Zugunglück von Bad Aibling (12 Tote) Fahrdienstleiter muss ins Gefängnis

Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit 12 Toten ist ein Fahrdienstleiter der Bahn zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

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Beim Zusammenstoss zweier Züge in Bad Aibling (D) sind am 9. Februar 12 Menschen getötet und und fast 90 zum Teil lebensgefährlich verletzt worden .Jetzt hat das Landgericht Traunstein einen Mitarbeiter der Bahn im Zusammenhang mit dem Unglück der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Der Fahrdienstleiter ist zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Zugunglück Bad Aibling: Fahrdienstleiter erhält dreieinhalb Jahre Haft play

 

REUTERS/Michael Dalder

 

Zu Prozessbeginn hatte der Bahnmitarbeiter gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoss der beiden Züge am 9. Februar in dem oberbayerischen Kurort das Fantasy-Rollenspiel «Dungeon Hunter5» auf seinem Handy gespielt zu haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Die Vorschriften der Deutschen Bahn verbieten jedoch die private Nutzung von Smartphones im Dienst.

Spiel lenkte ihn ab

Vom Spielen abgelenkt stellte der Fahrdienstleiter an jenem Unglücksmorgen mehrere Signale im Stellwerk falsch, wie die mehrtägige Beweisaufnahme im Prozess das Ermittlungsergebnis bestätigte.

Beim Absetzen eines Notrufes drückte der 40-Jährige zu allem Unglück auch noch eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Der Frontalzusammenstoss auf eingleisiger Strecke war daraufhin nicht mehr zu verhindern.

An einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung hatte nach sechs Verhandlungstagen kein Zweifel mehr bestanden. Denn selbst die Verteidiger des Fahrdienstleiters räumten dies ein. Allerdings hielten sie eine Bewährungsstrafe für ausreichend. Allenfalls kam für die Anwälte eine Haftstrafe von maximal zweieinhalb Jahren infrage.

Staatsanwalt wollte vier Jahre Gefängnis

Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen vier Jahre Gefängnis beantragt. Die Hinterbliebenen der Todesopfer und verletzten Passagiere schlossen sich als Nebenkläger dieser Forderung im Wesentlichen an.

Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre. Das Gericht betonte bei seinem Urteilsspruch, alle Beteiligten hätten zu einem «ruhigen und sachlichen Verhandlungsstil» beigetragen.

Veraltete Signale

Bekannt wurde in dem Prozess auch, dass die Bahn auf der Unglücksstrecke seit mehr als 30 Jahren veraltete Signaltechnik einsetzt.

 Eine Vorschrift von 1984, zusätzliche Anzeigen zu installieren, war nicht umgesetzt worden, wie ein Unfallexperte des staatlichen Eisenbahn-Bundesamtes aussagte. Die Bahn muss dies aber nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun. (bau/SDA)

Publiziert am 05.12.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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5 Kommentare
  • Roman  Bachmair aus Naters
    05.12.2016
    Er kommt da verhältnismässig noch sehr gut weg, angesichts der hohen Anzahl Menschen, welche da tödlich verunglückt sind!
  • Bruno  Meier aus Urdorf
    05.12.2016
    Wenn die Leben dutzender, wenn nicht hunderter Menschen vom reibungslosen "Funktionieren" einer Person abhängen, beteht der Fehler und die Veranwortung am Unglück in allererster Linie bei der Planung, also bei der Geschäftsleitung bzw. der Verwaltung oder dem Verwaltungsrat (in dummsprech Englisch: dem Management). In solchen Fällen muss immer das Vieraugenprinzip gelten. In erster Linie gehörten somit der oder die Verantwortlichen für den Einmanndienst an dieser Strecke ins Gefängnis.
    • werner  widmer aus russikon
      05.12.2016
      Es fehlt offenbar bei der Deutschen Bahn eine Kultur, die solche Missstände aufdeckt und verhindert. Es kann nicht sein, dass 2 Züge auf der gleichen Strecke miteinander Vorfahrt haben. Durch das fehlerhafte und leichtsinnige Verhalten des Fahrdienstleiters sollten lediglich die Fahrten der beiden Züge automatisch verhindert werden. Dafür gehört er bestraft, aber nicht hinter Gitter. Was sagen die Planer dazu?
  • M  Müller aus Zürich
    05.12.2016
    Die Kleinen tragen die Verantwortung, das ist auch richtig. Die Grossen tragen keine Verantwortung (UBS, Swissair, usw.), das ist falsch oder ganz einfach staatlich legitimierte Kriminalität. Ist es die Aufgabe des Staates ein Heer zu sein?
    • Thomas  Meier 05.12.2016
      Wäre wichtig, Urteilsbegründung zu kennen. Wenn er v.a. für Verletzung von Dienstanweisungen verurteilt worden ist (Handy spielen; Vernachlässigung der Kontrollaufgaben), wäre das Urteil leicht nachvollziehbar. Wenn er aber einen Fehler gemacht hat, ohne dabei ein Reglement zu verletzen, einfach, weil er etwas übersehen hat ..... wer würde noch Fahrdienstleiter arbeiten wollen ? Und wie steht es mit dem 4-Augen-Prinzip in solchen Funktionen ?