PARIS – In Frankreich kommt die Kernkraft unter Druck: Soeben wurde ein Top-Manager gefeuert. Und schon gibt es den nächsten «Zwischenfall».
Aus einem AKW in Romans-sur-Isere südlich von Lyon sind «zwischen 120 und 750 Gramm Uran» flüssiges Uran ausgetreten. Das meldet heute die Atomaufsicht.Sofort wurden Experten zum Unglücksort abkommandiert. Sie sollen das Leck untersuchen. Skandal: Leck soll mehrere Jahre alt sein! Dies sagt die Betreiberfirma Areva: Es bestehe keine Gefahr für die Umwelt. Die defekte Pipeline sei mittlerweile gesperrt worden. Die undichte Stelle befinde sich an einem unterirdischen Rohr, das flüssiges Uran transportiere. Der Riss an der Leitung sei bereits «einige Jahre alt». Die Rohre entsprächen anscheinend nicht den Sicherheitsvorschriften. Das
Unternehmen wollte noch heute Freitag mit der Säuberung des betroffenen Gebietes beginnen.Die Kontrolleuren geben schon mal Entwarnung. Der Vorfall sei auf der gängigen Gefahrenskala von null bis sieben bei eins einzuordnen – also bloss als «Anomalie».Der erneute Zwischenfall sei nicht vergleichbar mit Tricastin (siehe Box), sagte eine Sprecherin. In Romans-sur-Isère sei kein Uran in die Umwelt gelangt, und das Grundwasser sei «sehr weit weg».Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo lässt sich aber nicht so schnell beruhigen. Er fordert: Die Betreiberfirmen müssen die zuständigen Stellen schneller informieren!Umweltschützer entsetzt Der Dachverband der französischen Umweltschutzorganisationen, France Nature Environnement, sprach von einer «tragischen Tour de France der Atomunfälle». Die Atomaufsichtsbehörde halte Informationen ein ums andere Mal zurück, und die Politik müsse sich «mit der Rolle des Sportberichterstatters begnügen».Mittlerweile habe die Politik «die Kontrolle über die Atomkraft verloren». Die Atomkraftgegner von Sortir du Nucléaire (Atomausstieg) forderten den Rücktritt von Areva-Chefin Lauvergeon. (SDA/snx)