China macht per Internet Jagd auf Tibeter

  • Publiziert: 21.03.2008, Aktualisiert: 12.02.2012

PEKING – Erstmals gab China zu, das Feuer auf tibetische Demonstranten eröffnet zu haben. Gleichzeitig veröffentlichten die Behörden Fahndungsfotos von tibetischen «Randalierern».

Auf Websites wie sina.com waren am Karfreitag Fotos von 19 Demonstranten zu sehen, die während der Proteste in Lhasa eine Woche zuvor aufgenommen worden waren. Den Fotos ist der Aufruf beigefügt, der Polizei Hinweise über den Aufenthaltsort der Verdächtigen zu liefern.

Die staatliche Zeitung «Tibet Daily» berichtete, zwei der ursprünglich 21 Gesuchten seien bereits festgenommen worden. Die Behörden hatten die 21 Haftbefehle ausgestellt, nachdem ihr Ultimatum an Randalierer, sie sollten sich stellen, in der Nacht zu Dienstag abgelaufen war.

Die chinesischen Behörden hatten am Donnerstag die Festnahme von 24 Verdächtigen bekanntgegeben. Weitere 170 Menschen hatten sich demnach wegen ihrer Teilnahme an den anti-chinesischen Protesten gestellt.

Schusswaffengebrauch der Polizei zugegeben

Ausserdem hat die chinesische Polizei erstmals zugegeben, dass sie im Verlauf der blutigen Unruhen in von Tibetern bewohnten Gebieten auf Demonstranten geschossen hat.

Demnach hätten Polizisten bei Unruhen am vergangenen Sonntag im Bezirk Aba der Provinz Sichuan aus «Notwehr» das Feuer eröffnet. China hatte den Einsatz von Schusswaffen zuvor mehrmals offiziell bestritten.

Schon hundert Tote?

Ein Sprecher des Aussenministeriums hatte noch gestern Donnerstag beteuert, dass keine tödlichen Waffen eingesetzt worden seien. Diese Äusserung habe sich auf die tibetische Hauptstadt Lhasa bezogen, hiess es später.

Nach amtlichen chinesischen Angaben waren bei den Protesten in Lhasa 13 Menschen ums Leben gekommen, wobei es sich ausschliesslich um «unschuldige Zivilisten» gehandelt habe. Die Sicherheitskräfte hätten keine Demonstranten getötet. Die tibetische Exilregierung sprach von rund hundert Toten. (SDA/bih)


Calmy-Rey schreibt chinesischer Regierung

BERN – Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat in einem Brief an ihren chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi «tiefe Besorgnis» über die Lage in Tibet geäussert. Sie erwähnte auch die Beschädigung von chinesischen Konsulaten in der Schweiz.

Die kleinen Schäden entstanden am Rande von Demonstrationen gegen die Unterdrückung der Tibeter durch China – insbesondere am vergangenen Samstag in Zürich, als einige Steine flogen.

Calmy-Rey drückte ihr Bedauern aus und versicherte Peking, dass Geldforderungen wegen allfälliger Reparaturarbeiten «sorgfältig» geprüft würden. China habe bereits eine entsprechende Forderung gestellt, erklärte Jean-Philippe Jeannerat, Mediensprecher beim Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Freitag.

In ihrem Brief habe die Aussenministerin betont, dass die Ereignisse in Tibet bei der Schweizer Bevölkerung «starke Gefühle» ausgelöst hätten. Bern verurteilt die Gewalt gegen Demonstranten und ruft China dazu auf, die Menschenrechte zu achten.
play 21 Haftbefehle, 21 Fotos auf chinesischen Websites: China sucht per Internet Demonstranten während es YouTube und andere Websites für sein Bürger zensiert. (Screenshot sina.com)

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