Einblick: Ehrenrettung für junge Bräute

  • Publiziert: 06.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Jürg Ramspeck

Jungblondinen, die sich einen vermöglichen Greis angeln, macht das Max-Planck-Institut für Demoskopie auf ein Phänomen aufmerksam, das sie in ihre Berechnungen einbeziehen sollten: Indem sie einen sehr alten Mann heiraten, senken sie dessen Sterberisiko, ihr eigenes jedoch erhöhen sie. Dem Sugar Daddy erwächst nämlich aus der Verbindung mit einer Nymphe eine markante Steigerung seiner Lebenskraft, während bei ihr die Zeit, die sie seiner Hinterlassenschaft zu widmen gedenkt, merklich dahinwelkt.

Die Forscher haben die Daten aller Einwohner Dänemarks während 15 Jahren auf die Auswirkungen des Altersunterschiedes bei Ehepartnern untersucht und mit dem Resultat ein gesellschaftliches Vorurteil in Frage gestellt. Heiratet der Mann womöglich eine wesentlich Jüngere gar nicht, weil er mit seiner Eroberung in seinem Umfeld punkten will, sondern weil ihm seine biologische Uhr diesen Schritt als medizinische Langzeitvorsorge empfiehlt? Und das junge Mädchen, das sich an die hochbetagte Schulter lehnt, vom Opfereifer beseelt ist, eigene Lebenszeit an die Daseinsverlängerung eines Mitmenschen hinzugeben, den es nach einer methusalemischen Grabstätte dürstet?

Nun haben die Forscher die Vermutung, es wirke sich die Unterstellung, die Junge habe den Alten um seines Geldes willen geheiratet, als sozialer Druck auf sie aus und erhöhe dadurch ihr Sterberisiko. Jetzt Bescheid wissend, dürfen wir diesen Druck von ihr nehmen.

Nur soll sie, wenn der Uralt-Gatte endlich verblichen ist, keinen jüngeren Mann nehmen. Denn umgekehrt funktioniert der Jungbrunnen nicht.

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