Spion & Spion Die CIA jagtDick Marty

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Alexander Sautter und Sandro Brotz

Die CIA wird es nie zugeben, aber alles spricht dafür: Der Schweizer Dick Marty (60), der die Folterknechte jagt, wird von ihnen ausspioniert.Dick Marty ist der Mann, der den mächtigsten Geheimdienst der Welt das Fürchten lehrt.Der Tessiner FDP-Ständerat und seine Mission: Im Auftrag des Europarats in Strassburg (F) soll der Ex-Mafiajäger beweisen, was die ganze Welt bisher nur vermutet. Die USA verschleppen, verstecken und verhören in ihrem Krieg gegen den weltweiten Terror systematisch ihre Gefangenen. In geheimen Lagern, wohin die CIA-Häscher die angeblichen Terroristen bringt, wird auch Folter angewendet.«Ich stelle den Krieg gegen Terrorismus nicht in Frage», sagt Marty, «aber er muss mit rechtsstaatlichen Mitteln erfolgen». Folter sei «nicht effizient und kontraproduktiv».Jetzt nimmt die CIA den Jäger aus der Schweiz ins Visier. «Es würde mich nicht erstaunen, wenn ich abgehört werde», sagt Marty am Rande der Wintersession in Bern zu SonntagsBlick. Er geht davon aus, dass die CIA versuchen wird, «zu erfahren, welche Informationen mir vorliegen». Und mehr noch: «Eine Taktik könnte sein, mich als Person zu diskreditieren», sagt Marty.Der Jäger wird zum Gejagten. Geheimdienstexperten sind sich einig: Der grosse Lauschangriff der CIA auf Marty hat bereits begonnen. «Die Amerikaner werden mit hunderprozentiger Sicherheit alles daran setzen, das Wissen von Herrn Marty in Erfahrung zu bringen», sagt Erich Schmidt-Eenboom (53), Leiter des Instituts für Friedenspolitik in Weilheim (D). Der renommierte Geheimdienstfachmann ist überzeugt, dass der US-Geheimdienst «alle elektronischen Mittel ausschöpfen wird». Ein hochrangiger Schweizer Geheimdienstler, der anonym bleiben will, stützt diese Aussagen. «Die CIA wird vor allem wissen wollen, wer Martys Informanten sind», sagt er. Für den Schweizer Sonderermittler bedeutet das konkret:Jedes Gespräch mit seinem Samsung-Handy wird mitgehörtJedes E-Mail auf seinem Macintosh-Laptop landet bei der CIAJedes Fax von und an ihn wird von den US-Schnüfflern abgefangenDass es sich dabei nicht um Hirngespinste handelt, zeigen drei bekannt gewordene Fälle aus der jüngeren Vergangenheit:In Genf liess die CIA eine japanische Wirtschaftsdelegation aushorchen, die sich auf Gespräche mit den Amerikanern vorbereitete.Im Irak schleusten sich Agenten in eine Gruppe von UN-Abrüstungskontrolleuren ein. Die Inspektoren fühlten sich dadurch für Spionagezwecke missbraucht.In New York hörte der Geheimdienst Mitglieder des UN-Sicherheitsrates ab, um deren Einstellung zum geplanten Irak-Krieg zu kennen.In all diesen Fällen setzte die National Security Agency (NSA) im Auftrag der CIA modernste technische Mittel ein (siehe Artikel rechts). Im CIA-Hauptquartier in Langley (Virgina) will man weder Martys Mission noch seine Bespitzelung kommentieren. «Das werden wir auch in Zukunft nicht tun», sagt eine Sprecherin.Unbeirrt vom mächtigen Gegner ermittelt der ehemalige Staatsanwalt weiter. «Es mag naiv tönen», sagt Marty, «aber ich bin im Dienste einer guten Sache unterwegs und das ist der beste Schutz.»

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