Ferrero-Waldner half Calmy-Rey! Zwei Frauen gegen Gaddafi

  • Publiziert: 02.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Marcel Odermatt

Wichtiger Akt in der Libyen-Krise: EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner hat solidarisch mit der Schweiz bei Gaddafi interveniert.

Das hatte Diktator Muammar al-Gaddafi (66) wohl zuletzt erwartet. Ausgerechnet eine Frau und Vertreterin der Europäischen Union legte sich für die Schweizer Geiseln ins Zeug. Die EU-Kommissarin für Aussenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner (59, ÖVP), griff in die Krise zwischen der Schweiz und Libyen ein und wurde persönlich bei der libyschen Regierung in Tripolis vorstellig.

SonntagsBlick weiss: Die österreichische Aussenpolitikerin machte dem Regime telefonisch klar, dass die Schweiz uneingeschränkt auf die Solidarität Brüssels zählen könne. Eine Wiederholung des achtjährigen Skandals um fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt werde die EU nicht mehr hinnehmen. Die sechs waren von der libyschen Justiz beschuldigt worden, mehr als 400 Kinder vorsätzlich mit dem Aids-Virus infiziert zu haben.

Ihre Todesurteile waren bis zur letzten Instanz bestätigt worden. Erst auf massiven Druck der Europäischen Union und nach Intervention des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy (53) waren die Verurteilten im Juni des vergangenen Jahres begnadigt und in Sicherheit gebracht worden.

Die Krise mit der Schweiz war durch die Verhaftung von Gaddafis Sohn Hannibal (32) im Genfer Luxushotel Président Wilson ausgelöst worden. Zwei Bedienstete hatten ihn wegen Körperverletzung, Drohung und Nötigung verklagt.

Der Wüstenstaat reagierte mit der willkürlichen Verhaftung zweier Angestellten von Schweizer Unternehmen in Libyen und drohten mit einem Ölboykott. Am 22. Juli protestierte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (63) in einem Telefongespräch mit ihrem libyschen Amtskollegen scharf gegen dieses Vorgehen.

Um den Druck auf den libyschen Regenten weiter zu verstärken und die Krise endlich zu entschärfen, sicherte sich Calmy-Rey die Unterstützung ihrer konservativen Freundin Ferrero-Waldner. Trotz unterschiedlicher politischer Herkunft verstehen sich die beiden Frauen glänzend. So entschloss sich Ferrero-Waldner beim letzten Treffen der beiden Politikerinnen Anfang Juni in Crans-Montana VS kurzerhand, im Ferienhaus von Calmy-Rey zu übernachten und schickte ihre Entourage ins Tal.

Wie bei solchen diplomatischen Aktionen üblich, hält sich das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bedeckt: «Wir können weder bestätigen noch dementieren, dass es eine Intervention von Ferrero-Waldner gegeben hat», sagt EDA-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat.  

Weiterhin heikle Situation

Trotz diplomatischer Bemühungen auf höchster Ebene schwelt die Krise zwischen der Schweiz und Libyen weiter. «Es gibt noch immer Punkte, die wir mit Libyen zu besprechen haben», sagt Jean-Philippe Jeannerat, Sprecher des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

So rät das Aussendepartement weiterhin von Reisen in das nordafrikanische Land ab. Swiss beschloss am Freitag, auch heute Sonntag nicht in die libysche Hauptstadt Tripolis zu fliegen. Die beiden Schweizer, die am Dienstag aus der Haft entlassen wurden, sitzen weiterhin fest: Sie dürfen Libyen nicht verlassen.  

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