IOC-Kasper attackiert Fifa-Blatter «Die Fifa schadet dem ganzen Sport»

  • Publiziert: 13.01.2011, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Carl Schönenberger
play Deckung geöffnet, eiskalt erwischt: Kasper (r.) verpasst Blatter einen Kinnhaken.

Jetzt kommts zum Crash der Super-Funktionäre. Gian-Franco Kasper schiesst gegen Sepp Blatter. Päng! Der Kinnhaken sitzt.

Als Anfang Dezember in Zürich die WM 2022 an Katar vergeben wird, bebt die Fussball-Welt. England und andere klassische Fussball-Nationen fühlen sich als Opfer von Korruption.

Wenige Tage danach setzt Deutschlands «Kaiser» Franz Beckenbauer noch eins drauf: Wegen der Hitze in Katar könnten die Titelkämpfe 2022 ja während der europäischen Wintermonate stattfinden.

Blatter’sche Spitzkehre

In einer ersten Reaktion war Fifa-Boss Sepp Blatter gegen die Kaiser-Idee, wenig später fand auch er sie gut. Eine typisch Blatter’sche Spitzkehre. Mit der er nicht bloss bei seiner eigenen Fussball-Familie «einfädelt», denn die Uefa und die meisten nationalen Verbände müssten für die Winter-Weltmeisterschaft ihren ganzen Spielbetrieb umkrempeln.

Vor allem sorgt der Walliser Fussball-Gott beim IOC für mächtiges Donnern. Denn der Februar 2022 steht im Zeichen Olympischer Winterspiele. Wo, das steht zwar noch nicht fest, spielt aber auch gar keine Rolle. Die Olympier in Lausanne sind von der Konkurrenz-Ansage der Fussballer mächtig irritiert.

Der Kinnhaken sitzt

Schliesslich ist Blatter als Fifa-Präsident von Amtes wegen ja auch einer von ihnen. Schweizer IOC-Mitglieder wie FIS-Präsident Gian-Franco Kasper, Hockey-Präsident René Fasel und Denis Oswald wettern. Kasper: «Typisch Blatter! Er hat mit uns noch nie über seine Idee ge-sprochen. Die Fifa hat eine Mentalität, sich um nichts anderes als um sich selbst zu kümmern. Mit dieser rücksichtslosen Haltung schadet die Fifa dem gesamten Sport.» Rumms, das sitzt!

«Grundsätzlich», sagt Kasper, «ist jeder internationale Verband in seiner Terminplanung frei.» Das IOC könne also direkt nichts gegen eine Fussball-WM im Winter machen. Doch die Parallelveranstaltung der zwei grössten Sportevents würde viele Probleme bringen.

sportliche Überdosis

«Das Hauptproblem wäre die sportliche Überdosis für das Publikum, denn andere Veranstaltungen finden in dieser Zeit ja auch noch statt. Riesenprobleme gibt es fürs Fernsehen. Genügend Manpower und die gigantische technische Infrastruktur für beide Grossanlässe innerhalb von so kurzer Zeit stehen dafür bei keinem Sender der Welt bereit», sagt Kasper.

Dass eine solche «Doppelveranstaltung» bezüglich Fernsehrechte und Sponsorverträge Probleme bereiten könnte, ist für Kasper (noch) sekundär. Die Olympia-Kontrakte des IOC bis 2014 sind längst abgeschlossen. Aber: «Für die nächste Periode bis und mit 2022 beginnen die Verhandlungen in diesem Sommer.» Haben bis dann die Fifa und das IOC ihren Machtkampf beigelegt?

Kasper hofft auf ein Symposium über Sicherheit im Sport, das Entspannung bringen könnte. «Im März treffen sich alle internationalen Sportverbände von Winter und Sommer – ausgerechnet in Doha. Dabei wird die drohende Terminkollision sicher ein Thema.» Und Kasper glaubt: Viele Verbände und viele Nationen haben für die Fussball-Idee wenig Sympathie.

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