Betrugsvorwürfe um Ebola-Impfstoff: Erleichterte sie Schweizer Kleinanleger um 60 Mio?

ZUG - In ihrer Heimat Ungarn zeigt sich Melanie F.* (44) gerne mit Weltstars. In der Schweiz ermittelt der Staatsanwalt gegen die ehemalige Geschäftsführerin eines Zuger Pharmaunternehmens.

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Auf ihrer Homepage bezeichnet sich AmVac als «einer der herausragenden Player im internationalen Impfstoff-Sektor». Man forsche an den «innovativsten und fortgeschrittensten» Produkten auf diesem Gebiet.

Grosse Worte. Doch die Firma ist in Liquidation. Der Einzelrichter eröffnete kürzlich den Konkurs. Die Zuger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gewerbsmässigem Betrug. Was ist passiert?

Hartnäckig kontaktierte eine Zürcher Beratungsfirma über die letzten Jahre potenzielle Anleger. «Ich habe jede Woche einen Anruf bekommen. Jedes Mal habe ich gesagt, dass ich kein Interesse habe», schreibt einer im Internet.
Andere stiegen auf die Deals ein. Zu verlockend klangen die Prognosen. Die Vermittler erzählten am Telefon, dass Novartis die AmVac bald übernehme. Oder der Börsengang der Firma kurz bevorstehe.

«Vielversprechender Ebola-Impfstoff»

Skeptiker informierten sich im Internet, bevor sie Aktien kauften. Dort fanden sie die tadellose Webseite. Oder überschwängliche Medienmitteilungen. In einer heisst es, man forsche «an einem vielversprechenden Ebola-Impfstoff».

Letzte Zweifel beseitigte offenbar ein Video auf Youtube und Facebook. Der Chefentwickler von AmVac erklärt im weissen Kittel, er arbeite an Mitteln gegen Prostatitis oder schwere Atemwegserkrankungen. Und an einem Impfstoff gegen Vaginalinfektionen, «der hauptsächlich für Frauen gedacht ist».

Ein Experte bezeichnet das Video gegenüber SonntagsBlick als Realsatire. «Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, dass so eine Firma ihr Geschäft seriös betreibt.»

«Noch nie von dieser Firma gehört»

Professorin Claire-Anne Siegrist, Leiterin des Impfzentrums an den Genfer Universitätsspitälern, testet international einen Impfstoff gegen Ebola. Dass AmVac einen solchen in der Pipeline hat, hält sie für ein Gerücht. «Ich habe noch nie etwas von dieser Firma gehört.»

Laut Swissmedic ist in der Schweiz kein einziges Medikament von AmVac zugelassen. Zu einem Börsengang oder einer Übernahme durch Novartis kam es nie.

Die Anleger jedoch glaubten all dies. Sie kauften Aktien, die je nur einen Rappen wert sind. Laut Schilderungen im Internet waren sie gerne bereit, drei Franken dafür zu zahlen. Ein Aktionär schreibt, er habe das Geld direkt auf das Konto der Geschäftsführerin Melanie F.* (44) eingezahlt.

Schon wieder im Verwaltungsrat

Ein vermeintlich kleiner Gewinn für sie. Doch laut Handelsregister besass AmVac zuletzt 80 Millionen Anteile. Hätte die Firma jede Aktie für drei Franken weggebracht, wäre dies ein Gewinn von 240 Mil­lionen Franken.
Die Zuger Staats­anwaltschaft geht zurzeit von Ak­tienverkäufen zwischen 50 und 60 Millionen «durch eine Privatperson aus».

SonntagsBlick weiss: Bei dieser «Privatperson» handelt sich um Melanie F. In der Schweiz relativ unbekannt, trat sie in ihrer Heimat Ungarn schon am Fernsehen auf. Als Society-Lady zeigte sie sich mit Stars wie der Hotelerbin Paris Hilton (35) oder Schauspielerin Eva Longoria (41).

Der Verwaltungsrat der konkursiten AmVac möchte sich zu den Betrugsvorwürfen nicht äussern. F., für welche die Unschuldsvermutung gilt, war für eine Stellung­nahme nicht erreichbar.
Sie sitzt bereits im Verwaltungsrat einer anderen Zuger Firma. Das Start-up bietet eine App für Verliebte an. Es besitzt zehn Millionen Aktien zu je einem Rappen.

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 21.03.2016 | Aktualisiert am 21.03.2016
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5 Kommentare
  • Marco  Köhl aus Chur
    22.03.2016
    Schon wieder Ausländer wo in der Schweiz eine Firma mit Mil. Schulden in den Sand setzt. Trotz Pleite, Leben die Pleitiers weiter im gehobenen Still,wird dies ein neuer Schweizer Trend?.
  • Lukas  Penny aus Zürich
    22.03.2016
    Ich habe von guten Quellen gehört das der Besitzer von einer der Vermittlerfirmen soviel an dem Verkauf der Aktien verdient hat, das der Herr jetzt einen Lamborghini Aventador & Ferrari 488 gtb & Range Rover fährt.
    Die Firma ist pleite und andere Leute sind damit reich geworden.
    Sollten sich schämen nicht den ehrlichen und geraden Weg zu gehen!
    Man kann auch seriös Geld verdienen, nur braucht man dafür Intelligenz.

  • Marc  Hubertus , via Facebook 21.03.2016
    Die Aktien wurden mir CHF 2.50 von Salfried AG angeboten und im Internet waren sie mit 4.20 und gewertet von
    www.venture-plus.de/index.php?id=288,104
    Von Ebola war nie die Rede, jedoch von Versuchsphasen und deren Status, wie in Kürze Böresengang in 2014
  • William  Quispe aus Bellinzona
    21.03.2016
    Man kann heutzutage gar keine Rappen-Aktien mehr ausgeben. Der Mindestbetrag ist 10 Franken. Da sollte wohl jeder schlau genug sein, um das Ganze mal ernsthaft zu hinterfragen.
    • Rüdiger  Simpson aus Züri
      21.03.2016
      Wenn Sie schon einen Besserwisser-Kommentar abgeben, sollten Sie es auch besser wissen: Selbstverständlich können Aktien zu nominal einen Rappen ausgegeben werden, siehe (aktueller!) Artikel 622 Abs. 4 OR. Die CHF 10 stehen dort schon seit mehr als 10 Jahren nicht mehr drin...