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Frank A. Meyer: Das Versprechen

Aktualisiert um 00:22 | 26.07.2009
Lasst uns diesen wettermässig doch sehr durchwachsenen Sommer von seinen heiteren Seiten nehmen! Toni Brunner bietet uns den Anlass dazu. Der Präsident der Schweizerischen Volkspartei will bei der FDP noch keinen Bundesratskandidaten erblickt haben, den zu wählen seine Partei sich anschicken könnte: «Ein zweitklassiger Kandidat hätte keine Chance, ­womit wir erst recht eine eigene Kandidatur stellen müssten.» Soll heissen: Die SVP ist die Partei erstklassiger Bundesräte.

Da man in jener Partei nie und nimmer über sich selbst zu ­lachen pflegt, Selbstironie also ausgeschlossen werden darf, handelt es sich bei der Aussage Brunners ganz einfach um Chuzpe, wobei wir den Begriff sogleich übersetzen möchten, um dem SVP-Präsidenten auf die Sprünge zu helfen: Chuzpe bedeutet dreist und unverschämt, entstammt dem Jiddischen, was wiederum die jüdisch-deutsche Umgangssprache ist.

Doch weg von der Semantik, also der Bedeutungslehre der Wörter, und zurück zu den Bunderatswahlen. Zurück zur SVP, dieser Mutter aller politischen und personellen Erstklassigkeit: Wie erstklassig war eigentlich ihr allererstklassigster Bundesrat? Ihr echtmegasuper Bundesrat, um es in der Sprache von Toni Brunners Generation auszudrücken?

Woran erinnern wir uns, wenn wir an die Ministerzeit Christoph Blochers zurückdenken? Wenn wir, um auf Teufel komm raus gerecht zu sein, hartnäckig in unseren Erinnerungen kramen? Was kommt uns in den Sinn?

Nichts. Oder doch: Lärm, viel Lärm. Der aber ist verhallt, wie das Lärm so an sich hat – viel Lärm um nichts.

Ganz unausweichlich führt unsere fleissige Erinnerungsarbeit zu der strebsamen, wenngleich unpolitischen, letztlich aber eben doch tüchtigen Ruth Metzler, der Vorgängerin Blochers im Bundesrat. Und von ihr springt unser ehrlich bemühtes Erinnern gleich in die Gegenwart, zu Eveline Widmer-Schlumpf: konservativ, kompetent, konsequent, kurzum erstklassig und – aus der SVP ausgeschlossen.

Ausgerechnet diese Partei masst sich an, für die nächsten Bundesratswahlen Erstklassigkeit zu fordern! Ja, mehr noch: Toni Brunner erwägt, wenn das Parlament nicht willig ist, «den Rückzug der SVP aus der Regierung».

Eine Drohung? Ein Versprechen!
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Publizist Frank A. Meyer. (RDB/Sobli)
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