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Der Rückstand auf Leader Basel (2:1 gegen Aarau) ist auf neun Punkte angewachsen. Nur YB (3:1 gegen Sion) behält die Bebbi in Sichtweite. Im untersten Teil der Tabelle hat Thun seine ungemütliche Situation mit einem desolaten Auftritt in St. Gallen (0:3) selber verschärft. St. Gallen liegt nur noch einen Punkt hinter Sion, das in der Rückrunde praktisch führungslos vollends in die Krise abgleitet.
YB wieder glücklich
Der erste Titelgewinn seit 1986 liegt für YB noch immer im Bereich des Möglichen, der Sechs-Punkte-Rückstand auf den Leader ist durchaus wettzumachen. Nach zwei vermeidbaren Rückschlägen gegen GC (3:3) und in Neuenburg (1:6) erfüllten die Berner wenigstens gegen den kriselnden Hofstaat des ungekrönten Sonnenkönigs Christian Constantin die Ansprüche. Bis zur 83. Minute schloss der Tabellen-Zweite im Duell mit dem achtplatzierten Sion die Wende vom 0:1 (20./Adeshina) zum problemlosen 3:1 ab.
Vor dem Ausgleich lieferten die beiden Sion-Verteidiger Sarni und Vanczak ungewollt ein weiteres Dokument ab, weshalb die Macher der Super League derzeit besser auf den vielversprechenden Zusatz im Arbeitstitel verzichten würden. Sarni köpfelte den Ball seitwärts und Vanczak fabrizierte aus dem Zuspiel mit einer dilettantischen Aktion eine ideale Steilvorlage für Raimondi, der sich die Offerte nicht entgehen liess. Im zweiten Abschnitt trat Carlos Varela nachhaltig in Erscheinung. Der Aussenläufer schüttelte auf dem Weg zum kursweisenden 2:1 dank seinem Speed alle Sittener ab, ehe er in der Schlussphase Häberlis 12. Saisontor vorbereitete.
Zürichs fataler Fehlstart
Im FCZ waren sich alle einig: Nur mit einem Sieg in Luzern würde der Titelhattrick nicht frühzeitig zur Mission impossible. Der «worst case» aus Zürcher Optik trat ein, der FCL verlängerte mit dem 2:1 seine makellose Rückrundenbilanz auf vier Partien. Die Gäste hingegen haben seit der Winterpause bereits acht Punkte eingebüsst. Im Frühsommer wird der Helvetia-Platz kein drittes Mal Schauplatz einer Meisterfeier. Für die euphorisierten Zentralschweizer ist nun aber sogar der UI-Cup ein Thema.
Schon nach drei Minuten manövrierte sich der Meister selber in eine höchst unvorteilhafte Lage. Johnny Leoni verlor wegen einer überharten Körpercharge von Shi Jun die Nerven, griff dem Chinesen ins Gesicht und sah Rot. Sein Stellvertreter Andrea Guatelli trat Sekunden nach seiner Einwechslung einen Freistoss direkt in die Füsse von Mauro Lustrinelli, der den italienischen Keeper nach einem kurzen Sprint zum 1:0 überwand. Der Tessiner hat in den letzten vier Runden fünfmal getroffen. Ob ihn Köbi Kuhn doch noch einmal berücksichtigen wird?
Vom klassischen Fehlstart erholte sich der FCZ nicht mehr. Die gesperrten Stammspieler Abdi, Rochat und Tihinen rissen nicht zu schliessende Lücken ins Team. Und in der Offensive fehlte Yassine Chikhaoui, der wegen Knieproblemen überraschend nicht einsatzfähig war, spürbar. Zu allem Überfluss wirkte Guatelli im Tor wie ein Fremdkörper. Bei Seoanes Weitschuss zum entscheidenden 2:0 sah er abermals nicht gut aus. Luzern geriet erst in den letzten 20 Minuten unter Druck. Eric Hassli tat den Innerschweizern aber den Gefallen und scheiterte mit einem harmlosen Foulpenalty an Zibung. Nur Djuric, der beste unter vielen enttäuschenden Zürchern, fand mit einem raffinierten Freistoss eine Lücke in der starken FCL-Defensive – und befleckte Zibungs weisse Weste nach 392 Minuten erstmals wieder.
Basel in Unterzahl zum Sieg
Drei Tage nach dem ernüchternden 0:3 gegen Sporting Lissabon genügte dem FC Basel eine keinesfalls bessere Vorstellung zum 14. Sieg im Championat. Mehr als den Ausgleich gestand der FCB dem harmlosen Gast aus Aarau nicht zu, obschon die Bebbi kurz vor der Pause den Platzverweis gegen Ronny Hodel (Notbremse) zu verkraften hatten. In Unterzahl erzwang Carlitos den 2:1-Erfolg.
Die grosse Kulisse – über 20 000 Zuschauer trieben Basel an – setzte beim Team von Christian Gross selbst mit weniger Personal auf dem Rasen noch Energien frei. Entscheidend war letztlich eine Tempobeschleunigung von Eren Derdiyok. Dessen Flanke schob Carlitos zum verdienten Sieg über die Linie. In den verbleibenden 19 Minuten fiel dem FC Aarau nichts ein, wie der geschwächte Kontrahent (neben Hodel fielen auch diverse Stammspieler aus) zu bedrängen gewesen wäre.
Thun wie ein Absteiger
Nach dem dritten Erfolg in Serie rückte St. Gallen an den rettenden Platz 8 heran. Beim 3:0-Heimsieg gegen den schwachen Tabellenletzten Thun musste die Equipe von Trainer Krassimir Balakov kaum um den Sieg zittern. Murat Ural (42.), Davide Calla (64.) und Jiri Koubsky (89.) erzielten die Tore für die überlegenen St. Galler. Der starke Ural hätte dabei schon vor dem wegweisenden Führungstor treffen müssen; der U21-Internationale erarbeitete sich fünf grosse Chancen und traf einmal den Pfosten. Thun dagegen kam während der gesamten Partie kaum je gefährlich vor das gegnerische Tor, es trat im Espenmoos auf wie ein Absteiger.
GC rückt vor
Mit zehn Punkten aus vier Partien ist GC erfolgreich ins Jahr gestartet. Lohn für das 2:0 gegen Neuchâtel Xamax ist das Vorrücken auf Platz 4. «Wir haben jetzt etwas Luft nach hinten, mehr nicht. Unser Ziel bleibt unverändert Rang 5», sagte Trainer Hanspeter Latour. In einer schwachen Partie bewies GC immerhin, dass es auch ohne Topskorer Bobadilla (3 Tore in der Rückrunde) gewinnen kann. Ohne den formstarken Südamerikaner kamen die Zürcher zu einem verdienten Sieg; sie kamen zwar kaum zu Torchancen, kontrollierten den Aufsteiger aber problemlos. Die beiden Tore durch Rinaldo (18.) und Dos Santos (72.) erzielte GC nach Standardsituationen, sie waren sehenswert. Beim 2:0 erwischte Dos Santos Xamax-Keeper Pascal Zuberbühler aus halbrechter Position in die entfernte hohe Ecke.
Nach unten zeigt die Formkurve von Xamax. Das 0:2 war die dritte Niederlage im vierten Spiel, ohne ein Tor zu erzielen. Für die Romands gibts wenigstens schnell Gelegenheit zur Korrektur. Am Mittwoch gastiert der Aufsteiger zum Cup-Halbfinal in Bellinzona. Ein Bewerbungschreiben für den Cupfinal war der Auftritt in Zürich indes nicht. «Wenn wir so spielen, wirds auch gegen Bellinzona ganz schwierig», hob Trainer Gerard Castella den Mahnfinger. (si)
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Vorentscheidung in der 3. Minute: FCZ-Hüter Leoni sieht die rote Karte für ein Foul an Luzerns Shi Jun (Keystone)