Ex-Botschafter Tim Guldimann warnt «Die politische Auseinandersetzung ist vergiftet»

BERLIN - Der Anschlag werde der AfD helfen, sagt der in Berlin wohnhafte SP-Nationalrat Tim Guldimann. Die rechtspopulistische Partei benütze ihn bereits jetzt für Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und Angela Merkel.

Langer Anreiseweg: Tim Guldimann wird für Sessionen und Sitzungen von Berlin nach Bern fliegen. (Archivbild) play
SP-Nationalrat Tim Guldimann lebt in Berlin. Peter Schneider

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Nach Facebook-Aufruf zum Geburtstag 31 Kisten Post für behinderte Denise
2 Erste Amtshandlung Trump kippt «Obamacare»
3 So dramatisch war die Rettung von Giorgia G. (22) aus Rapperswil SG ...

News

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
8 shares
31 Kommentare
Fehler
Melden

«Bis jetzt hatte es in Deutschland keine Terroranschläge in diesem Ausmass gegeben», sagt Tim Guldimann (66), SP-Nationalrat und Ex-Botschafter in Berlin zum gestrigen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin. Doch nun sei das eingetroffen, wovor man sich schon länger gefürchtet hatte.

«Die Betroffenheit der Menschen hier ist verständlicherweise sehr gross», sagte er heute Morgen zu BLICK. Der «Internationalrat» lebt als einziger Nationalrat in Deutschland, in Berlin, wo das Drama heute alles beherrscht. 

Angst vor Instrumentalisierung 

«Die Frage ist jetzt, welche politische Dimension dieser Anschlag haben wird», so Guldimann. «Bereits gestern gab es eine geschmacklose Reaktion von der AfD in Nordrhein-Westfalen, die sagte: ‹Das sind Merkels Tote.›» Dies zeige, wie vergiftet die politische Auseinandersetzung mit der Flüchtlingspolitik sei. «Stellen Sie sich vor, in der Schweiz würde man sofort nach einem Terroranschlag dem Bundesrat die Schuld geben!»

Die rechtspopulistische AfD werde den Anschlag für den Wahlkampf 2017 instrumentalisieren, ist sich Guldimann sicher. Im Nachbarland stehen im Herbst die Bundestagswahlen an. «Aus Bayern heisst es jetzt bereits, man müsse sich Gedanken zur Flüchtlingspolitik machen», so Guldimann. «Da wird der Schluss gezogen, die Flüchtlingspolitik bringe Terrorismus ins Land, das heisst, ohne Flüchtlinge wäre man vor Terrorismus gefeit.» Nur: Die Anschläge in Paris und Brüssel wurden nicht von Flüchtlingen verübt.

Publiziert am 20.12.2016 | Aktualisiert am 23.12.2016
Düsterer Geburtstag: BLICK-Reporterin Jessica von Duehren vor dem Weihnachsmarkt.

BLICK-Reporterin berichtet aus Berlin

BLICK-Reporterin Jessica von Duehren war gestern Abend in Berlin, sie wollte ihren Geburtstag in ihrer Heimat feiern. Der Abend endete in einem Albtraum. 

Seit Wochen hatte ich mich auf diesen Abend gefreut: Den 19. Dezember, meinen Geburtstag, wollte ich mit meiner Familie in meiner Heimat Berlin verbringen. Während wir fröhlich feierten, kam es wenige hundert Meter entfernt zum Drama.

Gegen 20.30 Uhr kommen die ersten Meldungen: Lastwagen rast in Weihnachtsmarkt – ein Toter, mehrere Verletzte. Ein paar Minuten später sind es mindestens zwei Tote, kurz darauf steigt die Zahl auf 9. Spekulationen am Tisch: Hatte der Fahrer einen Herzinfarkt? Oder war es ein Anschlag?

Handys klingeln im Minutentakt: «Geht es Euch gut? Seid Ihr in Sicherheit?» Die Restauranttür wird abgeschlossen – der Täter ist auf der Flucht, heisst es. Anderthalb Stunden später die Entwarnung: Der Beifahrer ist tot, der mutmassliche Chauffeur wurde verhaftet. 

Der Terror hat Berlin erreicht. Auf dem Weg nach Hause fährt die Angst mit. Und die grosse Frage: Wie geht es morgen weiter?

teilen
teilen
8 shares
31 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

31 Kommentare
  • Alfredo  Ponte 20.12.2016
    Ich gehe mal davon aus, dass Hr. Guldimann seine persönliche Erfahrung und Meinung zum Ausdruck gab .Das ist legitim und sein Recht. Wäre es eine offizielle Stellungnahme, müsste man sich wundern. Aus den Ereignisse gibt es eigentlich nur einen Schluss; ohne gültigen Papiere und Preisgabe der wahren Identität kein Asylverfahren, geschweige denn Asyl. Die Bevölkerung verdient zu wissen, wer im Land ist. Alles andere ist kontraproduktiv.
  • Divico  Tigurin aus Neuchâtel-Hua-Hin
    20.12.2016
    "Angst vor Instrumentalisierung"?
    Bisher haben das Thema ausschliesslich die Willkommenskultursektierer instrumentalisiert. Allen Unkenrufen zum Trotz die Schleusen aufgemacht und wenn jemand nur schon ansatzweise darauf aufmerksam machte, dass die fehlende Personenkontrolle ein trojanisches Pferd ist, schlafwandelnd vorwärtsgemacht und sogleich alle Zweifler in die rechteste aller Ecken gesetzt. Die AfD muss gar nicht instrumentalisieren sie müssen nur leicht auf die offene Wunden drücken.
  • Pedro  Steinmann 20.12.2016
    Ganz sicher ist nicht die Afd schuld an diesen Anschlägen, sie steht vielleicht nur einiges näher bei denen, die betroffen sind oder werden. Das ganze Ausmass ist überhaupt noch nicht abzusehen, vielleicht sollte Frau Sommaruga auch endlich aufwachen.
  • Walter  Kalberer aus Wangs
    20.12.2016
    Genau von Herr Guldimann brauchen wir solche Ratschläge. Einer der Jahrelang von uns Steuerzahler als Botschafter in Saus und Braus gelebt hat. Genau wegen solchen Politiker die nur auf sich selber schauen, und für die die Wähler und Bürger egal sind, gibt es solche Anschläge. Wenn Herr Guldimann wirklich so ein Schaubermann währe würde er nicht auf Kosten anderer von Berlin und Bern hin und herreisen.
  • Sam   Harsch aus Birchwil
    20.12.2016
    Wenn das Volk und deren politischen Vertreter ihr Unbehagen seit Monaten vergeblich ausdrücken, werden sie von Linken und Medien bevorzugt als Populisten verhöhnt. Hinterher stehen die Nichtpopulisten, wie Guldimann, Medienvertreter und Linke dann gerne an vorderster Front mit ihren Wehklagen.und wundern sich, wie es nur soweit kommen konnte. Vielleicht ist es besser, wenn sie die Fragenkünftig selber beantworten.
    • Marco  Weber 20.12.2016
      Nein Herr Harsch! Das Problem ist das viele der Jammeris einfach nicht begreifen wieso man Sie Populisten oder von mir aus auch Rassisten nennt es macht aber auch keinen Sinn denen dies zu erklären!