Einblick Wem Gewehre unheimlich sind

  • Publiziert: 28.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Jürg Ramspeck

Dem Thema «Armeewaffe im Kleiderschrank» werden laufend neue Seiten abgewonnen. So kürzlich durch den Luzerner SP-Nationalrat Hans Widmer, der vorschlug, das Sturmgewehr nach der Dienstzeit nur gegen Waffenschein und zum marktgerechten Preis von 2000, statt zum symbolischen von 100 Franken abzugeben. Hier kommt einer den Traditionalisten konkordant, aber auch kostenbewusst wenigstens ein Stück weit entgegen.

Da ich einer Generation angehöre, die ihr Gewehr jedenfalls bis zum 50. Geburtstag zu Hause aufbewahrte, ohne darüber gross ins Grübeln zu geraten, überlasse ich die Diskussion gerne den Jahrgängen, die jetzt unmittelbarer von ihrem Gegenstand betroffen sind. Ich möchte aber auf einen vielleicht etwas absurden Aspekt hinweisen, der mir aufging, als ich einmal in einer ungewöhnlichen Situation vergeblich meinen Karabiner suchte.

Es hatte sich ergeben, dass ein schwedisches Reporter-Team in meiner Wohnung stand, um einen Bericht über die zivile Aufbewahrung der eidgenössischen Leibwaffe anzufertigen. Ich wurde dabei fotografiert, wie ich sämtliche Kästen ausräumte, unter Betten kroch, Fahndungen auf dem Estrich und im Keller anstellte und schliesslich bekennen musste, dass mir die sogenannte Braut des Soldaten abhanden gekommen war.

Etwas später kam heraus, dass meine Frau das Objekt in ein Versteck gebracht hatte, das aufzufinden mir in meiner wachsenden Panik nicht gegeben war. Warum? Nicht weil sie mich für fähig hielt, von ihm ausserdienstlich Gebrauch zu machen, sondern weil sie, Mutter dreier Kinder, aus ihr selbst rational nicht erklärlichen Gründen fürchtete, es ginge womöglich plötzlich ganz von selber los.

Danach eine gewisse Rührung unter den Umstehenden.

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