Blutrausch wegen Killergames?

  • Publiziert: 04.12.2007, Aktualisiert: 12.02.2012
  • von reda el arbi

ZÜRICH. Computerspiele mit brutalem Inhalt sollen verboten werden: Das fordert eine Standesinitiative. Ist das sinnvoll? heute hat bei einem Game-Fachmann und einem Medien-Psychologen nachgefragt.

Nach dem brutalen Tötungsdelikt von Höngg steht wieder ein Verbot von Killerspielen zur Debatte. Der Berner SP-Grossrat Roland Näf-Piera will mit einer Standesinitiative ein «Verbot der Herstellung, des Anpreisens, der Einfuhr, des Verkaufs und der Weitergabe von Spielprogrammen mit grausamen Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen» erreichen.

Näf-Piera hält verbindliche Altersbeschränkungen wie die PEGI (siehe «Gut zu wissen») für ein ungenügendes Mittel, um Kinder vor Gewaltspielen zu schützen: «Jugendliche setzen sich ja auch über das Alkohol- oder Tabak-Abgabeverbot hinweg.»

Der Konsum von gewaltverherrlichenden Spielen sei noch schlechter zu kontrollieren, da Spiele virtuell verfügbar seien. «Deshalb müssen sie ganz verboten werden.»

«Verbote nützen nichts»

Anderer Meinung ist Martin Steiner, Experte bei Gameradar von Ringier: «Verbote von gewalttätigen Inhalten haben schon bei anderen Medien wie Porno- und Splatterfilmen keinen Sinn gemacht.»

Steiner ist überzeugt: «Erst die Auseinandersetzung mit problematischen Inhalten führt zu einem vernünftigen Umgang. Eltern, Lehrer und Anbieter müssen ihre Verantwortung wahrnehmen.»

«Eltern in der Pflicht»

Ähnlicher Meinung ist Daniel Süss. Auch der Privatdozent für Publizistikwissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Zürich fordert eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Computerspiele: «Ein Verbot bringt wenig, es führt nur zur Tabuisierung und macht extreme Spiele erst attraktiv. Vielmehr sollten die bereits bestehenden Gesetze konsequent angewendet werden.»

Daniel Süss will, das Erziehungsberechtigte mehr in die Pflicht genommen werden. «Spielen wird erst dann gefährlich, wenn Spielende schon in einem gewaltorientierten Umfeld leben», sagt er.
Roland Näf-Piera hingegen glaubt: «Die Wiederholung des Tötungsvorgangs als Erfolgserlebnis senkt die Hemmungen.»

Ob die Initiative etwas verändert, ist noch nicht entschieden. Bei Vorstössen zum gleichen Thema wurde bisher auf die bestehende Gesetzgebung und die Pflicht der Kantone verwiesen, Verstössen nachzugehen.

Video: Gewalt in F.E.A.R.

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News

Sollen Killerspiele verboten werden?»

  • 8,4% Ja, das fördert die reale Gewalt!
  • 77,1% Nein, so kann man sich abreagieren, bevor man seinem Chef eine reinhaut.
  • 14,5% Egal, online sind sie sowieso erhältlich.