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Sonntag, 20 Uhr. Die Strassen sind wie leergefegt, mehr als 1,2 Millionen Zuschauer verfolgen das grosse «MusicStar»-Finale live auf SF 1. Medien und Meinungsumfragen lassen keinen Zweifel: Die Ostschweizerin Sandra Wild (22) wird MusicStar»2007.
Drei Stunden später. Moderator Max Loong verkündet: «MusicStar 2007 isch ... d’Fabienne!» Für ihre geniale Tina-Turner-Adaption wird die Luzernerin vom TV-Publikum per Televoting zum MusicStar 2007 gekürt – mit sensationellen 70 Prozent der Stimmen. Fabienne Louves ist in der Zürcher Maag Event Hall der grosse Wurf gelungen: «Unglaublich, mein Traum ist wahr geworden.»
Doch heute, nur eine Woche nach dem Supersieg, könnte der Traum zum Albtraum werden: SonntagsBlick deckte auf, dass Fabienne möglicherweise noch immer an eine Musikproduktionsfirma gebunden ist.
Dabei besagt das «MusicStar»-Reglement ausdrücklich: «Es dürfen sich nur Personen ohne bestehenden und nicht auflösbaren Platten- oder Künstlervermarktungsvertrag anmelden.» Das würde bedeuten: Fabienne hätte gar keine Berechtigung, an der erfolgreichsten Schweizer Castingshow teilzunehmen.
Hat die Vergangenheit Fabienne eingeholt? Vor acht Jahren gründete sie zusammen mit zwei Freundinnen die Band Girls to Girls; ihre Eltern, Silvia (48) und Joseph (55) Louves, unterzeichneten im Namen der damals 13-Jährigen einen mehrjährigen Produktionsvertrag mit Take Off Music in Zug.
Ablösesumme nicht bezahlt
«Wir haben sehr viel Geld, Herzblut und Zeit in die Band investiert – mehrere Singles und ein Album produziert», sagt Take-Off-Music-Berater Hape Schuwey (55). «Als der Erfolg kam, wollten sich die Girls von uns trennen.»
Daniel Schwab (54), Besitzer der Produktionsfirma, erklärte sich 2001 bereit, den Vertrag gegen Zahlung von 5000 Franken aufzulösen. «Leider haben sie uns die vertraglich festgelegte Summe trotz mehrfacher schriftlicher Mahnungen nie bezahlt – und es auch nicht für nötig gehalten, mit uns zu reden.» Fabienne oder ihre Eltern hätten die Gegenleistung für die Auflösung des Vertrages nie erbracht.
Beim Schweizer Fernsehen ist man von dieser Nachricht überrascht. «Von den Verträgen haben wir keine Kenntnis und auch noch nie etwas von dieser Firma gehört», sagt SF-Sprecher Urs Durrer (36). Erbt nun die Zweitplatzierte Sandra Wild den «MusicStar»-Titel? Durrer: «Wir gehen davon aus, dass sich Fabienne und ihre neue Plattenfirma SonyMusic in den nächsten Tagen mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen und die Sache regeln.» Schuwey und Schwab haben inzwischen Anwälte eingeschaltet. «Wir möchten Fabienne nicht im Wege stehen, doch wofür macht man Verträge? Für uns ist die Angelegenheit erst vom Tisch, wenn die Schulden an Take Off Music bezahlt sind.»
SonntagsBlick erreichte Fabienne Louves während ihres grossen Empfangs in Emmen LU. Sie sagt nicht viel zu den Vorwürfen. Nur dies: «Ich finde es sehr schade und hoffe, es kommt alles gut. Denn ich möchte mich jetzt voll auf meine Arbeit konzentrieren.»
«Wofür macht man Verträge?»: Hape Schuwey (l.) und Daniel Schwab von Take Off Music mit dem CD-Produktionsvertrag, den Fabiennes Eltern vor acht Jahren unterzeichneten.- Foto: Miriam Künzli