Des Teufels General

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi

General Than Shwe (73) regiert Burma seit 15 Jahren mit eiserner Hand. Seine Politik hat das Land ruiniert. Der Familie des brutalen Diktators geht es blendend.

Als der Hass der Untertanen unerträglich wurde, liessen sich Than Shwe und seine Generäle einfach eine neue Hauptstadt bauen: Naypidaw oder «Sitz der Könige», 350 Kilometer nordöstlich vom traditionellen Regierungssitz Rangun entfernt, mitten im Dschungel.

In einer Prachtvilla am Rand dieser Retortenstadt residiert der Generalissimus. Von hier aus verwaltet sein Clan die von den Burmesen erpressten und in aller Welt sicher angelegten Geld-«Geschenke». Allein im Jahr 2005 sollen es umgerechnet über 700 Millionen Euro gewesen sein. Zu ihrer Hochzeit befahl Than Shwe seine Tochter Thandar auf ein goldenes Bett. Dann liess er sie mit Perlen und Edelsteinen im Wert von 50 Millionen Dollar überschütten.

In Burma wagen es nur noch wenige, Than Shwes Namen auszusprechen. Sie nennen ihn den König von Burma.

Doch in Than Shwes Adern fliesst weder blaues Blut, noch kann er als Vorbild für royale Noblesse dienen. Der General ist Sohn einer armen Familie aus Kyaukse bei Mandalay. Sein Arbeitsleben begann er als Briefträger. 1953 trat er in die Armee ein, wurde Offizier und begann eine steile Karriere. 1992 schliesslich ernannte ihn die herrschende Clique der Generäle zum Staatsoberhaupt.

Seither hält sich der mürrische alte Mann, der auch an Alzheimer leiden soll, nicht mit Güte, sondern mit Foltergefängnissen und Mord an der Macht. So wie in den letzten Tagen: Da schossen General Than Shwes Soldaten mit scharfer Munition auf friedlich demonstrierende Mönche und Bürger.

Offiziell wurden bei den Unruhen 14 Menschen getötet. Diplomaten in Rangun und Augenzeugen glauben aber, dass die wahre Zahl der Opfer um ein Vielfaches höher liegt.

Than Shwe in seiner Villa am «Sitz der Könige» kümmern solche Petitessen nicht. Er ist zufrieden, den Protest der Burmesen mit Gewalt gebrochen zu haben. Endlich, liess er am Samstag im staatlichen burmesischen Rundfunk erklären, herrsche im Land wieder Ruhe und Ordnung.

Fünf Fragen zur Krise in Burma

Warum demonstrieren die Mönche?
Im Schutz der Klostermauern denken viele Mönche seit Jahren über ein friedliches Ende der Diktatur nach. Sie fordern Freiheit und Demokratie. Preissteigerungen auf Treibstoff von bis zu 400 Prozent lösten vor zwei Wochen die ersten Proteste aus. Weil der Klerus als oberste moralische Instanz der Nation gilt, fürchtet das Regime den Aufstand der Klöster am meisten.

Wer regiert Burma?
Seit 1962 leben die rund 50 Millionen Burmesen unter einer Militärdiktatur, die wegen ihrer Brutalität und der Radikalität ihrer Isolationspolitik mit Nordkorea vergleichbar ist. 1988 schlugen die Generäle Studentenproteste nieder, mindestens 3000 Menschen starben.

Wer unterstützt das Regime?
Bis auf die Beziehungen zu China ist das Regime international isoliert. Beijing spekuliert vor allem auf Burmas Erdgasreserven. Ein Geheimvertrag erlaubt Chinas Kriegsmarine die Nutzung einer burmesischen Insel in der Andaman-See als Vorposten längs der wichtigsten Öltanker-Route.

Wer ist die Opposition?
1990 gab es zum letzten Mal Wahlen in Burma. Den 60-Prozent-Sieg der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) unter Aung San Suu Kyi (62) anerkannten die Generäle nicht. «The Lady», wie die Tochter eines Unabhängigkeitskämpfers ehrfürchtig genannt wird, lebt seither fast ununterbrochen unter Hausarrest. 1991 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Wie geht es weiter?
Aung San Suu Kyi ist als Gesprächspartnerin für die Generäle inakzeptabel. Sie würden ihr Gesicht verlieren. Das Regime ist in der Sackgasse: Es gibt keinen Ausweg ausser immer mehr Repression.

Grabesruhe in Burma

Nach drei Tagen blutiger Repression und vermutlich mehreren Dutzend Toten herrschte am Samstag fast überall in Burma die vom Regime befohlene Friedhofsruhe. Kleinere Menschengruppen in Rangun und Mandalay wurden brutal auseinandergetrieben. In Pakokku demonstrierten mehrere hundert Mönche vor ihrem Tempel, ohne dass die Sicherheitskräfte einschritten. Am Samstag traf auch der UN-Sonderbeauftragte für Burma ein, der nigerianische Diplomat Ibrahim Gambari (62). Er will in Burmas neuer Hauptstadt Naypidaw mit Staatspräsident Than Shwe über ein Ende der Gewalt und den Beginn politischer Reformen verhandeln.
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Burmas Machthaber Than Shwe- Foto: AP

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