässige Weg zum Eigenheimbullet
2 Grosse Lohntabelle Das verdient die Schweiz wirklichbullet
3 Grosses Voting Wer wird VW Shooting Star?bullet

News