Kommentar von SonntagsBlick-Chefredaktor Hannes Britschgi Doppelt am Problem vorbei

  • Publiziert: 18.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

Seit Wochen streitet die Schweiz über das Plakat der Minarettgegner. Damit hat sich der Schwerpunkt der Diskussion vom Verbot von Minaretten zum Verbot von Plakaten verlagert. Seither führen wir ein Scheingefecht im Quadrat.

Denn es geht nicht um ein Plakat und es geht auch nicht um Minarette.

Die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» richtet sich gegen den angeblichen «politisch-gesellschaftlichen Machtanspruch des Islams». Ihre Urheber sehen eine zunehmende «Islamisierung der Schweiz».

Die muslimische Schweiz, heute gegen 400000 Personen stark, kann auch ohne weitere Minarette leben. Der Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, Dr. Hasan Taner Hatipoglu, sagt es so: «Die Minarette sind für uns keine zentrale Geschichte.» Um dann mit Recht anzufügen:

«Wenn sie aber verboten werden, dann werden sie zu einer zentralen Geschichte. Das wäre dann eine klare Diskriminierung einer Religion.»

Im Kern geht es darum, wie weit wir als Schweizerinnen und Schweizer die Andersartigkeit der muslimischen Gemeinschaft respektieren. Es geht aber auch darum, wo und wie wir dieser Andersartigkeit Grenzen setzen. Und es geht darum, wie weit wir die zentralen Werte unserer Gesellschaft durch die muslimische Schweiz in Frage stellen lassen.

Beispiel Gleichberechtigung: «Mann und Frau sind gleichberechtigt», sagt unsere Verfassung. Das bedeutet unter anderem, dass Mädchen das gleiche Recht auf Schwimmunterricht haben wie Buben. Dispensgesuche von muslimischen Vätern für ihre Töchter im Schulalter können und dürfen wir nicht akzeptieren. Diese und andere Positionen müssen wir durchsetzen. Darum gehts.

Das Minarettverbot ist für diese wichtige Auseinandersetzung der falsche Weg. Mit dem Verbot würden wir genau jene zentralen Werte verletzen, die wir verteidigen wollen: die Rechtsgleichheit, die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit, das Diskriminierungsverbot, den Minderheitenschutz.

Und das wollen wir nicht.

play Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)

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