Familie Eggenberger: Mehr fürs Haus bezahlt – und trotzdem gespart

WIL SG – Ein hoher Erdölpreis und schlaue architektonische Konzepte – dank ihnen sind heute sogar extrem energiesparende Häuser rentabel. Wie das neue Einfamilienhaus der Eggenbergers.

  • Publiziert: 18.11.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • von Silvio Bertolami
play Christian Eggenberger mit Ehefrau Mei Ling und töchterchen Felicia vor ihrem Minergie-P-Haus in Wil SG. (Dominik Baumann)

Er sei ein Technik-Freak, sagt Christian Eggenberger (46). Neue Lösungen finden, an die Grenze gehen – das fasziniert ihn nicht nur in seinem Beruf als IT-Berater von IBM. Für ihn stand von Anfang an fest: Das Haus, das er kaufen wollte, musste energieeffizient sein, am besten am Limit dessen, was heute möglich ist.

Das Einfamilienhaus in Wil, das er mit seiner Frau Mei Ling (41) und Töchterchen Felicia (4) vor gut einem Jahr bezogen hat, erfüllt diesen Wunsch vollauf. Für Heizung und Warmwasser braucht das neue 5½-Zimmer-Haus im Vergleich zu einem gewöhnlichen Neubau nur etwa ein Fünftel der Energie. Weil es extrem isoliert ist und die grossen Fenster auf der Südseite die Sonnenstrahlen optimal einfangen.

Eggenberger ist aber auch ein Doktor der Betriebswirtschaft. Und ein solcher schaut auf die Rentabilität: «Dass ich für mein Haus rund 10 Prozent mehr bezahlen musste, war für mich absolut vertretbar. Aber für mich war auch die Frage extrem wichtig: Wie zahlt sich die Mehrinvestition aus?»

Machen wir die Rechnung: Die Mehrkosten beliefen sich auf rund 113000 Franken. Dies im Vergleich zu einem normal isolierten Haus, das zum Beispiel mit Öl beheizt wird. Teurer war erstens die Gebäudehülle, sprich: Dach, Wände, Fenster, Boden. Kostenschübe gab es zudem wegen den Solarzellen für die Stromproduktion. Wegen der Lüftungsanlage, ohne die sich in einem stark wärmegedämmten Haus leicht Schimmel ausbreitet. Und schliesslich wegen der Wärmepumpe. Diese entzieht dem Boden unter dem Haus Wärme.

Klar, dass die Mehrkosten verzinst und amortisiert werden müssen. Kostenpunkt pro Jahr: 7162 Franken. Andererseits profitieren Eggenbergers nun als Folge der zusätzlichen Investitionen: Sie müssen weniger ausgeben für Heizung, Warmwasser und Steuern. Wie viel weniger? Das hängt davon ab, welche Energiekosten ein konventionell gebautes Vergleichshaus hat. Dabei gilt: Je mehr Öl, Gas, Holz oder andere Energieträger kosten, desto höher sind Eggenbergers Minderausgaben.

Mehrkosten und Minderausgaben – was ist am Schluss grösser? Bei einem Heizölpreis von 85 Franken pro 100 Liter sind Eggenbergers bereits leicht in den schwarzen Zahlen (siehe Tabelle rechts). Heute kosten 100 Liter Heizöl aber schon etwa 100 Franken.

Weil Solarzellen und Wärmepumpen so viel Energie produzieren, wie es für die Heizung und das Warmwasser noch braucht, spricht man auch von einem Passiv- oder Minergie-P-Haus. Ein solches ist kein Hexenwerk. Aber vom Himmel fällt es nicht. Es steckt eine Menge Arbeit und Kreativität dahinter. Christian Eggenberger über den Architekten seines Hauses, Giuseppe Fent: «Er ist ein Idealist mit Leib und Seele, einer, der seine Häuser immer weiterentwickelt.»

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51/2-Zi-Haus in Wil, Eggenbergers Rechnung

Jährlicher Mehr- und Minderaufwand als Folge der zusätzlichen Investition: Zins und Amortisation + 7162 Fr Heizung/Warmwasser- 4169 Fr Steuern - 2574 Fr Haushaltsstrom - 447 Fr Verkauf Überschussstrom der Solaranlage - 66 FrErsparnis unter dem Strich: 94 FrAnnahme: Heizöl kostet 85 Fr/100 Liter
play Giuseppe Fent erklärt an einem Muster den Aufbau der Lucido-Fassade. (Dominik Baumann)

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