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Seit einer Woche wirbt Vanessa Grand auf Plakaten und Postkarten in der ganzen Schweiz für ein Nein zur 5. IV-Revision. Das Problem: Niemand hat sie gefragt! «Überall sehe ich dieses geschmacklose Foto von mir», klagt die Walliserin, die seit Geburt an einer Knochenerkrankung leidet und im Rollstuhl sitzt, seit sie denken kann.
Die Schockaktion des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) polarisiert das Land wie kaum eine Kampagne zuvor. Alle Behindertenorganisationen fanden sie gut – bisher. Das könnte sich jetzt ändern. Vanessa Grand: «Ich bin sehr traurig und wütend, dass man einfach den Kopf von Bundesrat Merz auf meinen Körper montiert hat – ohne mich vorher zu fragen. Was der Gewerkschaftsbund sich da erlaubt hat, ist eine Sauerei!»
Vanessa Grand will Klage einreichen
Mehr als 100 000 Postkarten hat der SGB bereits verteilt. Abgebildet sind unter anderen Bundesrat Pascal Couchepin (65) als Alkoholiker an der Bar, SVP-Präsident Ueli Maurer (56) als Einarmiger und Bundesrat Hans-Rudolf Merz (64) im Rollstuhl. Verantwortlich für die Fotomontagen ist SGB-Kampagnenleiter Pietro Cavadini (55). Er kenne Vanessa Grand nicht, antwortet er auf Fragen von SonntagsBlick, sein Grafiker habe die Fotos von einer Agentur erworben. Vanessa Grand: «Ich habe nie Fotos von mir für diese Kampagne freigegeben.»
Cavadini gibt sich unschuldig. «Mich erstaunt die Reaktion von Frau Grand, die Bilder sind doch alle so verändert, dass man die Personen nicht erkennen kann.» Vanessa Grand hält dagegen: «Stimmt nicht, ich wurde diese Woche dauernd darauf angesprochen.» Sie will sich diesen Missbrauch nicht gefallen lassen und Klage einreichen. «Ich verlange eine öffentliche Entschuldigung und Genugtuung.»
Ihre Chancen stehen gut. Der Berner Medienrechtler Franz A. Zölch (58): «Die Verwendung des Bildes verletzt ganz klar das Recht am eigenen Bild.» Der Grundsatz «Mein Körper gehört mir» gelte auch für die Abbildung von Teilen des Körpers. Zölch: «Vor allem dann, wenn sie erkannt und zugeordnet werden können.»