Das sagen Ausländer in der Schweiz zur Durchsetzungs-Initiative: «Wer Probleme macht, soll zurück»

Sie leben seit Jahren in der Schweiz. Sind integriert. Gehen einer Arbeit nach. Haben teils eine Familie gegründet. Doch eines dürfen die Ausländer bei uns ohne Schweizer Pass nicht: Abstimmen. Im BLICK dürfen sie dafür ihre Meinung sagen. Zu ihren kriminellen Landsleuten im Land. Und zur Durchsetzungs-Initiative der SVP, über die das Schweizer Volk am 28. Februar abstimmt.

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Sie leben seit Jahren in der Schweiz, sind integriert. Arbeiten. Haben zum Teil hier eine Familie gegründet. Doch eines dürfen Ausländer bei uns nicht: abstimmen.

Dafür dürfen sie im BLICK ihre Meinung sagen zu kriminellen Landsleuten im Land. Und zur Durchsetzungs-Initiative der SVP, über die das Schweizer Volk am 28. Februar abstimmt. Sie will mehr straffällige Ausländer ausschaffen.

Auf dem Parkplatz eines Discounters in Rothrist AG waren die Meinungen gemacht, als BLICK gestern Ausländer zur Initiative befragte. «Könnten wir abstimmen, wir würden Ja sagen!», ist der einhellige Tenor.

Ein Mann kommt besonders in Fahrt. Der Jamaikaner Jerome Ricketts (35). Er lebt seit elf Jahren hier. «Nicht nur die Schweizer sind wegen der kriminellen Ausländer geplagt», sagt der Arbeiter aus Langenthal BE. «Auch wir Ausländer, die sich anständig benehmen.» Seine Hautfarbe macht es ihm nicht leichter. Ricketts nennt zwei Beispiele: «In der Disco werde ich oft nach Drogen gefragt. Oder Leute verriegeln ihre Autotüre – nur, weil ich gerade vorbeigehe.» Dabei wolle er hier nur eines: «Ein ganz normales Leben führen.»

Dies kann auch das italienische Ehepaar Maria (68) und Antonio Esposito (66) aus Rothrist AG nicht mehr so wie früher. «Die Angst ist gewachsen», sagen die Rentner, die schon seit 52 Jahren in der Schweiz leben. «Seit ein paar Jahren fühlen wir uns nicht einmal mehr zu Hause sicher vor Kriminellen.»

Immer unwohler wird es auch dem Tibeter Tashi Senge (45) aus Oftringen AG. Er ist seit 20 Jahren in der Schweiz: «So schlimm wie derzeit war es hier noch nie mit kriminellen Ausländern.» Und oft würden nach einem Delikt leider gleich alle Landsleute in denselben Topf geworfen.

Der Ungare Istwan Gasbar (44) findet noch deutlichere Worte: «Wer Probleme macht, soll zurück.» Aber auch junge Frauen und Mütter sind sich einig: «Die Schweiz wird immer unsicherer.» Oder: «Kriminelle Ausländer sollen in ihrem Heimatland kriminell sein. Dort gibt es auch die härteren Gesetze.» Der Portugiese Daniel Ramos (24) spiegelt die Meinung aller Befragten wider für den Fall, dass die SVP-Initiative angenommen würde: «Ausländer, die sich in der Schweiz anständig benehmen, müssen ja sowieso keine Angst haben, dass sie ausgeschafft werden.»

Publiziert am 06.02.2016 | Aktualisiert am 07.02.2016
Das meint Blick: Andreas Dietrich, Stv. Chefredaktor

 Die Ernte des Misstrauens

Kein Mensch kommt als Ausländer auf die Welt. Man wird es erst durch das Schicksal. Weil man seine Heimat verlassen will. Oder muss. «Ausländer» ist kein selbstbestimmter Begriff. Die anderen nennen einen so. Es ist auch ein Kampfbegriff.

Ausländer zu sein, ist die einzige Gemeinsamkeit, die die unterschiedlichen Menschen verbindet, die wir hier zur Durchsetzungs-Initiative befragt haben. Es erklärt auch, warum sie mehrheitlich gleicher Meinung sind und Ja stimmen würden, wenn sie dürften. Sie leiden darunter, wenn andere Ausländer kriminell sind. Leute, mit denen sie nichts zu tun haben.

Dass sie sich überhaupt abgrenzen müssen, weil sie als Ausländer unter Generalverdacht stehen – das haben sie zum grossen Teil der SVP zu verdanken. Sie bewirtschaftet das Thema seit Jahren aggressiv. Das ist die politische Perversion in dieser Debatte: Die SVP erntet von Ausländern Unterstützung für die Verachtung, die sie gegenüber Ausländern schürt.

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24 Kommentare
  • Baron  Zu Schartenfluh , via Facebook 08.02.2016
    Wenn sogar integrierte „Ausländer“ solche Aussagen machen, ist dies ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass unsere Regierung endlich handeln muss. Ich habe den Eindruck, dass es hier bei den linksgerichteten Parteien lediglich darum geht, auf Tutti gegen die SVP zu wirken - und dies ohne jegliches Interesse an deren Sachverhalt. Ich bin weder Grün noch SVP, aber diesmal werde ich ein JA betreffend DI in die Urne legen.
  • Alexander  Romero aus Zürich
    07.02.2016
    Die AI und DSI verhindert keine einzige Straftat von Ausländern, geschweige erst recht nicht von Kriminaltouristen, sondern könnte es noch fördern wenn perspektivlose Ausgeschafte als Rache als Kriminaltouristen zurückkommen. Auch werden nicht weniger Ausländer in Schweizer Gefängnissen und die Kosten senken sondern mehr Kosten verursachen. Die Fremdenfeindlichkeit wird dadurch nicht gedämpft sondern bleibt im Köcher.
  • Markus  von Gunten aus Bern
    06.02.2016
    Wer Verantwortung für ehrliche Asylanten übernehmen will, muss schauen, dass das System nicht missbraucht wird. Sonst schwindet fie Akzeptanz und das trifft dann genau die Falschen.
  • Susanne  Reich 06.02.2016
    Da muss gar nichts geschürt werden, nur sollten ein paar - speziell Politiker - mal ihren Filter entsorgen, durch welchen sie die Situation in der Schweiz sehen. Die Wahrheit ändert sich durch verleugnen nicht und gemacht wird auf diese Weise auch nichts. Wie lange wollen Sie noch warten liebe Politiker?
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    06.02.2016
    Treffender Kommentar von Andreas Dietrich, besser könnte man es nicht schreiben. Wenn diejenigen Ausländer und auch eingebürgerte Secondos, die für die Durchsetzungsinitiative sind, wüssten, dass sie abhängig von der Deliktreihenfolge plötzlich selbst ausgewiesen werden können..... Was merkwürdig ist und was die SVP gar nicht erwähnt: Ausländer oder eingebürgerte Secondos, die sich Finanzdelikten, darunter auch z.B. Sozialhilfebetrug, schuldig machen, dürfen bleiben. Wie blöd ist das denn....