Christine Aeschbacher (64) putzt, kocht und serviert in ihrer Beiz in Zofingen AG ganz alleine Dieser Wirtin reicht keiner das Wasser

ZOFINGEN AG - Im Alter faul zu Hause sitzen und nur von der AHV leben? Das ist nichts für Christine Aeschbacher (64). Die Wirtin aus Zofingen arbeitet sieben Tage die Woche und schmeisst ihre kleine Beiz ganz alleine. Und wehe, wenn ihr jemand Trinkgeld geben will.

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Von ihr könnte sich so mancher Gastronom eine Scheibe abschneiden: Christine Aeschbacher (64) ist Pächterin des Bistro am Tych in Zofingen AG und schmeisst den ganzen Laden alleine. Sie kocht, serviert und putzt – und ist immer bescheiden. «Aber das ist doch nicht der Rede wert», findet sie.

Ihre Stammgäste sehen das anders. Sie finden es mehr als beeindruckend, wie die Wirtin ihre riesigen Portionen in der Mini-Küche zubereitet. «Mit einer Freude, die ich so noch nie erlebt habe», sagt Stammgast Fredy Portmann (74). 

Gratiskafi

«Und zum Menü gibt es Suppe oder Salat und am Ende einen Gratiskafi.» Und das für schlappe 15.50 Franken für das Menü oder sogar nur 13.50 Franken für den Wochenhit. Aeschbacher will nicht mal Trinkgeld. Sie nimmt es nur, wenn der Gast darauf besteht. Und auch dann rundet sie nur auf den nächsten Franken auf. «Es geht mir nicht ums Geld», sagt die Wirtin. Seit November letzten Jahres bekommt sie AHV und sagt, sie führe das schmucke Beizli «als Hobby im Alter». 

«Daheim würde es mir langweilig werden. Und ich würde älter und wohl krank.»

Die gelernte Servicefachangestellte arbeitet seit 1969 im Gastgewerbe und hat schon Beizen in Zofingen, Olten SO und Bern geführt. Ihre Highlights: spezielle Glacé-Coupes und spassige Wettbewerbe. Chris­tine Aeschbacher behält selbst dann die Fassung, wenn plötzlich mehr Gäste als sonst in ihrer Beiz mit 70 Plätzen auftauchen: «Dann muss ich halt 90 Minuten Vollgas geben.»

«Ich bin zufrieden, wenn meine Gäste zufrieden sind»

Am Nachmittag kommen oft Gäste zum Jassen. Nach Feierabend um 18 Uhr muss sie auch noch aufräumen und putzen – sieben Tage die Woche. Was gönnt sich die Wirtin bei all der Arbeit selbst? «Nichts. Mir reicht jeden Morgen ein feines Gipfeli. Ich bin zufrieden, wenn meine Gäste zufrieden sind.»

Publiziert am 30.10.2016 | Aktualisiert am 16.11.2016
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14 Kommentare
  • Toni  Brunner aus Dasmarinas/Cavite/Philippines
    31.10.2016
    Als ich "Bistro" las, dachte ich, ja gut das werden vielleicht 20-25 Plätze sein. Aber ein Restaurant mit 70! Plätzen... mein lieber Schwan.
    Die Dame hats aber drauf, wenn sie da Koch, Service und Putzfrau in Personalunion ist.
    Ich hoffe, nach dieser Gratisreklame kommt sie nicht plötzlich an ihre Grenzen. Da dürfte das Bistro wohl häufiger bis auf den letzten Platz gefüllt sein.
    Ein guter Gastwirt zu sein, kann man übrigens nicht lernen, das muss man einfach in den Genen haben.
  • Roland  Mumenthaler aus Lima
    31.10.2016
    Wenn ich das naechste mal in die CH komme werde ich dieses Bistro und Frau Aebischer besuchen. Bin auch 75 und arbeite immer noch mit viel Freude und reise in der Welt rum, weil meine Kunden meine Kenntnisse immer noch brauchen und das finde ich schoen. Meine Familie hat sich dran gewoehnt und nimmt daran Teil.
  • Peter  Leo 30.10.2016
    Die heutige Generation kann das wohl nicht mehr nachvollziehen. Früher war jede Hand gefragt. Meist Kleinbauern, viele Kinder, der Vater arbeitete vielleicht zu einem Hungerlohn auswärts. Die Kinder mussten anpacken, sobald sie dazu in der Lage waren. Das prägte die Menschen. Wen wunderts, dass für diese Leute sinnvolle Arbeit die beste Seelenhygiene ist. Vielleicht kann diese Wirtin besser rechnen als jene, die ständig jammern, es reiche zu nichts.
  • Betty  Rüdisüli 30.10.2016
    Was sich im ersten Moment so toll anhört, macht im zweiten eher nachdenklich. Wenn man im Alter SIEBEN Tage die Woche arbeiten WILL, dann hat man sonst nichts im Leben. Aber ja, wer dann noch immer Daheim sitzt, wird schnell krank und depressiv, daher macht sie das schon richtig.
  • Thomas  Zürcher 30.10.2016
    Viele die ihren Job als einzigen Lebensinhalt sehen die ihre Familie, Freunde, Freizeit und schlussendlich ihre Gesundheit opfern für sie bedeutet ihr Job nicht das halbe, sondern das ganze Leben.Natürlich bringt ihnen das viel Anerkennung und Lob ein aber ist das der Sinn des Lebens.
    • Andreas  Eberli 30.10.2016
      Für die Mehrheit der Schweizer anscheinend schon...In fast allen anderen Ländern ist es umgekehrt. Dort ist man froh, wenn man so früh wie möglich pensioniert wird!
    • Marcel  Stierli aus Mérida, México
      30.10.2016
      In einem ganz kleinen Teil der Welt ist das so...im Rest der Welt arbeitet man solange man kann Herr Eberli weil es schlicht nicht anders geht