Jede Warteschlaufe braucht 144'000 Bäume

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Werner Bucher

KLOTEN ZH – Unsinnige Warteschlaufen von anfliegenden Jets vergiften unsere Umwelt: 144000 Bäume müssen ein ganzes Jahr lang tief durchatmen, um 7900 Kilo CO2 zu filtern. So viel Schadstoff produziert ein Airbus A340, der eine Viertelstunde am Himmel kreist.

Swiss-Chef Christoph Franz ist über das restriktive Landeverbot vor 6 Uhr auf dem Flughafen Kloten verärgert: «Das ist umweltpolitischer Unfug, wenn ein Flugzeug wegen Rückenwind Minuten zu früh ankommt und dann über der Schweiz kreisen muss, bis der Zeiger auf 6 Uhr springt.»

Besonders betroffen sind die Langstreckenflüge aus dem Fernen Osten oder aus Südafrika. Wenn eine dieser Grossraummaschinen 15 Minuten lang kreist, verbrennt sie rund 2,5 Tonnen Kerosin. Das kostet die Airlines nicht nur Millionen, sondern schädigt auch die Umwelt.

Swiss-Chef Franz: «Wir haben in den letzten Jahren rund eine Milliarde Franken in neue treibstoffsparende Flugzeuge investiert. Mit den Warteschlaufen wurde das Geld in die Luft geblasen.»

Franz klagt nicht nur, er wartet auch mit einer Lösung des Problems auf: «In besonderen Fällen können wir abends nach 23 Uhr die Startzeiten um eine halbe Stunde verlängern. Mit einem Flexibilitätspuffer könnten man das auch am Morgen machen.»

Allerdings würden die Anwohner im Osten und Süden der Pisten 28 und 34 keine Freude daran haben. Fluglärm ist hörbar, Kohlendioxid nicht.

Für Franz, der sich mit seiner siebenköpfigen Familie in der Schweiz wohlfühlt und die hohe Lebensqualität schätzt, ist es klar, dass die Swiss weiter am Umweltschutzthema arbeiten muss.

Er weist aber auch darauf hin: «In den letzten dreissig Jahren wurde der Kerosinverbrauch pro Triebwerk um 70 Prozent verringert. Und daran muss die Flugzeugindustrie weiterarbeiten.»

Aber auch die politischen Behörden der Schweiz und Deutschlands sind gefordert, um eine sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Lösung des Klotener Flugregimes zu finden.

Damit unsere Bäume bald wieder etwas freier atmen können

Kerosin

Das ist der spezielle Treibstoff für Jets und Turboprop-Maschinen. Das farblose, speziell riechende Erdöl-Destillat produziert pro Kilo bei der Verbrennung 3160 Gramm CO2, weil es für diesen Prozess 14,6 kg Sauerstoff benötigt.

Swiss: 2006 war ein Superjahr

KLOTEN ZH – Die Swiss im Steigflug: Strahlend präsentiert Christoph Franz (46) einen Gewinn von 231 Millionen Franken. Vor einem Jahr musste er noch einen Verlust von 14 Millionen Franken bekanntgeben. Sparmassnahmen, die gute Konjunkturlage und Synergien mit der Lufthansa haben nach Franz das positive Ergebnis für 2006 ermöglicht. Mit der Swiss flogen im letzten Jahr 10,5 Mio. Passagiere.
Swiss-Chef Franz: 1 Milliarde investiert – und beim Warten in die Luft gepustet.- Keystone

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