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Aus vorgeschichtlicher Zeit ist dem Menschen bis heute der Trieb erhalten, dem Wiedererwachen der Natur im Frühling ein Opfer zu bringen. Er erbringt es in Ausübung einer sakralen Handlung, deren häufigste Form in unserer Epoche der Frühlingsputz ist.
Dass es beim Frühlingsputz keineswegs darum geht, reguläre Raumpflege mit potenzierter Gründlichkeit zu betreiben, sondern um den Nachvollzug eines archaischen Kultes, beweist u.a. die Tatsache, dass der Frühlingsputz in Österreich jährlich 3700 Verletzte fordert.
Die Summe dieser Verletzungen entspricht durchaus jenem Todesopfer, das der Gott des Frühlings heidnischen Gesellschaften in Gestalt einer geweihten Jungfrau abverlangte. In seinem Ballett «Le sacre du printemps» hat der Komponist Igor Strawinsky dem Frühlingsputz als Hingaberitual im Jahre 1913 einen vielbeachteten modernen Ausdruck gegeben.
Am engsten mit dem tieferen Sinn des Frühlingsputzes verbunden, so das österreichische Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), ist der Mensch, der sich in dessen Verlauf an die Aussenseite seiner Fenster wagt.
Ihm kommt das Verdienst zu, durch Stürze mit Bruchfolgen den grössten Beitrag an die Schmerzensmenge zu leisten, die den Schöpfer der spriessenden Primel besänftigt.
Aber auch kleinere Prellungen und Schnittwunden, die eine Spitalbehandlung erfordern, rechnet das KfV zu den gesicherten Darbietungen an die höhere Macht. Ob sie auch die Entsorgung von Papiermüll und schadhaften Haushaltgegenständen als Opfer annimmt, ist angesichts ihres Blutdurstes allerdings mehr als zweifelhaft.