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NEAT-SCHOCK: Zu heiss im Tunnel

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Im Gotthard-Basistunnel ist das Gestein bis zu 55 Grad heiss – 10 Grad mehr als angenommen! Das halten die Klimaanlagen und die Technik der Züge nicht aus.

Im vertraulichen Teil des neusten NEAT-Standberichts steht: «Die Prognose der geologischen Felstemperatur für den Gotthard-Basistunnel in Zonen mit hoher Überdeckung musste bis zu 10 Grad Celsius nach oben korrigiert werden.»

Es ist der neuste NEAT-Schock, und er reiht sich in eine Reihe von Negativmeldungen ein: Kostenüberschreitung, zu enge Tunnelprofile, Streit um die Bauvergabe.

Der Luzerner SVP-Nationalrat Otto Laubacher (62), Präsident der NEAT-Aufsichtsdelegation, bestätigt die Recherchen von SonntagsBlick: «An der letzten Sitzung wurden wir informiert. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen.»

Ab 40 Grad wirds kritisch

Mit dem «Schlimmsten» meint Laubacher, dass die Züge im Tunnel zu überhitzen drohen. Denn sie arbeiten laut der «Berner Zeitung» nur bis 40 Grad Celsius störungsfrei. Wird es heisser, funktioniert die Elektronik der Loks nicht mehr richtig – und die Klimaanlagen der Wagen schalten sich aus. In den Zugabteilen würde es unzumutbar heiss.

Auch SBB-Benedikt Weibel (60) sprach das Problem vergangene Woche bei einer Veranstaltung in Brig VS an: «Der Fels ist heisser als angenommen – das schafft Probleme, deren Folgen noch nicht absehbar sind.»

Es drohen Mehrkosten

Für den Betrieb entscheidend ist nicht die Fels-, sondern die Lufttemperatur. Die ist wegen des Durchzugs etwas tiefer: gemäss Berechnung knapp unter den kritischen 40 Grad. Oliver Bratschi (44), Leiter Bahntechnik bei der Erbauerin Alptransit: «Wir haben die Simulation für die Lufttemperatur überarbeitet und sind zum Schluss gekommen, dass diese nur um bis zu zwei Grad höher ist als angenommen.» Er räumt aber ein, dass diese Berechnung «um mehrere Grade» abweichen kann: «Ganz sicher wissen wir es erst nach der Betriebsaufnahme.» Also frühestens 2016.
Heizt der Fels mehr ein, als die Ingenieure vermuten, drohen massive Mehrkosten. Das Szenario: Über die Zugangsstollen bei Sedrun GR und Faido TI muss Frischluft in den Tunnel gepumpt werden. Damit lassen sich die Temperaturen um 5 bis 10 Grad senken.

Für die SBB hätte dies zusätzliche jährliche Betriebskosten «im einstelligen Millionenbereich» zur Folge, so Bratschi. Damit nicht genug: «Der Betrieb würde wegen des Unterhalts und wegen möglicher Störungen kompliziert.»

Hitzetest für Cisalpinos

«Wir verfolgen die Entwicklung aufmerksam», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. Am Mittwoch fand in Olten SO ein Treffen zwischen Vertretern der SBB und der Wiener Firma RTA statt: Sie soll die neuen Cisalpino-Neigezüge auf extreme Temperatur-
schwankungen hin testen. Schliesslich sollen sie dereinst mit 250km/h durch den längsten Tunnel der Welt rasen.

In der Printausgabe


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Das NEAT-Loch wird immer grösser!

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