Das meint BLICK zum Ende des Schreckensjahrs 2016 Das Gute braucht uns!

Kriege, Terror, Katastrophen – 2016 war ein Schreckensjahr. Hört das Sperrfeuer des Negativen denn nie auf? Müssen wir uns vor der Zukunft fürchten? Angst hilft nicht weiter. Der Wohlstand verpflichtet uns zu pragmatischer Zuversicht.

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Das Bild, das die Welt bewegt hat: Der fünfjährige Omran in einer Ambulanz im syrischen Aleppo, nach einem Luftangriff im August 2016. Anadolu Agency

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Andreas Dietrich ist stv. Chefredaktor des BLICK. Shane Wilkinson

Die Wirklichkeit kennt kein Erbarmen mit der Sehnsucht des Menschen. «Ich wünsche mir, dass unser Land wieder so wie vorher wird.» Diesen Satz sagte kürzlich eine Syrerin, die seit Jahren in der Schweiz lebt. Sie wünscht sich Assad zurück und mit ihm ihr früheres Leben. Dabei hat es den guten Herrscher ihrer Erinnerung nie gegeben. Baschar al-Assad war ein Sicherheitsgarant für wenige, aber er ist ein Fluch für viele. Erst recht wird es ihre Heimat «so wie vorher» nie mehr geben. 

Das syrische Leid, die geopolitischen Folgen und die einhergehenden Flüchtlingsdramen gehören zum Schwarz, das dieses Jahr so dunkel gefärbt hat. Kriege, Terror, Tragödien, Katastrophen überall. Dazu verhärtete Fronten und Anstandsvergessenheit im eigenen Land. 2016 – ein Schreckensjahr. 

Als solches wurde freilich schon 2015 bezeichnet und manches Jahr zuvor. Die Queen nannte, vornehm auf Lateinisch, das Jahr 1992 ein «annus horribilis». Aus eher banalen Gründen wie den üblichen Zerwürfnissen in solchen Familien und einem Brand auf Schloss Windsor. Was schrecklich ist, bestimmt immer auch der persönliche Massstab.

Verklären, dramatisieren, fürchten

Dennoch gibt es eine gemeinsame Wahrnehmung. Schreckensjahr 2016. Nun hoffen wir alle, dass das Sperrfeuer des Negativen allein durch den Datumswechsel aufhört. Und wissen, dass das eine naive Vorstellung ist. Kinder halten die Hände vor die Augen und meinen, man sehe sie nicht. 

Wir haben den Hang, die Vergangenheit zu verklären, die Gegenwart zu dramatisieren und die Zukunft zu fürchten. 

Müssen wir die Zukunft fürchten? Ja, wenn es etwa darum geht, ob als Märtyrer verbrämte Kalifat-Killer 2017 weiter morden. Versager auf Erden, Helden im Himmel. Solange der Islam gescheiterten jungen Männern freie Fahrt ins Jungfrauen-Bordell offeriert; solange eine Religion Minderwertigkeitskomplexe mit gewalttätigem Überlegenheitswahn kompensiert; solange aufgeklärte Muslime ohne Einfluss und Durchschlagskraft sind – so lange wird die Niedertracht im Namen von etwas Höherem ihr Leid verbreiten. 

Wutbürger sind zu faul, Mutbürger zu sein

Müssen wir die Zukunft fürchten? Vielleicht. Trump, Putin, Erdogan, Le Pen gehören zu den Mächtigen, die absehbar das neue Jahr prägen werden. Hoffnungsträger sind sie für jene, die sich nach dem «so wie vorher» sehnen, nach dem «great again». Für die andern sind sie Horrorgestalten. 

Und trotzdem: Zukunft ist nicht dazu da, sich vor ihr zu fürchten. Der Mensch hat im Unterschied zu anderen Lebewesen die Fähigkeit, sich Zukunft überhaupt vorzustellen. Und was man sich vorstellen kann, kann man auch beeinflussen.   

In der Schweiz können wir das in besonderem Mass tun. Wir haben die individuellen Freiheiten, so zu leben, wie wir wollen. In einem Staat, dessen Funktionieren wir wesentlich mitbestimmen. In einem Wohlstand, der Entfaltung ermöglicht. Wer in der Schweiz ein frustrierter Wutbürger ist, ist zu feige oder zu faul, ein Mutbürger zu sein.

Das Gute kommt nicht von selbst

Klar, wer im Wohlstand lebt, bangt stets darum, ihn zu verlieren oder davon abgeben zu müssen. Doch Wohlstand ist, wenn man sich das Privileg vor Augen führt, eine Verpflichtung zu Optimismus. Wer soll an das Bessere glauben und befreit von materiellen Nöten sich dafür einsetzen, wenn nicht die, denen es gut geht?

Mit Optimismus ist nicht gefühliger Zukunftsglaube gemeint. Aber pragmatische Zuversicht könnte eine passende Haltung für 2017 sein. Sie will nicht zurück zum «so wie vorher», sieht die Gegenwart nicht als Jammertal und erstarrt nicht vor dem Neuen. Im besten Fall trägt sie dazu bei, das Neue zum Besseren zu formen.

Schlimme Ereignisse kommen von allein. Für gute muss man selbst etwas tun. 

Publiziert am 31.12.2016 | Aktualisiert am 01.01.2017
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9 Kommentare
  • Edi  Rey aus Romanshorn
    31.12.2016
    Und erstarrt nicht vor dem Neuen. Wie wahr, versuchen wir es doch im kommenden Jahr mit etwas weniger Angst in unserm Land. Das wär schon ein sehr guterAnfang.
  • Sarah  Keller 31.12.2016
    Das Gute braucht uns? Wohl kaum. Wir brauchen das Gute. Und die Einsicht zu erkennen, was das ist - für andere wie auch uns. Und die Verantwortung, nötigenfalls dagegenzuhalten, wenn wir merken, dass das Gute immer ferner rückt. Und den Mut, auch unliebsame Dinge zu benennen. Und die Konsequenz, nötige Korrekturen einzuleiten. Und die Freiheit, nicht dafür verurteilt zu werden.

    Von Herzen allen gute Gesundheit! Und viele Momente des Glücks und der Zufriedenheit im 2017!
  • Jan  Berger 31.12.2016
    War ja absehbar, dass an dieser Stelle - wie schon letztes Jahr - ein Vertreter der Zivilgesellschaft auf den Wutbürger eindreschen würde. Nur: Das Eis wird immer dünner. Für die Zivilgesellschaft. 2016 war kein gutes Jahr für sie, das ist schon richtig. Hat sie doch gewaltig Federn lassen müssen. Die Ereignisse verbieten es ihr, länger die einzige moralische Kraft zu spielen. Das ist gut so, denn wenn die Zivilgesellschaft nicht Recht behalten hat, relativiert das immer auch den Wutbürger.
  • Dracomir  Pires aus Bern
    31.12.2016
    Das Gute braucht uns! Wer ist "uns"? Ist dies die Regierung, welche das Volk in die EU nötigen will und Volksentscheide vernichtet? Oder ist damit das Volk gemeint, welchem ein schlechtes Gewissen eingeredet und mit moslemischen Wirtschaftsmigranten geflutet wird? Wie auch immer: Die Schweiz hatte nie Kolonien, hat keine Kriege angezettelt und braucht deshalb keine einzige Person zu importieren.
    • Martin  Arnold aus Derendingen
      31.12.2016
      Nein Herr Pires, wir können unsere Hände nicht in Unschuld waschen! Wir hängen da voll mit drin. Nach wie vor Despoten Gelder auf unseren Banken, Multis die den Entwicklungsländern die Lebensgrundlagen entziehen und mit Sprüchen: Jeder Mensch hat Anrecht auf Wasser! teuer wieder verkaufen! Rohstoffmultis die diese Völker auf ausbeutet und bestielt. Kriegsmaterial das in diese Regionen exportiert wird! Das alles erzeugt Steuergeld von dem wir alle profitieren!!
  • Hans  Scheidegger 31.12.2016
    Vom Allgemeinen zum Persönlichen:
    Die oben beschriebenen tatsächlichen und möglichen kritischen Situationen weltweit verschütten ebenso wie der tägliche Stress und Druck des Alltages oft die Frage nach der persönlichen Sinn-Erfüllung. Niemand weiss, was Morgen ist. Daher gilt es im Rahmen der eigenen Möglichkeiten das zu verwirklichen, was einem wirklich am Herzen liegt. Denn das Leben ist die Uraufführung, nicht die Generalprobe. Vorbei ist vorbei.
    Allen ein zufriedenes, gesundes 2017!