Mieter-Familie Schweizer Sie wäscht mit der Sonne!

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • von Silvio Bertolami

OBERBURG BE – Die steigenden Energiepreise verteuern Heizung und Warmwasser. Das setzt auch den Mietern zu. Es sei denn, sie haben wie die Familie Schweizer im bernischen Oberburg gar keine Heiznebenkosten mehr.

Sie seien vor der Wahl gestanden: selber bauen oder mieten. Aber etwas in Richtung Solartechnik, etwas Zukunftsträchtiges wollten sie auf jeden Fall, erzählen Jens und Brigitte Schweizer, beide 37.

Sie haben sich fürs Mieten entschieden. Was ihnen umso leichter fiel, als sie in Oberburg eine ganz spezielle 5½-Zimmer-Wohnung fanden. Das Heiz- und Warmwasser wird ganz direkt und zu 100 Prozent mit Sonnenenergie aufbereitet.

Jens Schweizer, von Beruf Rettungssanitäter, freut sich: «So können wir auch noch in 15 Jahren sicher sein, nichts Verkehrtes zu haben – also nichts, das im Widerspruch zur Umwelt steht.»

Die Wohnung liegt im Parterre eines 8-Familien-Hauses, gebaut von Josef Jenni (55), einem Solar-Pionier. «Es ist in Europa das erste vollständig sonnenbeheizte Mehrfamilienhaus», sagt er stolz.

Verborgen im Innern des Gebäudes steht ein riesiger Wassertank. Höhe: 17 Meter, Durchmesser: 4 Meter, Inhalt: 205000 Liter. Damit liessen sich 1000 Badewannen bis zum Rand füllen. Angehängt am Tank sind aber auch die Heizung und sogar die zehn Wasch- und Abwaschmaschinen.

Die Sonnenkollektoren auf dem Dach bringen das Wasser im Tank während des Sommers fast auf Kochtemperatur. Aber auch im Winterhalbjahr heizen sie nach. «Es reicht auch für den kältesten Winter», verspricht Jenni, «da leg ich meine Hand ins Feuer.»

Für ihre 5½-Zimmer-Wohnung zahlen Schweizers Fr. 2080.–, plus 100 Fr. Nebenkosten. Diese sind so niedrig, weil ja kein einziger Franken für Heizöl, Gas, Holz oder sonst einen Energieträger ausgegeben werden muss. «Insgesamt zahlen wir etwa so viel, wie uns eine andere, neue Wohnung vergleichbarer Grösse und Lage kosten würde», sagt Brigitte Schweizer.

Das heisst aber auch: Je teurer Heizöl und andere Energieträger in Zukunft werden beziehungsweise je länger die Schweizers mit ihren Buben Lukas (6) und David (3) in der Wohnung bleiben, desto günstiger werden sie im Vergleich zu einer konventionellen Wohnung wegkommen.

Josef Jenni zeigt ein Funktionsmodell des Tanks. 205000 Liter Wasser werden mittels Sonnenkollektoren aufgeheizt.- BLICK/Toini Lindroos

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