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«Was machen wir Schweizer Bauern, wenn die Preise für unsere Produkte weiter sinken und der globale
Lebensmitteltourismus die einheimische Produktion unterläuft?», fragt Josef Bircher (43). Der Bauer aus Malters LU gibt die Antwort gleich selbst: «Wie müssen vermehrt erneuerbare Energie produzieren.»
Biogas aus Gülle und Abfällen, Windräder, Treibstoff aus Raps für Autos und Lastwagen, Sonnenstrom – der Trend geht «vom Landwirt zum Energiewirt». Andere Länder sind der Schweiz in dieser Hinsicht voraus. Bircher und weitere Bauern sehen den Hauptgrund darin, dass in der EU alternative Energien viel tatkräftiger gefördert werden.
Franz Helfenstein (54) aus Emmen kann davon ein Liedlein singen. In zwei Etappen hat der Bio-Landwirt auf seinem Scheunendach eine Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung gebaut. Leistung 36 Kilowatt, Kosten fast 300000 Franken.
Was Helfenstein nicht selber braucht, speist er ins Netz des regionalen Stromunternehmens CKW ein – und erhält bloss 15 Rappen pro Kilowattstunde. Dabei liegen die effektiven Kosten bei 70 bis 80 Rappen. Dass ihm die CKW so viel zahlt, erwartet Helfenstein nicht. Wesentlich mehr als die 15 Rappen sollten es aber schon sein: «Die CKW engagiert sich zu wenig für alternative Energien. Wer so etwas macht wie ich, ist völlig auf sich allein gestellt.»
Solche Beispiele empören Josef Bircher, der die Landwirtschaftskommission der Luzerner CVP präsidiert. «Solange unsere Elektrizitätswerke mit Produzenten erneuerbarer Energien derart umspringen, wird es sicher keine neuen Atomkraftwerke geben. Dafür wird die Landwirtschaft sorgen.»
Die CKW verteidigt sich: «Wir müssen den Preis, den wir für grünen Strom bezahlen, auf die Kunden abwälzen können», erklärt CKW-Sprecherin Vanessa Ghilardi, «leider haben wir nicht genügend Kunden, die bereit sind, für Ökostrom einen Sonderpreis zu zahlen.»
Eine Lösung ist in Sicht. Morgen befasst sich der Ständerat mit dem neuen Stromgesetz. In Zukunft sollen für Biogas, Wind- und Sonnenenergie kostendeckende Tarife bezahlt werden. Um das zu finanzieren, will man auf jeder normalen Kilowattstunde einen Zuschlag von 0,6 Rappen erheben.
Ständeräte und Nationalräte sind sich im Prinzip einig. Sie streiten nur noch über Details. Der Luzerner CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger: «Das Gesetz sollte bis Ende Frühlingssession bereinigt sein. Es bedeutet für die erneuerbaren Energien ein Quantensprung. Ich hoffe, es wird kein Referendum geben.»