Sicherheits-Chef des WEF erschoss sich mit Dienstpistole Er hat seine Karriere im Alkohol versenkt

  • Publiziert: 29.01.2010, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Antonia Sell und Anna Vonhoff

WEF-Sicherheitschef Markus Reinhardt († 61) stand kurz vor dem Rausschmiss. Wegen seines Alkoholproblems.

Sehr früh am Dienstagmorgen – kurz nach 6 Uhr – klingelt in Markus Reinhardts Zimmer im Davoser Kongresshotel das Telefon.

Seine Vorgesetzte, die Bündner Justizdirektorin Barbara Janom Steiner (BDP), will etwas mit ihm besprechen. Schnell. Sie vereinbart mit ihm ein Treffen in der Hotellobby. Da ahnt der WEF-Sicherheitschef und Polizeikommandant wohl, dass seine Sucht ihn den Job kosten sollte. Endgültig.

Lange schon wussten die Bündner Behörden vom Alkoholproblem des beliebten Polizeichefs. Sie hielten zu Markus Reinhardt, wollten ihm helfen.

Auch Barbara Janom Steiner hatte seit ihrem Amtsantritt im Mai 2008 Kenntnis von Reinhardts Alkoholproblem. Und stand ebenfalls zu ihm.

«Zusammen mit seinem Arzt habe ich Massnahmen ergriffen und ihn begleitet», sagte Janom Steiner gestern. In den laufenden medizinischen Berichten habe sich eine allmähliche Besserung seines Zustandes gezeigt.

Innerhalb des Polizeikorps gab es nie Beschwerden

«Die Krankheit hat seine Arbeit nie beeinflusst», betont Reinhardts Chefin. Nie habe sich jemand innerhalb des Polizeikorps über Markus Reinhardt beschwert. Im Gegenteil!

«Er hat in schwierigen Situationen immer einen kühlen Kopf bewahrt und klare Entscheidungen getroffen», lobt die Bündner Regierungsrätin.

Bis zum letzten Sonntag. Da kommt es zum Eklat: Reinhardt erscheint betrunken auf der Einsatzzentrale des WEF. Und war dadurch als Sicherheitschef nicht mehr tragbar. «Ich hätte ihm die Verantwortung für das WEF entzogen, wenn sich dieser Vorfall bestätigt hätte», sagt Barbara Janom Steiner. Deshalb will sie am Dienstagmorgen mit Reinhardt sprechen.

Markus Reinhardt erschoss sich mit seiner Dienstwaffe

Doch dazu kommt es nicht mehr. Zwischen 6.30 und 7.45 Uhr erschiesst sich Reinhardt in seinem Zimmer. Mit der Dienstwaffe. Das bestätigte Staatsanwalt Maurus Eckert gestern.

Nachdem Reinhardt zehn Minuten nach dem vereinbarten Zeitpunkt immer noch nicht in der Lobby erschienen ist, schickt Barbara Janom Steiner zwei ihrer Mitarbeiter in das Hotelzimmer des WEF-Sicherheitschefs. Dort finden sie seine Leiche. Markus Reinhardt hinterlässt keinen Abschiedsbrief.

Das Justizdepartement und die Kantonspolizei Graubünden loben den Verstorbenen in der Todesanzeige als menschliches und berufliches Vorbild für alle Angehörigen des Polizeikorps. Sie seien «unsagbar traurig und fassungslos». Markus Reinhardt habe «während 26 Jahren seine ganze Schaffenskraft in den Dienst der Kantonspolizei» gestellt.

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