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Eine Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass sie unbequme Meinungen offen und unvoreingenommen debattiert. Es sind nicht die Regierenden, die die alleinige Deutungshoheit über das Meinungsspektrum haben.
Volkes Meinung ist nicht immer schön, gut und edel. Sie kann auch nachgerade widerlich sein. Deshalb werden dem Volk in den Verfassungen der westlichen Demokratien Grenzen gezogen. Rassen- und Volksverhetzung etwa ist verboten.
Thilo Sarrazin hat keine dieser Sünden begangen. Er hat nur laut darüber nachgedacht, wie es sich in näherer Zukunft leben wird, wenn für die Integrationsprobleme der muslimischen Migranten keine Lösung gefunden wird. Das Szenario, das Sarrazin in seinem Buch beschreibt, ist nicht schön. Es macht Angst.
Dafür, dass er gegen die politische Korrektheit verstossen hat, soll Sarrazin büssen. Seine Partei will ihn rausschmeissen. Sein Vorstandsamt bei der Bundesbank soll er verlieren. So wollen es die politisch Korrekten.
Aus dem Volk kommen andere Signale. Viele Menschen wollen, dass der Mahner Sarrazin bleibt, dass er Gehör findet. Das wiederum macht Thilo Sarrazin Mut. Und Hoffnung, dass Volkes Stimme in der Demokratie eben doch etwas zählt. Und dass die Politik mit ihm streitet, statt ihn aus der Öffentlichkeit zu verbannen.
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Auslandredaktor Johannes von Dohnányi.