Zugunglück Menschliches Versagen offenbar Ursache für Zugunglück in Bayern

Bad Aibling/Berlin/Bern – Das schwere Zugunglück bei Bad Aibling in Oberbayern mit zehn Toten und rund 80 Verletzten soll auf menschliches Versagen zurückgehen. Der Grund sei offenbar eine «verhängnisvolle Fehlentscheidung» eines Bahnmitarbeiters, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

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Das Netzwerk, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören, berief sich am Dienstagabend auf Ermittlerkreise. Die Nachrichtenagentur dpa ihrerseits stützt sich auf eine «zuverlässige Quelle».

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äussern. Die Ermittlungen würden noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Spezialisten hätten mit ihrer Ermittlungsarbeit gerade erst begonnen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Dem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland zufolge soll der Bahnbedienstete das automatische Signalsystem ausnahmsweise ausser Kraft gesetzt haben, um einen verspäteten Triebwagen noch «quasi von Hand durchzuwinken». Der entgegenkommende Zug habe ebenfalls grünes Licht bekommen.

Zwei mit etwa 150 Passagieren besetzte Regionalzüge prallten daraufhin bei Bad Aibling rund 50 Kilometer südöstlich von München auf eingleisiger Strecke frontal zusammen und verkeilten sich ineinander.

Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Unglücksstelle schwer zugänglich ist. Verletzte wurden deswegen auch von Helikoptern aus mit Hilfe von Seilwinden gerettet.

Die Unglücksstelle liegt am Waldrand neben einem Seitenkanal des Flusses Mangfall. Lediglich ein schmaler Fahrweg führt in die Nähe der Unfallstelle. Rettungskräfte waren mit Autos und Booten im Einsatz. Sie wurden auch von Mitgliedern der Bergwacht unterstützt.

In der Luft waren rund 15 Helikopter von Rettungsdiensten und Polizei unterwegs. Auf dem Bahngleis näherten sich Helfer den Zugwracks mit von Hand geschobenen Draisinen. Die Züge sollen nach Angaben der Deutschen Bahn in den kommenden Tagen mit schweren Eisenbahnkränen geborgen werden.

Die Mangfalltalbahn wird mithilfe des Punktförmigen Zugbeeinflussungssystems (PZB 90) kontrolliert - «ein System, das automatisch dafür sorgen soll, dass das Aufeinandertreffen von Zügen nicht stattfindet, indem Züge zwangsgebremst werden, wenn sie unberechtigt auf einer Strecke sind, Signale überfahren oder Ähnliches», sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt vor den Medien.

Das System war erst in der vergangenen Woche ohne Auffälligkeiten im Rahmen einer Routineuntersuchung kontrolliert worden.

Das Unglück ist eines der schwersten der vergangenen Jahre in Deutschland. In Hordorf in Sachsen-Anhalt prallten vor fünf Jahren ein Regionalzug und ein Güterzug ebenfalls auf einer eingleisigen Strecke aufeinander. Damals kamen zehn Menschen ums Leben. Danach wurde das Kontrollsystem PZB auf den Haupt- und Nebenstrecken Pflicht.

Die beiden zusammengestossenen Züge waren vom Schweizer Zughersteller Stadler Rail im Thurgau produziert worden. Über die Unfallursache könne Stadler als Hersteller allerdings keine Auskunft geben, teilte die Firma am Dienstag mit. «Wir warten auf die ersten Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden vor Ort.»

Stadler habe mit Bestürzung vom Zugunglück Kenntnis genommen, hiess es in der Mitteilung. Und weiter: «Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gehört den Verunglückten und ihren Angehörigen.»

Das Zugunglück löste in Deutschland landesweit Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte: «Ich bin bestürzt und traurig.» Sie sei in Gedanken bei den Verletzten und Angehörigen der Opfer. Auch der russische Präsident Wladimir Putin und der französische Premierminister Manuel Valls schlossen sich mit Beileidsbekundungen an.

Aus der Schweiz schrieben Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und Aussenminister Didier Burkhalter an die deutschen Amtskollegen Joachim Gauck und Frank-Walter Steinmeier, um ihre Betroffenheit und ihr Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. Von Schweizer Opfern habe man keine Kenntnis, hiess es am frühen Dienstagabend vom Aussendepartement (EDA) in Bern weiter. (SDA)

Publiziert am 09.02.2016 | Aktualisiert am 09.02.2016
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