Frank A. Meyer: Zum Auswendiglernen
Aktualisiert um 01:42 | 10.05.2009
Ja, die Amerikaner mischen sich in unsere Gesetzgebung ein. Was sie verlangen: Das Bankgeheimnis muss weg! Die Deutschen, die Franzosen, die Italiener fordern dasselbe – Europa fordert: Das Bankgeheimnis muss weg!
Wir beklagen diese Einmischung, empört und larmoyant. Wir fühlen uns missverstanden und verletzt. Uns widerfährt, was wir seit 700 Jahren verabscheuen: «Fremde Richter» mischen sich in schweizerische Angelegenheiten ein.
Ja, genau so sehen wir das. Doch wie stellt sich die Sache aus einem anderen Blickwinkel dar?
Das Magazin des «Tages-Anzeigers» publizierte vor einer Woche die Bekenntnisse eines «Private Bankers». Der zu seinem Schutz anonymisierte Kundenfänger war einer der UBS-Söldner in den USA, die mit verschwörerischen Praktiken Fluchtgelder akquirierten: von klandestinen Treffen in Hotelzimmern über Diamanten in Zahnpastatuben bis hin zu präparierten Laptops.
Der junge Banker erzählt:
«Diese Tätigkeit in den USA hatte fast etwas Abenteuerliches an sich, etwas Konspiratives.»
«Ich wusste jederzeit, dass ich amerikanische Gesetze breche, wenn ich US-Bürgern praktisch die Gelegenheit zur Steuerhinterziehung auf einem Silbertablett präsentiere. Jeder hat das gewusst, meine Vorgesetzten, meine Kollegen.»
«Ich sagte mir jedoch, ich bin Schweizer, ich komme aus einer anderen Kultur, und wir Schweizer haben immer vom Reichtum der anderen gelebt. Jeder wusste, dass diese Praxis gegen amerikanische Gesetze verstösst, aber hey, wir lebten alle in einer ganz anderen Welt. Wir veranstalteten Partys in New York, organisierten Kunstevents für unsere Kunden, eigentlich absurd, wie unbeschwert wir uns gaben trotz diesem Wissen. Vielleicht waren wir einfach auch nur dumm.»
«Wir Schweizer haben Banking nie mit Moral betrieben, das ist die Schweizer Art des Bankings.»
«Wir brachen amerikanische Gesetze, da gibt es keinen Graubereich. Da bist du schwarz oder weiss. Ich fürchtete immer, ins Gefängnis geworfen zu werden.»
«Es ist wichtig, zu verstehen, dass viele US-Kunden Geld nicht direkt von den USA in die Schweiz transferiert haben. Sie hatten zum Beispiel ein Business im Ausland und lenkten Teile ihres Profits auf Schweizer Konten. So simpel war das.»
«Ja, ich fühle mich schuldig für das, was in der Weltwirtschaft jetzt abgeht.»
So also sieht die Sache wirklich aus: Durch unser Bankgeheimnis haben wir – ja, wir! – die Gesetze fremder Staaten umgangen, ausgehebelt und gebrochen. Wir haben die Kassen fremder Staaten geplündert. Wir haben über Jahrzehnte anderen angetan, was wir selbst am meisten verabscheuen: Wir mischten uns als «fremde Richter» in amerikanische, deutsche, französische, italienische, europäische Angelegenheiten ein.
Das Bekenntnis des jungen UBS-Bankers gehört in jedes Schweizer Schulbuch.
Zum Auswendiglernen.
Wir beklagen diese Einmischung, empört und larmoyant. Wir fühlen uns missverstanden und verletzt. Uns widerfährt, was wir seit 700 Jahren verabscheuen: «Fremde Richter» mischen sich in schweizerische Angelegenheiten ein.
Ja, genau so sehen wir das. Doch wie stellt sich die Sache aus einem anderen Blickwinkel dar?
Das Magazin des «Tages-Anzeigers» publizierte vor einer Woche die Bekenntnisse eines «Private Bankers». Der zu seinem Schutz anonymisierte Kundenfänger war einer der UBS-Söldner in den USA, die mit verschwörerischen Praktiken Fluchtgelder akquirierten: von klandestinen Treffen in Hotelzimmern über Diamanten in Zahnpastatuben bis hin zu präparierten Laptops.
Der junge Banker erzählt:
«Diese Tätigkeit in den USA hatte fast etwas Abenteuerliches an sich, etwas Konspiratives.»
«Ich wusste jederzeit, dass ich amerikanische Gesetze breche, wenn ich US-Bürgern praktisch die Gelegenheit zur Steuerhinterziehung auf einem Silbertablett präsentiere. Jeder hat das gewusst, meine Vorgesetzten, meine Kollegen.»
«Ich sagte mir jedoch, ich bin Schweizer, ich komme aus einer anderen Kultur, und wir Schweizer haben immer vom Reichtum der anderen gelebt. Jeder wusste, dass diese Praxis gegen amerikanische Gesetze verstösst, aber hey, wir lebten alle in einer ganz anderen Welt. Wir veranstalteten Partys in New York, organisierten Kunstevents für unsere Kunden, eigentlich absurd, wie unbeschwert wir uns gaben trotz diesem Wissen. Vielleicht waren wir einfach auch nur dumm.»
«Wir Schweizer haben Banking nie mit Moral betrieben, das ist die Schweizer Art des Bankings.»
«Wir brachen amerikanische Gesetze, da gibt es keinen Graubereich. Da bist du schwarz oder weiss. Ich fürchtete immer, ins Gefängnis geworfen zu werden.»
«Es ist wichtig, zu verstehen, dass viele US-Kunden Geld nicht direkt von den USA in die Schweiz transferiert haben. Sie hatten zum Beispiel ein Business im Ausland und lenkten Teile ihres Profits auf Schweizer Konten. So simpel war das.»
«Ja, ich fühle mich schuldig für das, was in der Weltwirtschaft jetzt abgeht.»
So also sieht die Sache wirklich aus: Durch unser Bankgeheimnis haben wir – ja, wir! – die Gesetze fremder Staaten umgangen, ausgehebelt und gebrochen. Wir haben die Kassen fremder Staaten geplündert. Wir haben über Jahrzehnte anderen angetan, was wir selbst am meisten verabscheuen: Wir mischten uns als «fremde Richter» in amerikanische, deutsche, französische, italienische, europäische Angelegenheiten ein.
Das Bekenntnis des jungen UBS-Bankers gehört in jedes Schweizer Schulbuch.
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