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Horror in Port-au-Prince: Leichen werden behelfsmässig eingeschnürt. (Reuters)
In der Nacht war es gespenstig ruhig in Port-au-Prince. «Ich habe eine so grosse Stadt noch nie so still erlebt», schreibt der Manager des Hotels Oloffson, das dem gewaltigen Beben standhalten konnte.
Port-au-Prince liegt in Trümmern. Die Zahl der Opfer ist noch nicht absehbar, Schätzungen gehen in die Zehntausende. Und viele sind noch begraben unter Schutt.
Jetzt rollt die internationale Hilfe an. Erste Teams aus aller Welt sind bereits eingetroffen. Zahlreiche Länder, darunter die USA, Frankreich und mehrere südamerikanische Staaten, schickten Bergungsteams und Hilfslieferungen nach Haiti. Die Vereinten Nationen haben etwa 30 internationale Hilfsteams mobilisiert.
Auch die Schweiz schickt Helfer
Die Schweiz ist bisher mit sechs Personen vor Ort. Ein Soforteinsatzteam ist heute Morgen nach Haiti abgeflogen. Es umfasst 12 Experten der Humanitären Hilfe des Bundes – Fachleute auf den Gebieten der Logistik, Sicherheit, Wasserversorgung und Notunterkünfte.
Doch es herrscht das «nackte Chaos», wie Matthias Herfeldt, Mediensprecher der Hilfsorganisation Helvetas, gegenüber Blick.ch sagt. «Untereinander kommunizieren können die Helfer nicht – die Telefonnetze sind tot.» Auch mit dem Programmleiter vor Ort hat Herfeldt nur sporadisch per E-Mail Kontakt.
Wasser ist das Hauptproblem
«Als Soforthilfe konnte vor Ort der Zugang zur Wasserzisterne wieder freigegeben werden, hunderte Menschen haben schon davor gewartet.» So berichtet es der Programmleiter aus der Hölle.
Die Wasserversorgung ist eins der grössten Probleme, das die Bevölkerung bewältigen muss. Dazu kommt das zerstörte Abwassernetz. Und die Leichen, die notdürftig bedeckt in den Strassen liegen. Das erhöht die Gefahr von Seuchen. Einige Hilfswerke befürchten bald den Ausbruch der ersten Krankheiten.
In der Not wird geplündert
Laut «New York Times» kam es schon zu ersten Plünderungen. Die Plünderer seien in die Geschäfte eingedrungen, hätten sich Waren geschnappt und seien wieder untergetaucht. Ein Reuters-Journalist schrieb, er habe keinen einzigen Polizisten in den Strassen gesehen.
Auch Médecins Sans Frontières (MSF) kämpfen mit Problemen vor Ort. Sie müssen mit behelfsmässigen Einrichtungen arbeiten. «Wir werden ein aufblasbares Krankenhaus mit 100 Betten nach Haiti bringen, das zwei Operationssäle und sieben Aufnahmezelte umfasst», sagt Sprecher Matthias Thomann zu Blick.ch.
Bei all dem Leid gibt es nur wenige Lichtblicke. Einzelne Menschen werden nach einer furchtbaren Nacht noch lebend aus den Trümmern gezogen, erzählt Thomann. «Unsere Mitarbeiterin Danielle Trépanier schlief beim Unglück und stürzte zwei Stockwerke nach unten und wurde von Trümmern begraben.» 24 Stunden habe sie dort verbringen müssen, habe nach Hilfe geschrien. «Nun wurde sie gerettet – unverletzt!»