Ist Öko wirklich ökonomisch? Der Kuhstall macht jetzt auch Strom

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Silvio Bertolami
Die Aeberhards auf dem Solardach ihres Kuhstalls.- Karl-Heinz Hug

BARBERÊCHE FR – Vorher waren sie nur Milchbauern. Jetzt sind Aeberhards auch noch Strombauern. Das riesige Solardach des Kuhstalls produziert über 100000 Kilowattstunden pro Jahr.

«Ich habe das Innendepartement inne», sagt Elsbeth Aeberhard (47), «und mein Mann Beat das Aussendepartement. Er schaut zum Dach und den Kühen.»

Das heisst nun nicht, das Elsbeth Aeberhard nur den Haushalt schmeissen würde. Zum Innendepartement gehört ebenfalls das Büro samt Buchhaltung. Und so ist auch das Solardach für Aeberhards von Anfang an ein gemeinsames Projekt gewesen.

Ein Pionierprojekt. «Wir merkten bald», erzählt Elsbeth Aeberhard, «wer etwas von Kuhställen verstand, hatte keine Ahnung von Solarzellen. Wer bei den Solarzellen drauskam, verstand nichts von Kuhställen», erzählt Elsbeth Aeberhard. «So lief es auf ein Zusammensetzspiel hinaus, das wir selber lösen mussten.»

Aeberhards Betrieb im freiburgischen Barberêche umfasst 21 Hektaren, plus fünf Hektaren Wald. Wie für andere Bauern auch wurde die Lage nach der Jahrtausendwende immer prekärer. Alle Preise sanken. Es musste noch etwas dazukommen. Ein touristisches Angebot – «Ferien auf dem Bauernhof» – hatten sie schon. «Die Idee, erneuerbare Energie zu produzieren, gefiel uns sehr», so Beat Aeberhard, «und wir sagten uns: Die südliche Ausrichtung des Daches ist ideal.»

Über die Kontakte mit den Ämtern erzählt das Ehepaar nur Gutes. Der härteste Brocken war der Kredit. Aeberhards luden die Bankenvertreter zu Verhandlungen an ihren Küchentisch. Was sie da zu hören bekamen, gefiel ihnen nicht immer. «Einmal hätte ich beinahe einen Bänkler an seiner Krawatte über den Küchentisch gezogen», lacht Elsbeth Aeberhard heute.

Handelseinig wurden sie schliesslich mit der Alternativen Bank. Und auch mit der Elektrizitätsgesellschaft: Groupe E nimmt den Strom während 15 Jahren zu einem Fixpreis ab. «Er beträgt ungefähr 70 Rappen pro Kilowattstunde», sagt Bernard Chassot von Groupe E.

Damit haben Aeberhards Gewähr, dass die Solaranlage für sie nicht zum Vabanquespiel wird. Sie können sie innerhalb von 12 bis 15 Jahren amortisieren.

Danach werden sie für den Strom den Marktpreis erhalten. Und langsam aufs Pensionierungsalter zugehen. Beat Aeberhard: «Wir betrachten die Solaranlage auch als Teil unserer Altersvorsorge.»

  • Kosten für Solaranlage960 000 Fr.
  • Innovationspreis Kanton Freiburg 330 000 Fr.
  • Investition netto 630 000 Fr.
  • Verzinsung der Investition zu 4%
  • Stromproduktion pro Jahr 105 000 kWh
  • Einspeisetarif ca. 70 Rp./kWh
  • Erlös ca. 73 500 Fr
  • Amortisationszeit 12 Jahre
  • Das heisst: Die Anlage ist nach 12 Jahren abbezahlt.

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