Jetzt können wir alle schlagen! Einfach nur Geilson!

  • Publiziert: 22.57 Uhr, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Max Kern und Andreas Böni

Das kommt der Welt spanisch vor. 14 kleine Schweizer entzaubern den Europameister.

Es ist 17.52 Uhr, als sich der Lörracher Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld im Durban-Stadion bekreuzigt. Sein Assistent Michel Pont fällt ihm um den Hals. Wahl-Schweizer Hitzfeld sagt später: «Mir ist schon bewusst, dass wir einen historischen Sieg gelandet haben. Ich habe ja gesagt, irgendwann wird das erste Mal sein, dass wir Spanien schlagen. Das war ein Geschenk, das wir uns aber hart erarbeitet haben.»

Im 19. Anlauf (15 Pleiten, drei Remis) kann die Schweiz den spanischen Stier endlich an den Hörnern packen, in die Knie zwingen – der bedeutendste Schweizer Sieg in 105 Jahren Länderspiel-Geschichte!

«Chocolate beats Paella» steht auf einem Transparent. Schoggi schlägt Paella. Es hätte auch anders kommen können. Ausgerechnet unser Spanier Philippe Senderos wird beinahe zur tragischen Figur. Erst berührt er im Sechzehner von hinten Silvas Beine. Ref Webb sieht nichts.

Nachdem Goalie Diego Benaglio (Hitzfeld: «Er war mit der Matchwinner») mit dem linken Knie Piqués Schuss abwehrt, verletzt sich Senderos bei einem Zweikampf gegen Teamkollege Lichtsteiner. Senderos muss passen –Sprunggelenksverletzung. Von Bergen kommt mit einem Kaltstart rein.

Die Schweizer machen gegen die spanischen Stiere (zuletzt 12 Siege in Serie) die Räume aber verdammt eng. Und wenn doch mal einer durchkommt, steht Fels Diego Benaglio im Weg.

Um 17.03 Uhr geht die Sonne unter, 4 Minuten später der Europameister. Nkufo spielt herrlich auf Derdiyok, der bleibt in den Füssen von Goalie Casillas hängen, doch hinterher kommt Gelson Fernandes. Er sticht zu. Trifft. 1:0 in der 52. Minute! Wahnsinn, nicht nur Spanien, die ganze Welt staunt über die Alpen-Kicker.

Gelson streckt beim Jubel-Lauf seine Zunge raus. Läck, ist das Geilson. Und blickt dann Richtung Himmel. Danke, Gott!

38 elend lange Minuten folgen. Der verwundete spanische Stier schlägt zurück. Xavi Alonso trifft mit seinem Hammer nur die Latte. Derdiyok hat ebenfalls Pech: Pfosten.
«Hopp-Schwiiz»-Rufe übertönen im Rund die nervigen Vuvuzelas! Die Geschichte ist vollbracht. Spain 0, Switzerland 1! Jetzt können wir alle schlagen!

Schon im Achtelfinal?

So wichtig ist der Chile-Match am nächsten Montag:

Sieg Schweiz: Wir sind im Achtelfinal, wenn Honduras nicht gegen Spanien gewinnt.

Remis: Wir siegen gegen Honduras und sind weiter.

Niederlage: Selbst ein Sieg gegen Honduras reicht eventuell nicht. 3 Teams könnten 6 Punkte haben. Tordifferenz entscheidet.

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Werden wir jetzt Weltmeister?»

  • 26,1% Ja, wer Spanien schlägt, ist auch ein Titelkandidat
  • 73,9% Nein, dieses Ziel ist leider zu hoch gegriffen