Cendrim R. verübte in der Türkei einen Anschlag: Prozess gegen Schweizer Dschihadisten erneut vertagt

Cendrim R. aus Brugg AG verübte in der Türkei einen Anschlag. Doch der Prozess wirft viele Fragen auf und gibt keine Antworten.

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Am Mittwoch musste sich Cendrim R.* (24) vor dem Richter verantworten, wieder einmal. Der Albaner, der in Brugg AG aufwuchs und dessen Familie dort noch immer lebt, hatte sich der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen und im März 2014 einen Anschlag auf eine Polizeikontrolle in der Türkei verübt.

Der Prozess in Nigde ist die bisher einzige juristische Aufarbeitung von IS-Terroranschlägen in der Türkei. Weil dabei Beamte starben, gilt er als politisch hochsensibel. Mehrmals wurde die Verhandlung gegen Cendrim R. und seine beiden Komplizen, den Berliner Halbchinesen Benjamin Xu und den Mazedonier Muhammad Zakiri, bereits vertagt. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslängliche Haftstrafen wegen mehrfachen Mordes. Am Mittwoch sollte das abschliessende Urteil fallen.

Doch die Verhandlung wurde erneut vertagt, neuer Termin ist –türkischen Medienberichten zufolge – der 17. März. Zur Begründung nannte das Gericht der Provinz Nigde, dass notwendige Expertengutachten noch nicht vorlägen. Die drei Angeklagten waren wie bei den früheren vier Prozessterminen wieder nicht persönlich im Gerichtssaal erschienen, sondern wurden per Video zugeschaltet. Erstmals waren sie zwar zu sehen – allerdings sassen sie nur stumm da.

Prozessbeobachter fragen sich, ob die Beschuldigten überhaupt noch im Hochsicherheitsgefängnis in Ankara seien – oder ob sie gegen türkische IS-Geiseln ausgetauscht und wieder in Syrien seien. «Die Zweifel sind nicht ausgeräumt», sagt der Gerichtsreporter Serkan Saglam von der türkischen Zeitung «Zaman», «diesmal waren die drei zwar zu sehen, aber sie antworteten auf keine einzige Frage und zeigten auch keinerlei Reaktion auf die Fragen, als ob sie sie gar nicht hörten.»

Und das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit in dem Prozess: Es wurden auch fünf Richter ausgewechselt, wichtige Zeugen nicht vorgeladen und ein Verhandlungstermin wegen der «heiklen Situation» einer nahenden Parlamentswahl gestrichen. Der Verlauf des ersten IS-Prozesses in der Türkei lege den Verdacht nahe, dass das Justizsystem die Aufklärung behindere und absichtlich verzögere, schrieb das auf den Nahen Osten spezialisierte US-Onlinemagazin «Al-Monitor». Denn dabei könnte ans Licht kommen, wie unbehelligt die Terrornetzwerke in der Türkei agieren.

Publiziert am 24.01.2016 | Aktualisiert am 11.05.2016
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