Einblick Der selbständige Patient

  • Publiziert: 05.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Jürg Ramspeck

Den Spitälern gehen die Ärzte und Pfleger aus, weshalb die Einführung des personalfreien Krankenhauses unabwendbar ist. Einem Volk, dem man ohne Weiteres zutraut, sich am Airport-Automaten eigenhändig ein Flugticket auszustellen, kann auch abverlangt werden, eine Darmspiegelung ohne kostenexplosive Fremdhilfe an sich vorzunehmen.

Im Foyer solcher Krankenhäuser steht eine Orientierungstafel, welche die Eintretenden nach zwei Grundrichtungen sortiert. Die einen Hautausschlag haben, folgen den Hinweisschildern «Äussere Medizin», diejenigen mit Magenbrennen nehmen die Fährte «Innere Medizin» auf. Wer nicht weiss, ob ihm aussen oder innen etwas fehlt, geht zwischen den beiden Hauptkorridoren direkt in die Psychiatrische Abteilung.

So gelangt jeder in den für ihn zuständigen Behandlungsraum, in dem er seine Symptome in den Diagnose-Computer eintippt. Auf diese Weise erfährt er zum Beispiel, dass in seinen Zellkernen eine Desoxyribonukleinsäure vorhanden ist, zu deren Entfernung er Essigwickel, ein viertägiges Heilfasten und ein Betalaktamantibiotikum benötigt. Letzteres ist gegen Einwurf des angegebenen Betrags am zentralen Pillen-Ausgabekasten erhältlich.

Wer aufgrund seiner Diagnose für eine vorübergehende Hospitalisierung vorgesehen ist, sucht sich im Bettenbereich eine Liegestelle und ordert seine Verpflegung telefonisch beim Catering. Damit eine vertraute Spital-Atmosphäre gewährleistet wird, fragt man den Bettnachbarn gelegentlich: «Wie geht es uns heute?»

Auch bei unumgänglichen Operationen hilft man sich nach alter Samariter-Tugend gegenseitig.

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