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«Wir waren heute einfach nicht gut genug.» Diesen Satz sagte nicht Ralph Krueger, sondern Mike Babcock, der Coach der siegreichen Kanadier.
Nach 60 Minuten rieben sich die Fans der Ahornblätter im «Hockey Canada Place» verdutzt die Augen: 2:2 hiess es auf der Anzeigetafel. Das war kein Fehler des diensthabenden Zeitnehmers, aber eine defensive Parforceleistung der Schweizer Nati.
Der Berner Ivo Rüthemann und Flyers-Verteidiger Patrick Von Gunten hatten im zweiten Drittel das Spiel ausgeglichen. Besonders erfreulich: unsere Nati ging mit viel Esprit und Entschlossenheit auf das Tor der Kanadier los, jeder Check wurde beantwortet.
Roman Wick, der nach der Niederlage am Dienstag etwas mehr Mut und Kaltschnäuzigkeit gefordert hatte, ging mit gutem Beispiel voraus: Nach dem «Wick spezial», einem Übersteiger mit hohem Verwirrungspotenzial für Verteidiger, war er an der Legende Scott Niedermayer vorbeispaziert, wenig später vernaschte er dessen Verteidigungspartner Shea Weber mit einem explosiven Antritt über links. Wick war im wohl besten Spiel einer Schweizer Nati aller Zeiten der beste Feldspieler auf dem Eis.
Und das trotz Sidney Crosby, Chris Pronger oder Jarome Iginla auf der anderen Seite. Wick war nach dem Spiel stinksauer: «So ein Spiel muss man auch mal gewinnen», sagte Wick. «Wir haben toll gespielt, frecher als gegen die USA, solider, mit mehr Selbstvertrauen.» Und jetzt? Wick: «Gar nichts. Wir haben nichts gewonnen. Gegen Norwegen müssen wir sowieso gewinnen, und das wir ein ganz anderes Spiel, weil wir da der Favorit sind.»
Noch überzeugender als der Klotener Stürmer war nur Jonas Hiller im Tor, der im letzten Drittel reihenweise kapitalste Chancen der Kanadier zunichte machte – und das im Minutentakt.
Schön war, das die Schweizer wohl Respekt, aber keine Angst zeigten: Andres Ambühl (176 cm) piesackte vor dem 2:2 den kanadischen Haudegen Chris Pronger (198 cm) bis dieser entnervt seine Position verliess, um sich am Hartford-Stürmer zu rächen. Von Gunten nutzte die entstandene Lücke und traf via Schlittschuh von Patrick Marleau zum absolut verdienten 2:2.
Die Kanadier hatten in den ersten beiden Dritteln versucht, den Schweizern allein mit spielerischen Mitteln beizukommen. Bis zum 2:0 durch Marleau ging dieses Rezept auch auf. Danach gelang es den Kanadiern nicht mehr, den Schalter umzulegen.
Auch Coach Mike Babcock stand nur noch ratlos hinter der Spielerbank und sah zu, wie seine Spieler immer mehr den Faden verloren und zuletzt nur noch in Einzelaktionen den Abschluss suchten. «Wir waren gewarnt, konnten aber nicht mehr reagieren», sagte Babcock. «Das soll die Leistung der Schweizer nicht schmälern, die haben ihren Job gemacht. Aber wir können und müssen mehr von uns erwarten als wir gezeigt haben. Wir hatten keine Bewegung im Spiel, machten keine Checks mehr fertig und schossen zuwenig aufs Tor. Das war kein Kanada-Hockey.»
Im Penaltyschiessen zeigte Sidney Crosby, warum er 9 Millionen Dollar pro Jahr verdient. Unter Hochdruck versenkte der Stanley-Cup-Sieger mit Pittsburgh seinen zweiten Versuch, nachdem in der ersten Runde kein Schütze getroffen hatte. Warum Crosby zwei Mal anlaufen durfte? «Ganz einfach», sagt Babcock. «Es gibt eine Penaltystatistik in der NHL, und aufgrund dieser Statistik haben wir unsere Schützen bestimmt. Crosby ist die Nummer 1 der NHL.»