Die Dschihad-Teenager von Winterthur Ihre Radikalisierung, Ihre Reise, Ihre Rettung

Vor mehr als einem Jahr reisten Visar (17) und Edita (16) nach Syrien. Inzwischen sind sie wieder zurück in Winterthur und wurden verhört. Nun erzählt M*, ein Freund der Familie, wie es zur Radikalisierung der Geschwister kam und wie sie schliesslich gerettet wurden.

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Vier Tage lang sind Edita (16) und Visar (17) nach ihrer Rückkehr in die Schweiz verhört worden. Seit dem 29. Dezember sind die Geschwister zurück aus dem Dschihad.

Ein Jahr zuvor, am 21. Dezember 2014, lassen die Teenies mit kosovarischen Wurzeln ihr ­Leben und ihre Freunde in der Schweiz zurück. Der KV-Lehrling bei der Stadtverwaltung Winterthur ZH und die Sekschülerin schliessen sich der Terrormiliz IS an.

Der Vater der Teenager, Haljit L.*, ist schockiert und besorgt. Er reist nach Adana, in den Südosten der Türkei, um im Grenzgebiet zu Syrien nach seinen Kindern zu suchen. Mit dabei ist auch M*., ein enger Freund der Familie.

In Hotels, in Restaurants, am Zoll hängen sie Bilder auf. «Wir kontaktierten auch Dorfchefs, IS-Aussteiger und Geheimdienstler», sagt M.

Von einem Schweizer Handyshop aus hatte er das letzte Telefonsignal von Visar orten können, es kam aus der Türkei. «Einen Monat nach dem Verschwinden schickte mein Sohn eine Whatsapp-Mitteilung. Er schrieb, ihm und seiner Schwester ginge es gut», so M.

Es folgen weitere Mitteilungen aus Syrien. Visar besucht eine Koranschule mit anderen Auswanderern, auch der Leiter seiner Einheit stammt aus dem Westen. Edita lebt in einem Haus mit Frauen aus Deutschland und Österreich. Sie sieht den Bruder regelmässig. Unter bestimmten Bedingungen hätte auch ihre Mutter sie besuchen dürfen. Was Edita beim IS genau machen musste, darüber schweigt M.

Die Geschwister seien in Winterthur radikalisiert worden, sagt M. Eine Rolle spielte das Kampfsportcenter von Valdet Gashi. Er gehörte dem IS an und soll in Syrien gestorben sein. Die Islamisten versprechen Wohlstand und ein Haus in Syrien. «Sie sagten ihnen, nur in einem muslimischen Land könnten sie frei sein», so M.

Bald drängt die Zeit. Die Eltern befürchten, dass Visar in  den Krieg ziehen muss, um zu kämpfen. Schliesslich gelingt die Befreiung. An einen geheimen Ort in der Türkei entsteht ein Bild, auf dem Visar mit zwei Männern zu sehen ist – seinen Rettern. Der Teenager scheint glücklich, wieder frei zu sein.

Mehrere Zehntausend Franken mussten die Eltern für die Befreiung ihrer Kinder zahlen, ist aus einer Quelle zu erfahren. Als Visar und Edita am Flughafen Zürich-Kloten landen, werden sie in Polizeigewahrsam genommen. Die Jugendstaatsanwaltschaft hat gegen die beiden Teenager ein Strafverfahren eröffnet.

Jetzt sollen die Geschwister laut M. zu ihrem eigenen Schutz fremdplatziert werden. Und nächste Woche gehe für Visar und Edita der Alltag wieder los: mit Lehre und Schule.

* Namen der Redaktion bekannt

Morgen im SonntagsBlick: Welche Rolle die An’Nur-Moschee in Winterthur spielte

Publiziert am 16.01.2016 | Aktualisiert am 02.11.2016
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22 Kommentare
  • Regula  Hiltebrand aus Au
    16.01.2016
    Da müsste eigentlich die Bevölkerung gefragt werden, ob wir diese beiden Kriminellen noch zurück nehmen. Es ist nicht einfach alles mit Geld zu erledigen. Die beiden sind eine ständige Gefahr für unsere Bevölkerung, dies sollte eingentlich viel mehr gewichten und zählen.
  • Bruno  Winkler 16.01.2016
    Da gibt es noch eine andere Frage. "Mehrere Zehntausend Franken mussten die Eltern für die Befreiung ihrer Kinder zahlen." Woher stammt dieses Geld? Wurde die Bank belogen für einen Kredit Strafrechtliche Belange? Das Ganze "müffelet"!
    • Edi  Rey aus Romanshorn
      16.01.2016
      Sie haben aber nicht viel Ahnung. In traditionellen Familienverbänden wird für Notfälle das Geld zusammengelegt. Die ganze Verwandtschaft macht mit und dann klappt es. Das wird übrigens auch so gemacht wenn man das Fluchtgeld für die Schlepper aufbringen muss. Eine Bank braucht es dazu überhaupt nicht.
    • Rolf  Hobi 16.01.2016
      Herr Rey: Das mit dem Fluchtgeld kann nicht stimmen! Wenn ja alle weg wollen, WER gibt dann WEM noch Geld? Und Flucht kann es auch nicht sein, wenn man das Land noch aussuchen kann, obwohl es in der Umgebung auch friedliche Orte gibt, die sogar noch zum jeweiligen Kulturverständnis passen.
  • Rolf  Hobi 16.01.2016
    Man halte sich das einmal vor Augen: Ein Telefonshop, also Amateure betreffend Kriegsführung, konnte den Ort in Erfahrung bringen, wo sich der Sohn dem IS angeschlossen hat. Ebenso gelangt der 17 jährige problemlos zu den Schlächtern. Gibt es dort vor Ort Buslinen zum IS oder wird man gar abgeholt von IS - Taxis??? Wo sind denn da alle die Überwachungsstrategien der Profis, Geheimdienstler, Militärs? Entweder arbeiten bei denen alles Flaschen, oder wir werden verarscht! Da ist doch was faul!
    • Beat  Fehr aus Illnau
      16.01.2016
      @Rolf Hobi: Ohne richterlichen Beschluss geht in der Schweiz gar nichts. Und es braucht einen Jugendanwalt, der die Nachforschungen am Gericht beantragt. Der Antrag muss begründet sein, den gesetzlichen Anforderungen genügen, usw. Wir sind ein Rechtsstaat. Es ist nichts faul, es sind nicht die Flaschen, bei uns ist alles bis ins letzte Detail geregelt. Und wenn dagegen verstossen wird, sind die erhobenen Daten und Beweise im Verfahren nicht verwertbar. Fazit, der Clevere hilft sich selbst.
  • Jan  Berger 16.01.2016
    Verharmlosung pur. Die lieben Kleinen sind zwar "gerettet", aber wir nicht vor denen. Die schlimmen Konsequenzen bestehen in ein bisschen Polizeigewahrsam und einem Strafverfahren mit Ausgang "mei mei!" Dazu eine ach so günstige Prognose, die man natürlich nicht mit einer wirklichen Strafe kaputtmachen will. Der Schutz der Bevölkerung darf da ruhig auf der Strecke bleiben, aber nach dem ersten Attentat kriegen diese "Kinder" dann vielleicht - aber nur vielleicht - noch eins auf die Fingerchen.
  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    16.01.2016
    Es braucht keinen persönlichen Kontakt in die radikale Szene um sich zu radikalisieren. Dazu reicht das Internet. Es kann mir aber keiner erzählen das eine Selbst- oder Fremdradikalisierung nicht auffällt. Es sei denn man lebt ein System streng hierarchischer Ordnung in denen die Familienmitglieder zu funktionieren haben ohne sich je darum zu sorgen wie es in ihnen aussieht. Ohne man macht das extreme Gegenteil, die Familie lebt nur noch als Wohngemeinschaft. Beides ist soziale Verwahrlosung.
    • Loris  Frey 16.01.2016
      Sie sagen es, soziale Verwahrlosung. Aber das gibt es nicht nur in den islamischen Familien sondern auch bei unseren. Viele Jugendliche kommen auf die schiefe Bahn und niemand merkt es oder erst wenn es zu spät ist.
    • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
      16.01.2016
      Loris Frey, nur mit dem Unterschied das verwahrloste einheimische Jugendliche nur kriminell werden und keine Bomben legen. Aber immer ist die Hauptursache das Eltern sich nicht engagieren, kein Vorbild sind. Das beginnt schon bei so banalen Dingen wie das Überqueren der Strasse bei roter Ampel wenn man die Kinder dabei hat. Da nützt auch die beste Kita-Betreuung nichts wenn das was dort vorgelebt wurde zuhause wieder zunichte gemacht wird, Verantwortung kann man nicht kaufen.
    • Sarah  Keller 16.01.2016
      @Loris Frey: "..... und niemand merkt es oder erst wenn es zu spät ist."
      Kommt halt immer drauf an, wie sehr die Erwachsenen mit sich selber und ihrem eigenen Leben klarkommen. Aber in einer Familie, die ich als "normal" bezeichnen würde, wird es sehr wohl wahrgenommen, wenn sich etwas stark verändert oder gar aus dem Ruder zu laufen droht. Dass sich gleich 2 Kinder derselben Familie so stark radikalisieren und das niemand gemerkt haben will, halte ich für reine Schutzbehauptung.