Marc Walder, 43 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz.
Frank A. Meyer, 64, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.
Zum Schluss: Über Banken, Räuberbanken und Bankräuber
Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.
Aktualisiert um 01:17 | 21.09.2008
Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, die Finanzkrise in den USA artet zur handfesten Finanzkatastrophe aus. Was sagen Sie als grosser Kritiker des Investmentbanking dazu?
Ich sage, was ich seit mehr als zehn Jahren sage und schreibe: Die Finanzkapitalisten sind die grössten Feinde des Kapitalismus! Die global entfesselte Finanzwirtschaft erschüttert das kapitalistische System in seinen Grundfesten.
Finanzkapitalisten als Feinde des Kapitalismus – das klingt ja absurd.
Was seit Monaten geschieht und Anfang der Woche einen weiteren Höhepunkt, oder besser: einen weiteren Tiefpunkt erreicht hat, beschädigt das, was wir Realwirtschaft nennen: die reale Produktion von Gütern, aber auch die seriösen Dienstleistungen. Der konjunkturelle Aufschwung verkehrt sich in einen Abschwung.
Wo liegt der Unterschied zwischen dieser realen und der Finanzwirtschaft?
Nehmen wir Nicolas Hayek: Seit 1984 hat er 15 Milliarden Franken in Arbeitsplätze investiert. Er beschäftigt in über 160 Fabriken 24 000 Arbeitnehmer. Er schafft mit ihnen zusammen – mit Uhrmachern, Technikern, Designern, Marketingexperten, Computerfachleuten – reale Werte, realen Reichtum für die Gesellschaft. Winzige Grüppchen von Bankern und Börsenspekulanten setzen tausendmal mehr Geld um als die Swatch Group. Doch was schaffen sie an realen Werten? Nichts. Das ist der Unterschied.
Sie wissen ja auch, dass es diese Finanzwirtschaft braucht, damit Firmen wie die Swatch Group über das nötige Geld für Investitionen und Entwicklungen verfügen.
Banken im Dienst der Realwirtschaft gibt es immer noch, sogar genügend. Ein Beispiel dafür ist die Raiffeisen-Bank. Ich verurteile das Banking der Spekulanten: das Investmentbanking, das ausser Rand und Band geraten ist. Dieses Banking hat schon lange nichts mehr mit den Interessen der Realwirtschaft zu tun. Ganz im Gegenteil: Den Dealern, von denen wir reden, sind die anständigen Unternehmer völlig egal. Sie haben sich von der wertschöpfenden Wirtschaft losgelöst. Ihnen geht es ausschliesslich um den schnellsten und grössten eigenen Gewinn. Statt wertschöpfend ist dieser Casino-Kapitalismus wertabschöpfend.
Wer trägt die Verantwortung für diese Entwicklung?
Die Ideologie, die dahintersteckt, heisst Neoliberalismus. Sie fordert die totale Freiheit der Wirtschaft – ohne gesellschaftliche Verantwortung, ohne gestaltenden Staat. Die Propheten dieser Religion predigen Staatsverachtung, sogar Demokratieverachtung.
Sie haben diese Lehre einmal «Marktismus» genannt.
Am 6. Oktober 1996 verwendete ich den Begriff erstmals in meiner Kolumne im SonntagsBlick. Der Marktismus ist die Umkehrung des Marxismus: Die Marxisten suchen alles Heil im Staat und mit dem Staat, die Marktisten ausserhalb des Staates und gegen den Staat. Beides ist Unsinn, gefährlicher Unsinn. Wie wir aus der Geschichte des Kommunismus wissen, manchmal sogar krimineller Unsinn.
Was ist an der neoliberalen Ideologie kriminell?
Im rein rechtlichen Sinne nichts. Doch was seit einigen Jahren auf der globalen Finanzbühne gespielt wird, ist ein Schurkenstück, aufgeführt von skrupellos-gierigen Spekulanten. Der grosse Dramatiker Bertolt Brecht liefert in der «Dreigroschenoper» den Schlüssel zum aktuellen Geschehen. Dort sagt Mackie Messer: «Was ist ein Einbruch in eine Bank schon gegen die Gründung einer Bank?»
Ich sage, was ich seit mehr als zehn Jahren sage und schreibe: Die Finanzkapitalisten sind die grössten Feinde des Kapitalismus! Die global entfesselte Finanzwirtschaft erschüttert das kapitalistische System in seinen Grundfesten.
Finanzkapitalisten als Feinde des Kapitalismus – das klingt ja absurd.
Was seit Monaten geschieht und Anfang der Woche einen weiteren Höhepunkt, oder besser: einen weiteren Tiefpunkt erreicht hat, beschädigt das, was wir Realwirtschaft nennen: die reale Produktion von Gütern, aber auch die seriösen Dienstleistungen. Der konjunkturelle Aufschwung verkehrt sich in einen Abschwung.
Wo liegt der Unterschied zwischen dieser realen und der Finanzwirtschaft?
Nehmen wir Nicolas Hayek: Seit 1984 hat er 15 Milliarden Franken in Arbeitsplätze investiert. Er beschäftigt in über 160 Fabriken 24 000 Arbeitnehmer. Er schafft mit ihnen zusammen – mit Uhrmachern, Technikern, Designern, Marketingexperten, Computerfachleuten – reale Werte, realen Reichtum für die Gesellschaft. Winzige Grüppchen von Bankern und Börsenspekulanten setzen tausendmal mehr Geld um als die Swatch Group. Doch was schaffen sie an realen Werten? Nichts. Das ist der Unterschied.
Sie wissen ja auch, dass es diese Finanzwirtschaft braucht, damit Firmen wie die Swatch Group über das nötige Geld für Investitionen und Entwicklungen verfügen.
Banken im Dienst der Realwirtschaft gibt es immer noch, sogar genügend. Ein Beispiel dafür ist die Raiffeisen-Bank. Ich verurteile das Banking der Spekulanten: das Investmentbanking, das ausser Rand und Band geraten ist. Dieses Banking hat schon lange nichts mehr mit den Interessen der Realwirtschaft zu tun. Ganz im Gegenteil: Den Dealern, von denen wir reden, sind die anständigen Unternehmer völlig egal. Sie haben sich von der wertschöpfenden Wirtschaft losgelöst. Ihnen geht es ausschliesslich um den schnellsten und grössten eigenen Gewinn. Statt wertschöpfend ist dieser Casino-Kapitalismus wertabschöpfend.
Wer trägt die Verantwortung für diese Entwicklung?
Die Ideologie, die dahintersteckt, heisst Neoliberalismus. Sie fordert die totale Freiheit der Wirtschaft – ohne gesellschaftliche Verantwortung, ohne gestaltenden Staat. Die Propheten dieser Religion predigen Staatsverachtung, sogar Demokratieverachtung.
Sie haben diese Lehre einmal «Marktismus» genannt.
Am 6. Oktober 1996 verwendete ich den Begriff erstmals in meiner Kolumne im SonntagsBlick. Der Marktismus ist die Umkehrung des Marxismus: Die Marxisten suchen alles Heil im Staat und mit dem Staat, die Marktisten ausserhalb des Staates und gegen den Staat. Beides ist Unsinn, gefährlicher Unsinn. Wie wir aus der Geschichte des Kommunismus wissen, manchmal sogar krimineller Unsinn.
Was ist an der neoliberalen Ideologie kriminell?
Im rein rechtlichen Sinne nichts. Doch was seit einigen Jahren auf der globalen Finanzbühne gespielt wird, ist ein Schurkenstück, aufgeführt von skrupellos-gierigen Spekulanten. Der grosse Dramatiker Bertolt Brecht liefert in der «Dreigroschenoper» den Schlüssel zum aktuellen Geschehen. Dort sagt Mackie Messer: «Was ist ein Einbruch in eine Bank schon gegen die Gründung einer Bank?»
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