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Sie kam 20 Minuten vor Beginn der historischen Delegiertenversammlung. Zu Fuss die Süsswinkel-Gasse hinauf. Wie eine «normale» Delegierte.
«Hoi, Eveline!» – «Ciao, Eveline!» 350 Delegierte und Gäste sind in den Churer Marsoel-Saal gekommen. Auch ihr Mann Christoph und ihr Vater, alt Bundsrat Leon Schlumpf. Händeschütteln rundherum. Sie begrüsst, wen sie nur kann.
Wie sind Ihre Gefühle, Frau Bundesrätin? «Speziell!», lautet die Antwort. Aber es werde schon gut kommen.
Und es kommt gut: Um 21.25 Uhr eine Standing Ovation für die eigene Bundesrätin. Nachdem sie sich erklärt hat. 20 Minuten lang, detailliert, auch über die Kontakte mit SP-Nationalrat Andrea Hämmerle.
Die drei Kernaussagen von Widmer-Schlumpf: «Ich wurde von der Wahl selber überrascht.» «Ich habe mich mit niemandem hinter dem Rücken der SVP abgesprochen.»
«Ich habe niemanden hintergangen und niemanden im falschen Glauben gelassen.»
Nach ihrer Rede verlässt die SVP-Bundesrätin den Saal. Wieder steht der überwiegende Teil der Delegierten auf und verabschiedet sie mit minutenlangem Beifall.
Danach diskutieren die SVP-Delegierten die Ereignisse und die Forderungen der nationalen Partei ausführlich und engagiert. Es melden sich auch Hardliner der Zürcher SVP-Linie und Vertreter der Widmer-feindlichen Jungen SVP zu Wort.
Dann wird konsultativ über die Haltung der Parteileitung abgestimmt, Widmer-Schlumpf nicht aus der Partei auszuschliessen. Das Resultat ist mehr als klar: 163 zu 0, bei einigen Enthaltungen. Die Parteileitung wird aufgefordert, zu einer einvernehmlichen Lösung mit der Schweizer SVP zu kommen, aber ohne faule Kompromisse.
Die ganze Angelegenheit nimmt auch bizarre Züge an: Die nationale SVP will eine Kantonalpartei rauswerfen, die gestern mit 162 zu 9 Stimmen die Ja-Parole für die SVP-Einbürgerungsinitiative gefasst hat.
Was halten Sie von der Entscheidung, Widmer-Schlumpf in der Partei zu behalten?