Bergdrama: Alkohol nicht im Spiel

  • Publiziert: 18.07.2007, Aktualisiert: 12.02.2012

BERN. Nach Zeugenbefragungen wartet die Militärjustiz bei der Untersuchung des Bergunfalls an der Jungfrau nun auf erste Informationen der Lawinenexperten. Bereits abgeschlossen sind die Untersuchungen der Rechtsmedizin.

Alkohol oder Drogen waren demnach beim Unfall mit sechs Toten nicht im Spiel. Erste Informationen des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos würden Ende dieser Woche erwartet, sagte Martin Immenhauser, Sprecher der Militärjustiz, am Mittwoch auf Anfrage. Danach werde ein umfassender Fragekatalog für den Expertenbericht des Lawineninstituts erstellt. Von diesem Bericht erhofft sich die Militärjustiz wichtige Aufschlüsse über die Unglücksursache und die Frage, welchen Einfluss der Schneebrettniedergang am vergangenen Donnerstag für den Unfall hatte. Der Sprecher betonte, dass die Experten volle Akteneinsicht hätten. Umgekehrt unterstehen sie als Sachverständige jedoch dem Amtsgeheimnis.

Dass ein Schneebrett niedergegangen sei, sei ausser Zweifel, bestätigte Immenhauser und verwies auf die von der Kantonspolizei Bern im Auftrag des militärischen Untersuchungsrichters gemachten Fotografien. Fraglich sei hingegen auf Grund der Zeugenaussagen der ursächliche Zusammenhang zwischen Lawine und Unfall. «Das Bild wird zunehmend schärfer», sagte der Sprecher. Offen liess er die Frage, ob es sich um ein einzelnes Schneebrett oder um mehrere Abgänge gehandelt hatte.

Eine erste Runde von Befragungen der acht Überlebenden an der Unfallstelle sei abgeschlossen. Grundsätzlich werde die Militärjustiz alle Personen einvernehmen, die etwas zur Unglücksursache beitragen könnten. «Wir arbeiten so schnell wie möglich und so sorgfältig wie nötig», sagte der Sprecher des Untersuchungsrichters.

Der Bericht des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern liegt inzwischen vor. Es gebe keine Hinweise auf andere Einflüsse für den Unfall, sagte Immenhauser und fügte hinzu: «Weder Alkohol noch Drogen spielten eine Rolle.»

Einer der Überlebenden hatte am (gestrigen) Dienstag nach der Trauerfeier für seine sechs ums Leben gekommenen Kameraden erstmals öffentlich geschildert, wie er den Unfall erlebt hatte. Der 20-jährige Soldat hat demnach selber nichts von der Lawine mitbekommen. Vielmehr stürzte der vor ihm gehende Kamerad rückwärts auf ihn. Auch alle nach ihm aufsteigenden Soldaten seien zu Fall gekommen. Im Unterschied zu den zwei Dreierseilschaften an der Spitze, die direkt in die Falllinie stürzten, seien er und die sieben anderen Kameraden aber nach wenigen Metern zum Stillstand gekommen. (AP)

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